Insel-Krimi – 19. Der Schatz von Rügen



Till Asmussen hat zwar als Investigativjournalisten bereits für aufregende Artikel gesorgt, doch bei seinen neuen Recherchen ist er über das Ziel hinaus geschossen und wird von seinem Chef gefeuert. Das Pech scheint in zu verfolgen, denn sein Patenonkel wird kurz danach auf dem ruhigen Rügen tot aufgefunden – und Till ist gezwungen von Berlin auf die Insel zu reisen. Dabei muss er feststellen, dass sein Onkel nicht so beliebt war, wie er gedacht hätte…

Die „Insel-Krimis“ von Contendo Media beherbergen immer eine sehr große Portion Lokalkolorit der norddeutschen Insel mit seinen verschrobenen Charakteren, der besonderen Lebensart und der markanten Umgebung. In „Der Schatz von Rügen“ wird dies noch etwas erweitert, denn Hauptfigur Till Asmussen kommt aus dem lebendigen Berlin, was nicht nur durch seinen starken Dialekt zur Geltung kommt – auch die Unterschiede zwischen Großstadt und Insel werden dabei thematisiert. Aus meiner Sicht wird dieses Potenzial jedoch nicht vollkommen ausgeschöpft, der Kulturclash hätte ruhig markanter ausfallen können. Gut gefällt mir, dass es gleich zu Beginn der Handlung viele Hinweise auf die Tat gibt – Tills Patenonkel war auf der Insel nicht sonderlich beliebt, hatte eine bewegte Vergangenheit, aber auch einige Figuren verhalten sich auffällig. Und dennoch lässt sich noch nicht allzu früh das Bild komplett zusammensetzen, weil im Laufe der Zeit weitere Indizien hinzukommen. Leider lässt der Spannungsbogen aber schon vor dem großen Finale nach, weil man dann eben doch auf die Lösung des Ganzen kommt. Die Figuren sind dabei charmant geraten und bringen eine eigene Note in die Handlung ein, insbesondere eine sich anbahnende Liebesgeschichte sorgt noch für ein paar weitere gelungene Facetten, auch wenn ein paar Details dann doch etwas zu aufgesetzt wirken. Insgesamt eine stimmige Episode mit einem unterhaltsamen Verlauf und hübscher Atmosphäre.

Peter Flechtner hat in dieser Episode die Hauptrolle des Till Asmussen übernommen und berlinert sich durch die Handlung, wobei sein Dialekt mal mehr, mal weniger stark zur Geltung kommt. Sympathisch, bodenständig und glaubhaft wirkt er aber allemal. Kerstin Draeger ist als Annemarie Sommer zu hören und verleiht der Inselbewohnerin eine angenehme Ausstrahlung und viel Charme, zumal sie in den spannenden Szenen auch für zusätzlichen Druck sorgt. Eckart Dux und seine wunderbar knarrige Stimme sorgen als Helmuth Friedrichsen noch für ein paar markante Momente, wobei er der Figur einen rauen Charme verleiht. Weitere Sprecher sind Julia Biedermann, Robert Frank und Marc Schülert.

Berliner Flair kommt in den ersten Szenen in der Bundeshauptstadt zwar nicht auf, das norddeutsche Inselthema wird aber immer wieder gekonnt aufgegriffen – inklusive Akkordeonmusik und natürlich Wellenrauschen am Strand. Aber auch ansonsten sind die Geräuschkulissen überzeugend gestaltet und sorgen für eine stimmige Atmosphäre.

Das Titelbild zeigt auch dieses mal wieder eine stimmige Inselkulisse, hier mit einem Blick über große Steine auf einen Sandstrand. Durch den schwarzen Rahmen wird ein wenig mysteriöse Düsternis mit eingebunden, doch insgesamt wirkt das Titelbild wieder eher beliebig und könnte so auch zu (fast) jeder anderen Episode der Serie gehören.

Fazit: „Der Schatz von Rügen“ setzt gleich zu Beginn viele Hinweise auf das Leben des Opfers und der Hauptfigur ein, sodass ein interessanter Start gelingt. Im Laufe der Zeit setzen sich die Puzzlestücke aber zu schnell zusammen, sodass beim großen Finale einige Enthüllungen verpuffen. Die norddeutsche Stimmung kommt zwar gut zur Geltung, hätte aber durch mehr Unterschiede zum Berliner Journalisten deutlicher gestaltet werden können.

VÖ:
Label: Contendo Media
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