Die Denkmaschine - 3. Das verlassene Haus



Mitten in der Nacht erhält Professor Augustus van Dusen einen Anruf, in dem eine männliche Stimme einen Hilferuf absetzt. Doch bevor die beiden weitere Informationen austauschen können, wird die Leitung unterbrochen. Doch natürlich lässt den Hobbykriminologen der Anruf keine Ruhe, sodass er sogleich Holly Hatch anruft und sie zur Telefonzentrale beordert, um die Ermittlungen direkt aufzunehmen…

In Zeiten von Jacques Futurelle, dem Erfinder der Figur des Professor van Dusen, war an einer Rufnummernachverfolgung natürlich noch nicht zu denken, schließlich wurden Anrufe dort noch manuell per Kabel miteinander verbunden. Und da sich Markus Winter in seiner Reihe um „Die Denkmaschine“ natürlich ebenfalls in dieser Zeit bewegt, ist der oben beschriebene Aufhänger der dritten Episode mit dem Titel „Das verlassene Haus“ ein sehr interessanter. Das würde an sich schon für einen interessanten Fall sorgen, doch die Handlung entwickelt sich doch schneller weiter, als ich es erwartet hätte. Denn schon bald trifft das Duo aus van Dusen und Hatch nicht nur auf den Hilferufenden, sondern auch auf seine Gegenspieler, geraten die beiden in eine gefährliche Situation, müssen einen kleinen Trick zum Überleben anwenden und so weiter. Der Verlauf ist kurzweilig und unterhaltsam, wobei man den Hintergründen des Falles trotz des steten Informationsflusses nur langsam auf die Spur kommt. So bleiben viele Rätsel lange ungelöst, was die Spannung steigert und das Verständnis dennoch nicht erschwert. „Das verlassene Haus“ ist eine weitere starke Folge, die insbesondere dadurch überzeugt, dass sich die gelungene Atmosphäre mit dem bissigen Witz der Figuren zwar wiederholt, Erzählweise und Rhythmus der Folge aber sehr individuelle wirken.

Anne Helm ist in der Rolle der Holly Henrietta Hatch wieder sehr überzeugend, ihre aufgeweckte und leicht schnippische Art bringt nicht nur Schwung in ihre Dialoge, sondern auch in die kurzen Erzähltexte, die sie mit viel Leben füllt. Hans-Eckart Eckhardt spricht die Rolle des Inspektor Mallory mit leicht brummiger Art und sehr authentisch, seine Betonung ist deutlich und lebendig. Wanja Gerick ist in der Rolle des Folsom zu hören, auch er passt sehr gut in das Ambiente der Serie und sorgt mit überzeugender Betonung für einen gelungenen Auftritt. Weitere Sprecher sind Sarah Alles, Felix Spieß und Tobias Diakow.

Viele Geräusche sorgen hier für einen passenden Hintergrund für die einzelnen Szenen, die sehr sorgsam umgesetzt wurden. So sind nicht nur die klassischen Sounds eingebaut, sondern beispielsweise auch passende Halleffekte. Die Musik ist lebendig und ein wenig nostalgisch, bringt aber auch Schwung und Atmosphäre in die Episode, sowohl während einiger markanter Momente oder in den Szenenübergängen. Das wirkt alles sehr dicht und passend.

„Das verlassene Haus“ ist nicht nur der Titel der Episode, sondern wird auch auf dem Titelbild in Szene gesetzt. Wie in den vorigen Folgen wird auch hier mit Beigetönen gearbeitet, die das herrschaftliche, aber heruntergekommene Treppenhaus trotz des Lichteinfalls ein wenig düster wirken lassen. Der Detailreichtum ist überzeugend, zumal das Cover auch sehr gut mit der Rahmengestaltung mit der leichten Steampunk-Optik funktioniert.

Fazit: „Das verlassene Haus“ bringt die beiden Hauptfiguren wieder sehr gut zur Geltung, ist durch die ganz andere Handlung als in den ersten beiden Episoden aber sehr abwechslungsreich geraten – insbesondere durch die spannende Handlung mit den vielen eingebauten Rätseln, zu denen es zwar immer wieder kleine Teilauflösungen gibt, die aber erst ganz am Ende endgültig aufgeklärt werden. Sehr hörenswert!

VÖ: 23. April 2021
Label: WinterZeit
Bestellnummer: 9783960663324

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