Jenseits der Zeit – Das Hörspiel



Noch hält der Frieden auf der Erde, die Trisolarier halten sich an den hart erkämpfen Waffenstillstand und leben in einer aktuell friedlichen Koexistenz. Und auch wenn beide Parteien voneinander lernen und sich gegenseitig bereichern, kommt der Frieden ins Bröckeln, als Cheng Xin aus ihrem Kälteschlaf erwacht und das Wissen um ein gut gehütetes Programm mit sich bringt. Und das könnte das Ende der gesamten Menschheit bedeuten…

Mit „Jenseits der Zeit“ schließt Cixin Liu seine Trilogie um die Trisolarier in einem finalen Roman ab – und auch dieser wurde vom WDR in ein opulentes Hörspiel umgesetzt. Mit einer Laufzeit von über fünf Stunden ist es dennoch deutlich gekürzt, insbesondere viele der physikalischen Theorien werden nicht so ausführlich beschrieben, wie es im Buch der Fall ist. Doch gerade das trägt zu einer Konzentration auf die eigentliche Handlung bei. Das Tempo der Erzählung ist dennoch eher langsam, der Hörer bekommt einige Szenen sehr ausführlich beschrieben, auch der Verlauf der wesentlichen Ereignisse liegt insbesondere zu Beginn nicht sonderlich eng beieinander. Doch es sind die vielen kleinen Zwischentöne, die das Hörspiel dennoch sehr hörenswert machen, bei der viele moralische und gesellschaftspolitische Themen besprochen und kommentiert werden. Doch natürlich wird auch die Handlung fortgesetzt, wobei der zeitliche Abstand zu den ersten beiden Romanen recht groß ist. Dennoch sind die Verbindungen sehr eng, sodass man die grundsätzliche Handlung präsent haben sollte, um hier folgen zu können. Beachtlich ist, wie wenig zimperlich der Autor mit seinen Figuren umgeht, auch wichtige Charaktere untergehen lässt, was immer wieder für gelungene Überraschungen sorgt.

Karoline Bär ist in der Rolle der Cheng Xin zu hören und lässt die Ambivalenz der Figur in ihrer Stimme mitklingen. Ihre ruhige Art klingt sympathisch, aber auch ein wenig düster, was für sehr eindringliche Momente sorgt. Tanja Schleif ist in der Rolle der Ai-AA ebenfalls sehr überzeugend und baut viele feine Facetten ein, passt sich sehr gut an die unterschiedlichen Stimmungen ein und lässt auch die Entwicklung der Figur nachvollziehbar werden. Als Erzählerduo sind Helene Grass du Daniel Rothaug zu hören, die gelungen durch die Handlung führen und die vorherrschende Atmosphäre überzeugend unterstreichen. Weitere Sprecher sind Omar El-Saeidi, Sarah Liu und Dieter Schaad.

Die akustische Umsetzung des Hörspiels passt sich sehr gelungen den unterschiedlichen Stimmungen an und reicht von ruhig über bedrückend oder aufregend, wobei immer der technische Fortschritt in die Geräuschkulisse eingebunden ist. Besonders die anfänglichen Szenen um ein Selbsttötungsprogramm sind dabei eindringlich in ihrer technischen Kühle geraten und bleiben so nachhaltig in Erinnerung. Die eingebaute Musik ist sehr gut darauf abgestimmt und sorgt für atmosphärische Momente.

Das Cover wurde der Buchvorlage entnommen und im Wesentlichen lediglich an das andere Format einer CD angepasst, wobei auch der Schriftzug mehr in den Fokus gerückt wurde. Die vier CDs finden sich in einem hübschen Digipack, das sich mehrfach aufklappen lässt und neben den üblichen Angaben zu den Mitwirkenden auch eine Kurzbiographie zu der Autorin enthält.

Fazit: „Jenseits der Zeit“ ist eine sehr technische, ernsthafte Zukunftsvision, die gesellschaftliche Strukturen beleuchtet und interessante Figuren vor vielseitige Herausforderungen stellt. Dabei ist die Stimmung oft bedrückend und sehr eingängig, die Umsetzung trotz deutlicher Kürzung von einer langsamen, aber intensiven Erzählweise geprägt. Das lohnt sich – falls man die ersten beiden Teile kennt und viel Aufmerksamkeit investiert.

VÖ: 17. Mai 2021
Label: Random House
Bestellnummer: 9783837155259

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