Dark Trace – 8. Das Mädchen mit der Violine



Als Cor Liewens auf offener Straße von einem ganzen Trupp vermummter Motorradfahrer umzingelt wird, kann er nur mit knapper Not und mit Hilfe seiner Sekretärin Madeleine van der Zee entkommen. Doch Zeit für Erholung wird dem Kriminalhauptkommissar nicht gegönnt, da eine Mordserie an afrikanischen Kindern Amsterdam in Schrecken hält. Doch es handelt sich ausschließlich um Albino-Kinder, die zudem merkwürdige Bissspuren aufweisen…

Dass es bei Hörspielserien mit der Veröffentlichung etwas stockt, ist der Hörer aus unterschiedlichen Gründen bereits gewohnt. Bei „Dark Trace“ liegt der Fall aber noch einmal anders, da es sogar mehrere Jahre gedauert hat, bis mit „Das Mädchen mit der Violine“ als achte Episode erschienen ist. Audionarchie hat die Serie von Maritim übernommen, Autor Ascan von Bergen ist aber weiterhin für das Skript zuständig und hat seiner Hauptfigur Cor Liewens einen knallharten Thriller geschrieben. Wieder geht es dabei ziemlich blutig und brutal zu, einige detailreiche Beschreibungen sorgen für schockierende Momente, wie es auch in aktuellen Büchern oft zum Trend gehört. Das muss man mögen, ist aber auf jeden Fall sehr stimmig umgesetzt. Auch der Charakter von Cor Liewens ist sehr ausdrucksstark – er kümmert sich nicht um Regeln, ist politisch äußerst unkorrekt und ist nicht sehr wertschätzend seinen Mitmenschen gegenüber. Sicherlich, das wirkt allein betrachtet überzogen, im Kontext der Serie funktioniert die Figur aber gut, vor allem im Zusammenhang mit den Nebenrollen. Die Handlung ist temporeich, viele Schnitte sorgen für Abwechslung, da man immer wieder in unterschiedliche Szenerien eintaucht. Interessant ist auch die Verknüpfung mehrerer Fälle – die ermordeten Kinder, eine Mafia-Thematik, eine geheimnisvolle Violinistin: Das greift alles gut ineinander und ist mit vielen interessanten Gedankengängen angereichert. Eine hörenswerte Episode und ein gelungener Neustart der Serie bei dem neuen Label.

Martin Keßler spricht wie bereits in den ursprünglichen sieben Episoden die Rolle des Cor Liewens und lässt seine Stimme dabei rau und hart klingen, bringt die polternde und teils ordinäre Art des Ermittlers mit Nachdruck zur Geltung und bringt auch den Humor der Figur passend ein. Melanie Manstein ist in der Rolle der Gerichtsmedizinerin Stine Lindbergh zu hören und setzt ihre Stimme sehr variabel ein, kann sich einerseits an die düstere Atmosphäre anpassen, aber auch Zerbrechlichkeit und feine Facetten einbauen, was sehr überzeugend wirkt. Florentine Draeger beweist einmal mehr, dass sie auch in ernsten und erwachsenen Rollen eine sehr gute Figur macht, sie spricht die Rolle der Santiana Cantese überzeugend und mit viel Ausdruck in der Stimme. Weitere Sprecher sind Peter Weis, Yvonne Greitzke und Tommi Piper.

Akustisch wird insbesondere bei den Geräuschen einiges aufgefahren, während der Dialoge sind diese vielfältig und realistisch eingebaut. Die Handlungen der Figuren, aber auch passende Hintergründe werden dabei geschaffen, lenken aber nicht zu sehr von den Dialogen ab. Die Musik ist stellenweise leise im Hintergrund zu hören, beeinflusst aber vor allem die Szenenübergänge mit harten, passenden Melodien, die den Spannungsbogen unterstreichen.

Auch wenn die Episode lediglich digital veröffentlicht wurde, ist ein eigenständiges Titelbild im Stil der ersten Folgen entstanden. Eine junge Frau, die gerade auf eine Violine spielt, ist als Wahl für das Motiv bei diesem Titel nur wenig überraschend, der große Bildausschnitt ist dazu aber gut gewählt. Das Bild mag etwas generisch wirken, auch die anderen grafischen Elemente sind eher schlicht und funktional, dennoch passt alles stimmig zusammen.

Fazit: Die Rückkehr von „Dark Trace“ ist wieder ein harter Thriller geworden, was nicht nur durch die Brutalität der Taten und den unkonventionellen Ermittler unterstrichen wird. Auch die Szenerie wirkt düster und bedrohlich, die schnellen Szenenwechsel und der gelungene Spannungsbogen sorgen für einen gelungenen Eindruck. Schön, dass die Serie einen Neustart erhält!

VÖ: 17. September 2021
Label: Audionarchie
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