Sherlock Holmes Chronicles – 87. Insel der Schatten



An der malerischen Küste Cornwalls wird eine Leiche angespült, die schon einige Tage im Meer getrieben haben muss. Nachdem die örtliche Polizei bei den Ermittlungen nicht vorankommt, schreibt der Arzt der kleinen Gemeinde Saint Ilses, Edward Judd, seinem alten Studienkollegen einen Brief mit der Bitte um Hilfe – nicht wegen medizinischer Konsultation, sondern weil dieser mit einem bekannten Detektiv befreundet ist. Doch dann verschwindet Edward Judd spurlos…

Mit 74 Minuten ist „Insel der Schatten“, die 87. Episode der „Sherlock Holmes Chronicles“, nicht gerade kurz geraten. Umso überraschender ist es dann, dass gerade einmal sieben Sprecher zu hören sind – inklusive der beiden Sprecher der Hauptrollen. Wer nun eine langgezogene Episode mit ausufernden Dialogen erwartet, liegt allerdings falsch: Trotz der begrenzten Szenerie und einem klaren Fokus auf der Leiche und dem Verschwinden von Watsons altem Freund sind viele unterschiedliche Momente zu hören, die sich abwechslungsreich und unterhaltsam präsentieren. Dabei kommt die Stimmung Cornwalls sehr gut zur Geltung und punktet mit einem klaren Bild von der Landschaft, aber auch von den eigenbrötlerischen Bewohnern. Die Handlung wird immer weiter vorangetrieben und mit immer neuen Hinweisen angereichert, ist aber insgesamt nicht sonderlich komplex geraten. Und auch wenn Holmes zunächst aus den Hinweisen aus dem Brief einige Rückschlüsse zieht: Die Ermittlungen sind deutlich lebendiger umgesetzt als gewohnt und ist mit vielen markanten Szenen umgesetzt. Die Auflösung zieht dann einige unerwartete Details ans Licht, was für einen gelungenen und intensiven Abschluss der gelungenen Episode sorgt.

Tobias Lelle ist in der Rolle des Edward Judd sehr überzeugend und verleiht dem Arzt der kleinen Gemeinde eine sehr standfeste, glaubwürdige Sprechweise mit überzeugenden Emotionen, was auch in seinen Erzählszenen gut zur Geltung kommt. Engelbert von Nordhausen ist als Morstan sehr präsent und verleiht seiner markanten Stimme einige neue Facetten, klingt kühl und abweisend, was in vielen überzeugenden Momenten gut zur Geltung kommt. Auch Uli Krohm macht seine Sache als Denholm Lacy sehr gekonnt und bringt eine sehr solide und authentisch wirkende Sprechweise mit ein. Weitere Sprecher sind Patrick Baehr, Nicole Hannak und natürlich Till Hagen.

Akustisch ist diese Folge besonders atmosphärisch geraten. Die Musik ist dabei wie immer gut an die Handlung angepasst und sorgt dafür, dass man sich gleich wieder wohlfühlt, es sind aber mehr Geräusche als sonst zu hören. So wird die malerische Landschaft greifbar und lebendig, das Rauschen des Wassers, das Stimmgemurmel in einem Pub, der tosende Wind an der Küste oder – natürlich – knisterndes Kaminfeuer sind sehr dicht und atmosphärisch geraten.

Mark Freier hat für das Titelbild eine sehr stimmungsvolle Illustration geschaffen, die die rauen Klippen Cornwalls mit den vielen kleinen Höhlen und den starken Wellen. Im Gegenlicht der untergehenden Sonne erkunden zwei Männer die Gegend, was mit seinen dunklen Farben sehr atmosphärisch wirkt. Im Inneren des kleinen Booklets sind nicht nur Kurzinformationen zu den beiden Hauptsprechern, sondern auch eine Übersicht der bisherigen Folgen und ein einleitender Text vorhanden…

Fazit: Stimmungsvoll, dicht, abwechslungsreich: Dass „Insel der Schrecken“ trotz sehr reduziertem Cast so gelungen ist, liegt einerseits an der gekonnten Umsetzung, andererseits aber auch an dem überzeugenden Handlungsverlauf, der nie riesige Schritte macht, aber kontinuierlich neue Elemente hinzufügt. Ich mag die geschickte Auflösung, auch wenn der Fall nicht sonderlich komplex ist, gibt es dabei einige Überraschungen.

VÖ: 17. September 2021
Label: WinterZeit
Bestellnummer: 9783960662471

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