Gruselkabinett – 176. Das Lächeln des Toten



Gabriel Ockram und Eveln Warburton haben entschlossen, einander zu heiraten. Doch Gabriels todkranker Vater, Sir Hugh, ist von ihrer Vermählung alles andere als angetan und stößt mit einem diabolischen Lächeln auf den Lippen finstere Vorahnungen aus. Dennoch will sich das Paar nicht von seinen Plänen trennen, doch schon wenige Tage später erfahren die beiden mehr über die Hintergründe der Familie…

„Das Lächeln des Toten“ ist nicht die erste Geschichte aus der Feder von Francis Marion Crawford, die das Hildener Hörspiellabel Titania Medien vertont hat, Folge 176 stammt nun wieder aus der Feder des US-amerikanischen Schriftstellers. Die Handlung ist zwar in London verortet, was aber nur wenig Auswirkungen auf die Handlung hat – lediglich die adelige Gesellschaft und einige christliche Motive sind geblieben. Mit der oben beschriebenen Szene wird schon recht früh in der Handlung ein mysteriöser und eindringlicher Höhepunkt gesetzt, die ersten geheimnisvollen Rätsel um die Familie der Ockrams sorgen für Interesse. Doch auch danach werden kontinuierlich noch mehr unerklärliche Anspielungen aufgebaut, was für zahlreiche sehr markante Szenen sorgt. Ich mag, wie nebenbei die Lebensumstände des Paares und einiger anderer Figuren beschrieben wird, doch die Düsternis mag auch in den wenigen alltäglichen Situationen nicht weichen, was für eine sehr dichte und intensive Stimmung sorgt. Besonders eindrücklich ist der Tod von Sir Hugh Ockram geschildert, eine sehr intensive Szene, die jedoch nicht das letzte Highlight bleiben soll. Denn die Geschichte wird sehr düster abgeschlossen, das Geheimnis der Familie zwar ausgeführt, aber eben nicht bis ins letzte Detail aufgedeckt, sodass auch nach dem Hören noch eine unheimliche Stimmung mitschwingt.

Matthias Lühn übernimmt in der Rolle des Gabriel Ockham nicht nur Dialoge, sondern spricht auch die Erzähltexte. Beides ist ihm sehr gut gelungen, er beweist große Präsenz und eine sehr authentische Sprechweise. Herbert Tennigkeit hat als Sir Hugh Ockham zwar einen merklich kürzeren Auftritt, nutzt diesen aber mit einer sehr intensiven Wirkung, er sorgt für sehr unheimliche Momente und bringt das diabolische Lächeln des Todkranken in seiner Stimme zur Geltung. Beate Gerlach überzeugt als Mrs. Macdonald mit ihrem kraftvollen Klang und sehr markanten Auftritten – sehr gelungen. Weitere Sprecher sind Fabienne Hesse, Sigrid Burkholder und Janina Sachau.

Musikalisch wurden hier mal wieder einige neue Akzente gesetzt. Natürlich gibt es auch hier wieder eine sehr dichte Stimmung und eine fast durchgängige Begleitung, doch manche Musikstücke stechen hervor, beispielsweise mit kirchlichen Klängen oder Gesangsspuren. Die Geräusche sind etwas zurückhaltender, aber sehr fein auf die Handlung abgestimmt, was für einen sehr engmaschigen und atmosphärischen Eindruck sorgt.

Johannes Belach hat das Titelmotiv gestaltet und die Szenerie sehr düster gehalten. Nur durch einen schmalen, gelblichen Lichtstreifen wie durch einen Türschlitz wird das unheimliche Lächeln auf dem Gesicht des Mannes beleuchtet. Sehr schön, wie dennoch viele Details und Verzierungen eingebaut wurden, das wirkt sehr stimmungsvoll und unheimlich.

Fazit: „Das Lächeln der Toten“ setzt gleich an den Anfang eine sehr düstere und unheimliche Szene, doch es folgen auch danach viele ähnlich eindringliche Momente. Die Stimmung ist deswegen durchgängig sehr dicht, die Figuren markant, die Auflösung unheimlich – eine sehr hörenswerte Folge, die auch wieder hervorragend umgesetzt wurde.

VÖ: 23. Dezember 2021
Label: Titania Medien
Bestellnummer: 9783785783863

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