John Sinclair: Tonstudio Braun – 90. Der Unheimliche von Dartmoor



Mary Wicker wird in einer Nacht in ihrem Haus von einem unheimlichen Mann attackiert, kann sich aber gerade noch flüchten und ihre Nachbarn alarmieren. Nachdem sie sich erholt hatte, informiert ihr Doktor Scotland Yard – und der Fall landet unweigerlich bei John Sinclair, der umgehen nach Dartmoor reist. Schnell stellt der Geisterjäger dabei einen Zusammenhang zum nahegelegenen Gefängnis her, aus dem in letzter Zeit immer wieder Insassen ausgebrochen sind – und schleicht sich undercover dort ein…

„Der Unheimliche von Dartmoor“ ist sicherlich einer der markantesten Heftromane der „John Sinclair“-Reihe, die Stimmung, die davon ausgeht, ist deutlich düsterer und erwachsener als bei vielen anderen Geschichten. Und eben diesen Eindruck vermittelt auch die Umsetzung vom Tonstudio Braun, die als 90. Episode erschienen und natürlich auch von Lübbe Audio neu aufgelegt wurde. Zunächst sind einige Introszenen zu hören, die an verschiedenen Punkten ansetzen und verschiedene Szenerien präsentieren. Der Schwenk zu John Sinclair ist dann ebenso plötzlich und kommt ganz ohne das übliche Vorgeplänkel in London aus. So startet die Handlung unvermittelt und bleibt durchgängig intensiv und spannungsreich. Und auch die Szenen im Gefängnis, in denen sich Sinclair der dort vorherrschenden Rangordnung und den harten Regeln des Gefängnispersonals anzupassen versucht. Das ist sehr intensiv dargestellt und mit vielen eindringlichen Szenen umgesetzt. Mir gefällt die überraschende Entwicklung mit einigen für die Serie ungewöhnlichen Elementen, die sich recht stark auf den Erzählstrang um John Sinclair konzentriert. Auch wenn die Auflösung etwas statisch wirkt und vor allem von Sinclair in einem Monolog erzählt wird, ist eine der stärksten Episoden der Serie gestanden, in der die starke Vorlage stimmungsvoll und treffend umgesetzt wurde.

Wie immer sind auch hier die Sprecher nicht vollständig bekannt und wurden im Booklet nicht ihren Rollen zugeordnet – einfach weil nicht mehr bekannt und rekonstruierbar ist, wer die einzelnen Rollen umgesetzt hat. Helmut Winkelmann ist aber natürlich als John Sinclair zu hören und sorgt mit seiner gradlinigen und ziemlich coolen Art für einen gelungenen Eindruck des Geisterjägers. Auch der Gefängnisdirektor hat mir mit seiner authentischen und ausdrucksstarken Sprechweise gut gefallen, er passt sich gut an die düstere Atmosphäre der Folge an. Auch der übernatürliche Gegenspieler dieser Geschichte ist sehr überzeugend dargestellt, natürlich recht pathetisch, aber dennoch nicht zu überzogen.

Ohne Frage ist die musikalische Untermalung mit der Heimorgel, die typisch für diese Reihe ist, nicht die abwechslungsreichst, die man sich vorstellen kann. Aber sie gehört eben nicht nur einfach dazu, sondern sorgt in dieser Episode tatsächlich für eine passende und unheimliche Atmosphäre, sodass sie bei weitem nicht so nervig ist wie in manchen anderen Folgen. Und auch die Geräuschkulisse wirkt hier stimmiger und verleiht den Szenen einen passenden Hintergrund,

Natürlich wurde auch für diese Episode das Titelbild der Heftromanvorlage übernommen und mit dem markant grünen Rahmen (inklusive gleichfarbiger CD-Hülle) sowie einigen Elementen mit Goldfolie verwendet. Zu sehen ist die düster beleuchtete Attacke eines unheimlichen Mannes mit fast weiß leuchtenden Augen und einem erhobenen Messer, was durch die dunkel-gräuliche Hautfarbe noch mehr Stimmung erhält.

Fazit: Nicht nur der Gruselfaktor ist hier überzeugend, auch die höchst irdischen Vorgänge im Gefängnis von Dartmoor strahlen eine sehr intensive Stimmung aus. Die Szenerie ist packend, der Verlauf kurzweilig und intensiv, sodass eine sehr starke Episode der Serie entstanden ist, die mir sehr gut gefallen hat.

VÖ: 30. August 2019
Label: Lübbe Audio
Bestellnummer: 9783785758908

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