Sherlock Holmes Chronicles – 88. Wisteria Lodge



Sherlock Holmes ist erleichtert, als er ein Telegramm mit der Bitte um Hilfe in einem sonderbaren Fall erhält, sind doch in letzter Zeit keine interessanten Ermittlungen an ihn herangetragen worden. Doch der Bericht von Scott Eccles klingt reizvoll: Nachdem er eine Nacht in dem Haus eines flüchtigen Bekannten Garcia verbracht hat, ist dieses menschenleer. Und noch während seines Berichts trifft auch ein Inspector von Scotland Yard ein, um ihn wegen Mordes festzunehmen…

„Wisteria Lodge“ ist ein Fall für Sherlock Holmes, der von Sir Arthur Conan Doyle zunächst in einer Zeitung veröffentlicht wurde und später in den Sammelband „Seine Abschiedsvorstellung“ aufgenommen wurde – ein echtes Original also, das nun für die „Sherlock Holmes Chronicles“ als 88. Episode umgesetzt wurde. Der Fall an sich ist sehr klassisch aufgebaut und bietet mal wieder ein kniffeliges Rätsel für Sherlock Holmes: Eigentlich unmögliche oder zumindest unwahrscheinliche Begebenheiten, kleine Anhaltspunkte, an denen er die Geschehnisse rekonstruiert, einige stimmungsvolle Nachforschungen vor Ort. Gerade diese gefallen mir sehr gut, da dabei einige unheimliche Momente aufkommen, düstere Figuren und Überreste toter Tiere inklusive. Hier liegt dann auch der Fokus mit einigen ausführlichen Beschreibungen, was mir gut gefallen hat. Doch das drückt das Tempo stellenweise, welches bei den Geschichten des Autors ja sowieso nicht immer sonderlich hoch ist. Mich hat das nicht sonderlich gestört, da die Atmosphäre eben doch dicht ist und durchaus einige sehr interessante Aspekte eingebunden sind, sodass eine sehr solide Episode der Serie entstanden ist.

Mit Rainer Fritzsche ist eine erfahrene Stimme als Scott Eccles zu hören, er liefert eine sehr glaubwürdige und abwechslungsreiche Performance ab, sodass die Emotionen des Mannes gut zur Geltung kommen. Gut gefallen hat mir auch Leonhard Mahlich als recht einfältiger Inspector Baynes, der eine leichte Arroganz in seine Stimme einbaut und seine Szenen sehr treffend umsetzt. Auch Jannik Endemann macht seine Sache als Garcia überzeugend, trotz vergleichsweise kurzem Auftritt gestaltet er eine lebendig wirkende Figur. Weitere Sprecher sind Luisa Wietzorek, Helmut Krauss und Patrik Bähr.

Nicht nur die Bearbeitung des Originaltextes, auch die Umsetzung als Hörspiel ist Markus Winter gut gelungen. Er betont die düstere Szenerie mit passender Musik, die dann auch während der Dialoge im Hintergrund für viel Atmosphäre sorgt, baut an vielen Stellen passende Geräusche ein und erschafft so eine lebendige Szenerie. Schön, dass das Flair der Serie dabei flexibel genug ist und dennoch gut zur Geltung kommt.

Die Düsternis der Geschichte wird auch auf dem Titelbild von Mark Freier zum Ausdruck gebracht, der unheimlich geschminkte Mann mit dem angedeuteten Totenschädel, dazu eine nur schummerig durch eine Straßenlaterne erhellte Szenerie – sehr ansprechend. Die restliche Gestaltung ist wie immer ansprechend und enthält einen kleinen Einleitungstext von Markus Winter, aber auch Infos und Fotos zu den beiden Hauptsprechern.

Fazit: „Wisteria Lodge“ ist kein absoluter Top-Fall, bietet aber eine dichte, leicht unheimliche Stimmung und einen verzwickten Fall mit vielen Rätseln. Die ruhige Stimmung gefällt mir gut, ebenso wie der Fokus auf den düsteren Elementen der Geschichte, die geschickt betont wurden. Eine sehr solide Umsetzung, die überzeugend produziert wurde.

VÖ: 3. Dezember 2021
Label: WinterZeit
Bestellnummer: 9783960662488

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