Holy Horror – 4. Der Unsichtbare



In einem New Yorker Hotel kommt ein geheimnisvoller und ziemlich unfreundlicher neuer Gast an, der um sein Gepäck viel Aufhebens veranstaltet, den Roomservice abbestellt und auch ansonsten verlangt, allein gelassen zu werden. Das Misstrauen der Angestellten ist schnell geweckt, der Gast steht schon bald unter besonderer Beobachtung. Doch noch ahnt niemand, was es mit Jack Griffin auf sich hat…

Viele Geschichten des Autoren H.G. Wells sind zu Klassikern geworden und haben zahlreiche Umsetzungen inspiriert. Auch in der Hörspielreihe „Holy Horror“ ist als vierte Episode eine moderne Neuinterpretation erschienen, die zwar einige Elemente aus der originalen Handlung übernimmt, aber nur einen eher kurzen Abschnitt daraus entnimmt, Perspektiven wechselt und die Geschichte in die moderne Zeit verlegt. Der Beginn ist mit der Ankunft von Jack Griffin in dem Hotel gelungen gewählt, wer die Geschichte noch nicht kennt, weiß also erst einmal nichts von der Vorgeschichte – und wer mit dem Klassiker bereits vertraut ist, kann sich über den recht unmittelbaren Start und die neue Sichtweise freuen. Natürlich wird im Laufe der Zeit noch aufgeklärt, was hinter dem geheimnisvollen Gast steckt, die man beispielsweise bei seinen Experimenten begleiten darf und der dabei auch die unbändige Wut von Griffin zu spüren bekommt. Der Verlauf der Handlung ist kurzweilig und abwechslungsreich, da von verschiedenen Personen aus dem Umfeld des Unsichtbaren berichtet wird. Die Spannungskurve steigt nach oben, die Bedrohung wird immer greifbarer, während auch die polizeilichen Ermittlungen immer enger werden und auch Jack Griffin immer weiter unter Druck gerät. Darauf konzentriert sich diese Umsetzung der Geschichte und sorgt so für einen unheimlichen Eindruck, ohne jedoch näher auf den Wahn der Figur und seinen finsteren Plan sonderlich zu betonen. Kurzweilig, aufregend und gut auf das leicht verdauliche Konzept der Serie zugeschnitten.

Michael-Che Koch ist in der Rolle des Jack Griffin mit seiner rauen Stimme sehr gut besetzt und legt sehr viel Wut hinein, brüllt, raunzt und raunzt sich durch die Handlung, was immer wieder für explosive Szenen und einen markanten Eindruck sorgt. Auch die unverkennbare Stimme von Michael Pan bereichert die Umsetzung, der er sehr glaubhaft und betont, aber auch facettenreich einsetzt und so überzeugend auf die verschiedenen Situationen reagiert. Als Sargent Mia Spencer ist Bettina Weiß zu hören – eine von nur zwei weiblichen Rollen – die sich gekonnt an die verschiedenen Momente anpasst und ihrer dunklen Stimme einen passenden Klang verleiht. Weitere Sprecher sind Stefan Müller-Ruppert, Peter Mustafa und Michael Bideller.

Akustisch wird eine sehr solide Leistung geboten, die in den verschiedenen Szenerien einen passenden Hintergrund sorgt. Dabei sind vor allem zahlreiche passende Geräusche eingefügt, die mal ruhig und zurückhaltend, dann aber auch hektisch oder markant wirken – recht plakativ, aber wirksam. Auch die eingebaute Musik passt gut zu der vorherrschenden Stimmung und gestaltet Szenenwechsel und besonders dramatische Szenen mit ihrer unheimlichen Wirkung.

Die computergenerierte Optik des Covers zeigt eine Szene um den bandagierten Jack Griffin, in einem düster beleuchteten Flur, der von hinten von einem ebenso gesichtslosen Polizisten bedroht wird. Das Spiel von Licht und Schatten ist dabei gut gelungen. Gepaart mit der ansehnlichen Optik des Rahmens mit der Idee eines Farbkleckses gefällt mir das insgesamt recht gut.

Fazit: Die Kürzung der Geschichte, der Transport in die heutige Zeit und die wechselnden Erzählperspektive sorgt für einen dynamischen Verlauf des Klassikers und stellt die Bedrohung durch Jack Griffin und die Jagd auf ihn in den Vordergrund. Das bringt einige spannende Momente mit sich und sorgt für eine unheimliche Wirkung, ohne jedoch den tiefergehenden Aspekt aus dem Original beizubehalten.

VÖ: 10. August 2018
Label: Holysoft
Bestellnummer: 9783964470454

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