Die Ferienbande – 12. Meltdown im verfluchten Horror-Hotel



Einen Ausflug zum Wörthersee – die Ferienbande ist zwar etwas irritiert, dass dabei ein realer Ortsname in einem Hörspiel erwähnt wird, freut sich aber schon auf Wassersport und Entspannung. Sie haben allerdings nicht damit gerechnet, dass ihre Sekretärin Irene Hitchcock ein ziemliches Schlamassel angerichtet und stattdessen eine Busreise in die Karpaten gebucht hat. Als der Bus dann an einer steilen Klippe abstürzt, zerschellt und abbrennt, scheint das Ende der Ferienbande gekommen…

Wie umgehen mit schrägem, beleidigendem Humor und dem Wunsch, niemanden damit zu verletzen? Für die zwölfte Episode der „Ferienbande“ wurde dazu eine Lösung gefunden: es gibt zunächst eine Warnung vor politisch unkorrektem Umgang und gleichsam den Hinweis, dass dies im realen Leben zu keiner Zeit tolerierbar ist. „Meltdown im verfluchten Horror-Hotel“ wurde an zwei Abenden bei Live-Aufführungen aufgenommen, beide Versionen sind hier enthalten – obwohl beide Male die gleiche Geschichte aufgeführt wurde. Auch wenn das ungewöhnlich klingt: Es ist mehr als lohnend, beide Versionen zu hören, um die vielen unterschiedlichen Feinheiten herauszuhören. Improvisierte Momente, Versprecher, andere Ausprägungen markanter Momente – das erhöht den Humorfaktor noch mehr und lässt den Respekt vor den Sprechern merklich steigern, die immer sehr unterhaltsam und witzig agieren. Der Humor der „Ferienbande“ kommt dabei auch hier wieder hervorragend zur Geltung, er ist schräg, derbe und schnell getaktet. Die typischen Anspielungen auf das Medium Hörspiel sorgen für einen gewissen Biss, wobei sich auch die Akteure selbst nicht allzu ernst nehmen. Schön ist, dass eben all der Respektlosigkeit auch immer die Achtung gewahrt bleibt. Die Handlung tritt dabei eigentlich schon in den Hintergrund, und natürlich recht langsam erzählt, um den Gags Raum zu bieten. Dennoch wirkt diese im Vergleich zu anderen Folgen etwas holprig, besonders die Auflösung wirkt uninspirierter als sonst. Dennoch: Insgesamt macht auch der „Meltdown im verfluchten Horror-Hotel“ sehr stark.

Es sind wieder nur vier Sprecher, die das gesamte Hörspiel mit sämtlichen Haupt- und Nebenfiguren bestreiten. Sven Buchholz springt dabei mit Leichtigkeit zwischen den verschiedenen Rollen hin und her, sogar zwei Hauptfiguren werden durch ihn gesprochen. Jede Rolle bekommt dabei einen ganz eigenen Klang verliehen, der Humor-Faktor ist dabei aber immer sehr hoch. Kai Schwind tut es ihm gleich und ist ebenso bei sächsischem Akzent wie in Frauenrollen sehr überzeugend. Neu dabei ist Karoline Mask von Oppen als Babsi (und natürlich ebenso einigen anderen Rollen), was herrlich überspitzt und mit zielgenauem Witz gelungen ist. Matthias Keller ist unter anderem in den Erzähltexten zu hören, bringt diese aber ebenso überzeugend herüber wie die Dialoge und klingt immer sehr lebendig und treffend.

Da es sich um Live-Mitschnitte handelt, hört man eben auch immer wieder das Lachen des Publikums, was eine gelöste Atmosphäre erzeugt. Die Sprecher sind jedoch zu jeder Zeit bestens zu verstehen, der Klang ist sehr klar. Und auch die Live-Geräusche und die eingebundenen Musikstücke sind gelungen eingebaut und sorgen für eine lebendige Produktion.

Die vier Sprecher sind nicht nur stimmlich stark, sondern können auch hervorragend Grimassen schneiden, wie sie auf dem Cover beweisen. Die vier CDs befinden sich in einem hübsch gestalteten Digipack, das im Inneren einige Fotos von den Aufführungen, Infos zu den Mitwirkenden und Tracklisten der Discs zu finden sind. Das ist reichhaltig und ausführlich geraten – hier hat man sich richtig Gedanken gemacht.

Fazit: Auch Episode zwölf der „Ferienbande“ punktet mit schrägem, derben Humor, wundervollen Kommentaren der Hörspielszene (wobei hier auch das Grusel-Genre ordentlich auf die Schippe genommen wird) und skurrilen Figuren. Die Handlung wirkt dabei nicht ganz so stimmig wie in früheren Episoden, die Spielfreude ist den Sprechern aber wieder sehr anzumerken – insbesondere weil die gleiche Handlung an zwei verschiedenen Abenden zu hören ist. Sehr gelungen!

VÖ: 14. März 2022
Label: WortArt
Bestellnummer: 9783837160147

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