Sherlock Holmes Chronicles - 86. Das Rätsel der schwarzen Abtei



Jonathan Temborn sucht die Hilfe von Sherlock Holmes auf, der jedoch wenig Interesse an der Geschichte einer verfallenden Abtei hat – selbst wenn der ehemalige Abt Christopher angeblich große Reichtümer angehäuft haben soll, die nun seit einiger Zeit verschwunden sind. Und wird der Bewohner des angrenzenden Dorfs erst einmal fortgeschickt. Erst, als Holmes ein Paket mit einer kürzlich verschwundenen Figur erhält und weitere Details erfährt, nimmt er sich den Ermittlungen an…

„Das Rätsel der schwarzen Abtei“ ist bereits die vierte Geschichte aus der Sammlung neuer Geschichten „Die Diamanten der Prinzessin“ um den berühmten Meisterdetektiv, den WinterZeit als 86. Episode der „Sherlock Holmes Chronicles“ umgesetzt hat. Der Start wirkt bereits sehr klassisch: Das Motiv des neuen Klienten für Sherlock Holmes, der ihn in der Baker Street aufsucht und von seinen Erlebnissen berichtet – und auch die ablehnende Haltung des Meisterdetektivs dem Fall gegenüber, was hier mit Nachdruck umgesetzt wurde. Es schließt sich ein Rätsel an, welches mit einem bestimmten Code entschlüsselt werden kann. Zwar ist dies gelungen umgesetzt, da der triebhafte Wahn von Holmes sehr gut zur Geltung kommt, die Lösung des Rätsels ist ohne schriftliche Informationen aber nur schwer nachzuvollziehen und dadurch etwas zu lang geraten. Danach wird der Fall aber wieder recht klassisch fortgeführt, ausgestattet mit einigen Lösungswörtern und gesammeltem Hintergrundwissen durch die Hauptfigur sind die Ermittlungen vor Ort unterhaltsam und spannend geraten. Dabei ist dieser Fall nicht sonderlich komplex, sondern ab einem gewissen Zeitpunkt auch noch gut vorauszuahnen. Und auch die Reduktion auf nur wenige Figuren und lange Dialoge zwischen dem bekannten Gespann sorgt nicht unbedingt für Dynamik. Doch die eingebauten, leicht mysteriösen Komponenten, die dichte Stimmung und der unterhaltsame Verlauf sorgen für ein solides Hörspiel, welches zudem sicher und stimmungsvoll wie immer umgesetzt wurde.

Die Zahl der Sprecher ist hier auf gerade einmal sechs reduziert, wobei drei von ihnen – Viola Sauer als Mrs. Hudson, Frank Otto Schenk als Wirt und Adam Nümm als Gast in der Kneipe – auch nur kleine Rollen einnehmen. Bert Franzke ist in der Rolle des Jonathan Temborn zu hören und setzt seine markante Stimme gekonnt ein, um eine sehr präsente Figur mit glaubhafter, lebendiger Betonung zu erschaffen. Till Hagen ist als Sherlock Holmes natürlich wieder eine Wucht, er spricht die bekannte Rolle wieder auf seine ganz eigene Art und überzeugt auch mit der Arroganz, trotz derer die Figur sehr zugänglich wirkt. Tom Jacob ist natürlich wieder als Dr. Watson zu hören, der sowohl in den Dialogszenen als auch in den Erzähltexten einen sehr präsenten Eindruck hinterlässt und dabei den sanften Witz der Rolle sehr gut einbringt.

Gelungene Variation einiger bekannten Melodien, die gelungen in die Handlung eingebaut sind, dazu stimmungsvolle neue Stücke – die Musik der Episode ist überzeugend geraten und sorgt für eine dichte Atmosphäre. Auch die Geräusche sind wie immer sehr genau eingefügt und lassen die Dialoge lebendiger werden, was zusammen mit der Musik effektvoll geraten ist.

„Der schwarze Abt“ ist der eigentliche Titel dieser Kurzgeschichte, wie Markus Winter in dem Vorwort verrät. Und auch wenn die Umbenennung erfolgt ist, ist der Abt mit der tief ins Gesicht gezogenen Kapuze auf dem Titelbild sehr markant in Szene gesetzt, wozu auch die düsteren Farben und der detailreiche Hintergrund mit der alten Abtei und dem hell scheinenden Vollmond zum Gelungen des Covers beiträgt.

Fazit: „Das Rätsel der schwarzen Abtei“ mag nicht der spannendste Fall der Reihe sein und ist zudem mit einem kleinen Rätsel ausgestattet, welches in Hörform nur schwer nachzuvollziehen ist. Doch interessant und stimmungsvoll ist auch dieses Hörspiel geraten, zumal die dichte Stimmung und die markanten Figuren überzeugend umgesetzt wurden.

VÖ: 16. Juli 2021
Label: WinterZeit
Bestellnummer: 9783960662464

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