Die Denkmaschine – 5. Die versteckte Million



John Walter Ballards Leben neigt sich unaufhörlich dem Ende entgegen, doch auf dem Totenbett rechnet er mit seiner ungeliebten Familie ab. Er eröffnet ihnen, dass er sein beträchtliches Vermögen in Wertpapiere eingetauscht und sicher versteckt hat. Die Erben finden trotz intensiver Suche keine Spur von dem Geld und suchen die Hilfe von Amateurkriminologe Augustus van Dusen auf…

Der oben beschriebene Ansatz der fünften Episode von „Die Denkmaschine“, der Neuinterpretation der Figur des Professor van Dusen von Markus Winter, klingt nach einem vergnüglichen kleinen Fall, der innerhalb einiger scharfer Beobachtungen des Ermittlers gelöst werden kann. Ein Rätsel, das mit den anfangs gestreuten Hinweisen bereits mehr oder weniger offenkundig sein könnte. Und doch: In dem Fall steckt noch wesentlich mehr. Nach der Szene am Totenbett und einem Gespräch, in dem van Dusen mit dem Fall beauftragt wird, geht es mit zahlreichen Ermittlungen in verschiedene Richtungen weiter – und diese sind deutlich komplexer, als zunächst vermutet. Es geht um detaillierte Vorgänge in der Bank in der Vergangenheit, neue Verdachtsmomente gegenüber einigen Familienmitglieder, aber beispielsweise auch um den kleinen Rest der Erbschaft. Der Aufbau ist logisch und konsequent, es werden nicht zu viele Fragen auf einmal aufgeworfen, sondern immer wieder auch Teillösungen eingebaut. So entstehen keine allzu großen Wissensvorsprünge bei van Dusen, sodass die Entwicklung sehr authentisch wirkt. Mit über 80 Minuten Laufzeit ist die eher kurze Vorlage von Jacques Futurelle deutlich länger geraten und viele Zusammenhänge spannend und umfassend erklärt – ein sehr klassisches Kriminalstück mit langsamen, aber unterhaltsamen Verlauf. Und ein paar sehr gelungene Anspielungen auf andere, sehr bekannte Hörspielreihen gibt es dann auch, was besonders Fans alter Serien freuen dürfte.

Thomas Nero Wolff ist ein weiteres Mal in der Rolle der Denkmaschine Professor van Dusen sehr überzeugend und verleiht seiner markanten Stimme einen volltönenden Klang, die bissigen Kommentare und die klugen Schlussfolgerungen wirken dadurch sehr markant. Oliver Siebeck spricht die Rolle des Walther Ballard ebenfalls sehr ausdrucksstark und verleiht der komplizierten Beziehung zu seinem verstorbenen Vater mehr Tiefgang, bringt aber auch eine sehr authentische Sprechweise mit ein. Jeffrey Wipprecht spricht dessen Sohn Anthony und legt – passend zur Rolle – viel Energie in seine Stimme und punktet mit lebendigem Ausdruck. Weitere Sprecher sind Helmut Gauss, Esra Vural und Marianne Groß.

Die Umsetzung der Geschichte wirkt klassisch und hat dennoch einen modernen Klang. Insbesondere die eingebauten Melodien vereinen diese beiden Widersprüche mit mal lauten und präsenten Stücken, mal mit leisen Melodien im Hintergrund, was für viel Stimmung sorgt. Aber auch die Geräuschkulisse ist treffend umgesetzt und sorgt mit vielen passenden Klängen für eine authentische Atmosphäre der verschiedenen Situationen.

Eine einst prachtvolle und feudale Villa, die nunmehr aber dem Verfall anheimgefallen ist, wurde als Titelbild ausgewählt, zwei Polizisten in typischer Uniform der damaligen zeit halten davor Wache. Gut gefallen mit die vielen Details, die trotz der Farbgestaltung in Sepia herausgearbeitet wurde. Ein launiger Einleitungstext im Booklet ist neben den üblichen Angaben zu den Mitwirkenden auch hier zu finden.

Fazit: „Die versteckte Million“ ist ein Fall, der sich langsam aufbaut und von einem sehr interessanten Gedankenspiel ausgeht. Viele kleine Hinweise werden verfolgt und akribisch recherchiert, sodass ein sehr runder Eindruck des Geschehens entstanden ist. Die Auflösung ist überraschend und treffend, die Charaktere sehr gekonnt dargestellt, sodass eine weitere hörenswerte Episode der Reihe entstanden ist.

VÖ: 19. November 2021
Label: WinterZeit
Bestellnummer: 9783960663348

Datenschutzerklärung