Sinclair Underworld – 4. Abbey Wood



Der neueste Vorfall in Abbey Wood ruft nicht nur Scotland Yard auf den Plan, auch die Presse stürzt sich auf die Verwandlung von Benjamin Shelford in ein grausiges Tentakelmonster. Doch Sadako Shao hegt noch einen anderen Verdacht: Der Staatssekretär Paul Hammerstead scheint ein dubioses Spiel zu treiben und eigene Unzulänglichkeiten zu vertuschen. Doch nachgehen kann sie dem nicht, da London von immer mehr übernatürlichen Vorfällen heimgesucht wird…

„Abbey Wood“ ist nicht nur ein zentraler Schauplatz von „Sinclair Underworld“, der zweiten Staffel der Neuinterpretation des bekannten Geisterjägers. Es ist auch der Titel der vierten Episode, womit natürlich schon angedeutet wird, dass das Geheimnis der Abteiruine weiter ergründet werden wird – und der Hörer wird dabei nicht enttäuscht. Der Start setzt direkt am Vorgänger an und lässt die letzten Ereignisse noch einmal in interessanten Dialogen Revue passieren und baut dabei gleichzeitig neue Elemente ein. Mir gefällt, dass neben der mystischen Ebene auch äußerst reale Vorgänge eingebaut werden: Korruption, Vertuschung, Machtmissbrauch. Der Verlauf der Handlung ist zunächst etwas ruhiger, aber durchgängig sehr interessant, der Hörer kann noch tiefer in die komplexen Zusammenhänge eintauchen und bekommt zusätzliche Hintergrundinformationen, die alles ein wenig klarer erscheinen lassen. Später entwickelt sich die Handlung noch in eine andere Richtung, wird spannender, temporeicher und mit mehr Action versehen, ganz in dem Stil, wie man ihn bereits von der Serie gewohnt ist. Schnelle Szenenwechsel, verschiedene Handlungsstränge und eine packende Inszenierung – auch „Abbey Wood“ gefällt mir sehr gut.

Hartmut Becker ist in der Rolle des Paul Hammerstead zu hören und bringt mit seiner volltönenden Stimme einen sehr markanten Charakter mit ein, der nur so trieft vor unsympathischem Auftreten und arroganter Haltung – sehr glaubhaft und passend für diese Serie. Jesse Grimm überzeugt ebenfalls als Mark Brennan mit seinem sehr präsenten Auftreten und gradliniger Sprechweise, zumal er eine ganz andere Seite seines Könnens zeigen kann. Als Kashani ist Volker Hanisch zu hören, der sich dynamisch an die verschiedenen Szenen anpasst und die Düsternis der Figur gekonnt in seinen Klang einfließen lässt. Weitere Sprecher sind Achim Buch, Julia Fölster und Henry Schneider.

Dass der Ansatz dieser Serie sich von den bisher erschienen Umsetzungen unterscheidet, zeigt sich insbesondere auch in der akustischen Gestaltung. Alles klingt sehr nahbar, in den meisten Szenen realistisch und kühl, in den spannenderen Szenen dann bombastisch und düster. Dabei sind dräuende Musikstücke und markante Geräusche gelungen kombiniert, was für einen sehr präsenten Ausdruck sorgt.

Sadako Shao hat als zentrale Figur in dieser Staffel von „Sinclair“ auch einen Platz auf dem Titelbild verdient. Bis auf den Folgentitel und die Nummer unterscheidet es sich aber nicht von den restlichen Covern, sodass schnell Verwechslungsgefahr besteht – und ein wenig eintönig wirkt es natürlich auch. Im Booklet gibt es bei der Auswahl der düsteren Fotos mehr Abwechslung, was wieder stimmig und ansehnlich geraten ist.

Fazit: Die vierte Episode setzt direkt am Vorgänger an und lässt praktisch keine Zeit dazwischen vergehen, sodass ein unmittelbarer Einstieg in die Handlung entsteht. Zunächst etwas ruhiger erzählt und mit weiteren Details zu den Hintergründen versehen, entwickelt sich die Handlung später wieder prägnanter und spannender weiter – was erneut sehr überzeugend und hörenswert wirkt.

VÖ: 30.September 2021
Label: Lübbe Audio
Bestellnummer: 9783785757949

Datenschutzerklärung