Erebos – Das Hörspiel



Colin, ein ansonsten engagierter Schüler in London, verändert sich plötzlich, schwänzt die Schule, verpasst das Basketball-Training und verhält sich auch ansonsten gegenüber seinem Freund Nick gegenüber abweisend. Und schon bald bekommt auch Nick eine Ahnung davon, woran das liegt: Auf einem DVD-Rohling mit der Aufschrift „Erebos“ ist ein Spiel enthalten, das auch Nick bald in seinen Bann zieht…

Der ungewöhnliche Roman „Erebos“ hat bereits viele Fans gefunden und ein recht großes mediales Echo bekommen, nun wurde die Geschichte auch als aufwendiges Hörspiel umgesetzt. Die Mischung aus Science-Fiction und Fantasy spielt in der heutigen Zeit und spielt auf zwei Ebenen: Im realen Leben sowie in der Welt des Computerspiels Erebos, was für viele fantastische Elemente sorgt. Gelungen ist, dass für die beiden Teile jeweils unterschiedliche Erzähler im Einsatz sind, was es einfacher macht, zwischen den Ebenen zu unterscheiden. Zunächst ist völlig unklar, wobei es sich um Erebos überhaupt handelt, was es mit der unheimlichen, blechernen Stimme des Programms auf sich hat. Doch während sich die Handlung auf den beiden Ebenen weiterentwickelt, bekommt man immer mehr eine Ahnung von dem Gesamtbild. Und auch das Spielsystem wird immer detaillierter beschrieben, die Grenzen zwischen beidem verwischen, man weiß irgendwann selbst nicht mehr, was man glauben soll. Genau diese rätselhafte, mysteriöse Stimmung ist sehr reizvoll und sorgt für einen sehr gelungenen Eindruck von der Handlung. Der Hype um die Geschichte ist sehr verständlich und wird mit dieser sehr gelungenen Umsetzung sicherlich noch fortgesetzt, insbesondere da ich es nicht nur für Jugendliche, sondern auch für Erwachsene sehr unterhaltsam finde.

Tim Kreuer wurde für die Hauptrolle des Nick eingesetzt und kann die verschiedenen Facetten des Schülers überzeugend umsetzen und insbesondere auch die Wandlung seines Charakters glaubhaft darstellen, wird immer reizbarer und aufgeregter – sehr überzeugend. Julian Greis spricht seinen Freund Colin ebenfalls sehr vielseitig und passt sehr gut in die Atmosphäre der Handlung, wobei er die düstere Seite der Geschichte gekonnt betont. Das Erzählerduo aus Volker Hanisch und Julia Nachtmann überzeugt mit sehr atmosphärischer Sprechweise, beide verleihen ihren Texten eine lebendige und eingängige Stimmung. Weitere Sprecher sind Achim Buch, Julian Greis und Jonas Minthe.

Auch die hervorragende akustische Gestaltung trägt zum intensiven Eindruck der Produktion bei – und das beginnt schon mit der schnarrenden, technisch verzerrten Stimme von Erebos. Seien es die Szenen im realen London oder der fiktiven Welt des Spiels, alles ist mit vielen authentischen Geräuschen unterlegt. Auch die Musik von Obias Leluschko und FX:One Music ist sehr überzeugend und transportiert die verschiedenen Stimmungen mit oft düsteren, sehr atmosphärischen Melodien.

Natürlich wurde das Buchcover auch für das Hörspiel verwendet, der rote Untergrund mit dem markanten Schriftzug und dem Auge in en einer Art Zahnradoptik wirkt auch hier passend und geheimnisvoll. Das fast zweieinhalbstündige Hörspiel befindet sich auf einer MP3-CD in einem hübschen Digipack, in dem im Inneren neben den üblichen Angaben zu den Mitwirkenden auch eine Kurzbiographie zur Autorin enthalten ist.

Fazit: „Erebos“ baut schnell eine geheimnisvolle Stimmung auf und ist eine sehr gelungene Verbindung zwischen dem realen London und einer fiktiven Welt, die nicht nur die Figuren, sondern auch den Hörer vollkommen in ihren Bann zieht. Die Umsetzung ist eindringlich, dynamisch und technisch sehr hochwertig produziert, zumal auch die Sprecher sehr überzeugend sind. Eine sehr empfehlenswerte Produktion – nicht nur für jugendliche Hörer.

VÖ: 19. November 2021
Label: Leonine
Bestellnummer: 4061229249324

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