Maigret – Die raffiniertesten Fälle



Franz Steufels, ein angesehener Buchhändler, wird in einer anonymen Anzeige des Mordes beschuldigt, er soll eine Leiche in einem Heizofen verbrannt haben. Tatsächlich werden die Überreste menschlicher Zähne aufgefunden und Steufels festgenommen. Kommissar Maigret von der Pariser Kriminalpolizei wird auf den Fall angesetzt, kommt aber bei seinen Ermittlungen nicht weiter. Unerwartete Hilfe bekommt er ausgerechnet von seiner Frau…

Georges Simenon hat zahlreiche Romane und Geschichten um seine Figur Jules Maigret geschrieben, die insbesondere auch in den 50er Jahren als Hörspiel umgesetzt wurden. Sieben Hörspiele unterschiedlicher Radioanstalten hat der Audio Verlag nun in einer Box versammelt und gemeinsam veröffentlicht – zwei von diesen stammen dabei aus den 80er Jahren und stechen deswegen ein wenig heraus. Auch die Laufzeit variiert deutlich, während der Einstieg mit „Frau Maigret als Detektiv“ über 80 Minuten lang ist, sind andere in einer halben Stunde auserzählt. Und auch die Ansätze der Fälle sind sehr variabel und bieten einige Abwechslung: Mal gilt es aufzudecken, ob es sich um einen Unfall oder ein Verbrechen handelt, dann muss die Unschuld eines angeblichen Mörders bewiesen werden oder ganz klassisch ein Täter überführt werden. Mir gefällt dabei, dass eben nicht nur die Identität des Mörders im Fokus steht, sondern vor allem immer die Suche nach einem überzeugenden Motiv im Vordergrund steht. Thematisch stechen zwei der Fälle jedoch positiv hervor: In „Maigrets Weihnachtsfest“ wird angeblich der Weihnachtsmann gesichtet, der sogar Geschenke für die kleinen Zeuginnen zurücklässt – ein ungewöhnlicher Ansatz, der clever und mit viel Charme erzählt wird. Andererseits soll Maigret in „Maigrets Memoiren“ zum Helden diverser Schundromane herhalten – dass der Autor sich dort nicht ganz so ernst genommen hat, ist ein sehr gelungenes Element. Auch ansonsten durchzieht feiner, süffisanter Humor die Geschichten, die Charaktere sind gut ausgearbeitet und das Tempo – wie man es von Hörspielen dieser Zeit kennt – recht langsam. Dennoch kommt eigentlich immer eine gute Stimmung und etwas Spannung auf, sodass eine lohnenswerte Box entstanden ist.

Aufgrund der unterschiedlichen Produktionsjahre und verschiedener vertonender Radiosender ist auch eine Vielzahl unterschiedlicher Sprecher zu hören, wobei auch die Hauptfigur unterschiedlich besetzt ist. Leonhard Steckel ist in „Frau Maigret als Detektiv“ in der Titelrolle zu hören und verleiht der Figur eine kraftvolle, aber auch authentische Sprechweise. Den leisen Humor greift er dabei gekonnt auf, kann seine Stimme aber auch hart und forschend klingen lassen – sehr gelungen! Walter Richter hat mir ebenfalls gut gefallen, indem er dem Kommissar in „Maigrets Memoiren“ noch einmal ganz anders klingen lässt und den Ärger der Titelfigur sehr überzeugend darstellt, wobei er für viele markante Momente sorgt. Horst Christian Beckmann übernimmt die Titelrolle in „Maigrets Weihnachtsfest“ und legt den Fokus etwas mehr auf die scharfsinnige Art des Kommissars, spricht aber auch gediegen und launig, sodass auch diese Umsetzung ihren Reiz entfalten kann. Weitere Sprecher sind Theo Schulte, Friedrich Otto Scholz und Rudolf Schumann.

Klassischerweise ist die Musikuntermalung auch bei diesen Radiohörsielen etwas spärlich geraten, nur in wenigen Momenten wird die Szenerie von passenden Melodien begleitet. Auch die Geräuschkulisse ist hier nicht so vielfältig wie in vielen aktuellen Produktionen, überzeugt aber mit passenden Klängen. Das bringt viel nostalgischen Charme mit sich, überzeugt aber mit einer sauberen Klangqualität – mit Ausnahme eines leicht blechernen Untertons klingt alles sehr sauber.

Der titelgebende Kommissar ist auf dem Covermotiv zu sehen, Pfeife rauchend, schick gekleidet und mit einer angedeuteten Bibliothek im Hintergrund. Das ist einer Filmszene entnommen und in der schwarz-weißen Optik bereits nostalgisch, wobei der rote Schriftzug für einen gelungenen Kontrast sorgt. Fünf einzelne CD-Hülle sind dabei in der Box versammelt, wobei zu jedem Hörspiel die Mitwirkenden aufgelistet sind.

Fazit: Sieben Hörspiele mit gediegener Krimiunterhaltung – Kommissar Maigret ist hier in ganz unterschiedlichen Fällen zu hören. Dabei treffen inhaltlich die beiden Produktionen aus den 80er Jahren dank des ungewöhnlichen Ansatzes meinen Geschmack am meisten, aber auch die anderen Fälle sind überzeugend umgesetzt und gelungen erzählt. Sehr unterhaltsam und sehr nostalgisch.

VÖ: 16.Mai 2022
Label: Der Audio Verlag
Bestellnummer: 9783742423597

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