Das Nachtleben der Götter



Bei einer seiner zahlreichen Experimente hat Hunter Hawk erneut eine Explosion verursacht, doch das Ergebnis scheint sich gelohnt zu haben: Endlich hat er die Formel gefunden, wie man lebende Wesen in Statuen verwandeln kann. Als er seinen Sieg mit reichlich Rotwein feiert, begegnet ihm die geheimnisvolle Meg Turner, die angeblich seit 800 Jahren auf der Erde wandelt und die genau entgegengesetzte Fähigkeit hat. Gemeinsam reisen die beiden nach New York und erwecken die Statuen der römischen Götter zum Leben. Doch diese finden sich in der Großstadt gar nicht zurecht…

Man kann Interplanar nicht vorwerfen, dass sie sich lediglich auf ein einzelnes Genre festlegen. Nach Science-Fiction oder Dystopie gibt es mit dem Einzelhörspiel „Das Nachtleben der Götter“ nun die Adaption eines Buches von Thorne Smith auf dem Jahr 1947, das sich am ehesten einem Urban Fantasy-Roman zuordnen lässt. Die Idee, dass die römischen Götter in der heutigen Zeit erweckt werden, kommt aber erst etwa zur Hälfte der zweistündigen Produktion auf, zuvor wird die Situation von dem Wissenschaftler Hunter Hawk und seine Begegnung mit Meg ausführlich beschrieben – und das auf sehr unterhaltsame Weise. Es gibt Slapstick-Momente, komplizierte Familienzusammenhänge, einen Ausblick auf die Mystik der Geschichte und bissige Kommentare. Das macht viel Spaß und bereitet gekonnt den Weg für die Erweckung der Götter vor – und dann nimmt die Handlung noch einige unerwartete Wendungen. Die Verwirrung der Götter im New York der 1920er Jahre, das Chaos, welches von ihnen gestiftet wird, die skurrilen Situationen, in die sie verfrachtet werden, aber eben auch ein anderer Blickwinkel auf die machtvollen Götter und ihre Beziehungen untereinander. Das ist kreativ, witzig und sehr unterhaltsam umgesetzt, was für ein außergewöhnliches, aber auch sehr lohnenswertes Hörspiel sorgt.

Konrad Bösherz ist in der Hauptrolle des Hunter Hawk zu hören und überzeugt mit einer sehr ausdrucksstarken Sprechweise, er setzt sehr gekonnt verschiedene Betonungen und steigert den Humor der Geschichte mit seinem perfekten Timing, sodass die Gags richtig sitzen. Derya Flechtner hat als Meg zwar auch eine sehr präsente Sprechweise, diese klingt allerdings auch manchmal etwas zu hölzern, die geheimnisvolle und freche Stimmung des exzentrischen Charakters bringt sie aber gut zur Geltung. Oliver Stritzel spricht Bacchus, den römischen Gott des Weins, mit seiner markanten Stimme und sorgt für viele sehr gelungene Momente, indem er die skurrilen Situationen gekonnt erfasst und dabei einen markanten Charakter schafft. Weitere Götter werden von Richard Barenberg, Sarah Alles und Luisa Wietzorek gesprochen.

Die akustische Gestaltung des Hörspiels ist lebendig und sehr treffend – insbesondere da in der Musik die 20er Jahre aufleben und die Szenenwechsel mit hübschen Klaviermelodien verziert werden. Doch der Fokus liegt immer auf den Dialogen, die mit passenden Geräuschen und Sounds unterlegt werden. So sind die verschiedenen Szenen mit passenden Hintergründen unterlegt und bekommen so einen lebendigen Ausdruck.

Das Titelbild mit der schwarz-blauen Optik, der New Yorker Skyline im Hintergrund und der einsamen Statue vor einem Fenster ist faszinierend – umso mehr, wenn man das kleine Booklet aufklappt und sich das Bild noch weiter fortsetzt. Dieses Motiv wird im Inneren öfters wiederholt, neben einer Auflistung der Mitwirkenden sind keine weiteren Informationen vorhanden.

Fazit: „Das Nachtleben der Götter“ bietet einen ausgedehnten ersten Teil um die Vorstellung der Charaktere, in die wunderbarer Humor eingebunden ist, der aber auch gelungen die Weichen für das Erwecken der Götter stellt. Ab hier nimmt die Handlung unerwartete Wendungen, spielt mit der Götterrolle, setzt die bekannte Figuren in ganz andere Verhältnisse und gefällt mit außerordentlich gut.

VÖ: 3. Dezember 2021
Label: Folgenreich
Bestellnummer: 0602438914616

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