Edgar Allan Poe & Auguste Dupin – 14. Nachts auf der Seine



Die Hinrichtung von Philippe Boudet ist ein grausiges Spektakel auf den Straßen von Paris, doch nur Edgar Allan Poe und Auguste Dupin wissen, dass nicht er, sondern Gaston Morel der gesuchte Mörder des Bürgermeisters ist. Mit seinen letzten Worten nimmt der Todgeweihte ihnen das Versprechen ab, wenigstens nach seinem Tod seinen Namen reinzuwaschen. Doch die Suche muss zunächst warten, denn immer mehr Menschen in der Stadt scheinen den Verstand zu verlieren, nachdem sie eine neue halluzinogene Droge zu sich genommen haben…

„Edgar Allan Poe und Auguste Dupin“ hat schon eine beachtliche Reise hinter sich: Nach der Integration in der „Sherlock Holmes & Co“-Reihe ist bereits die 14. Episode in der eigenständigen Serie erschienen, die wiederum mittlerweile in das Serienuniversum um den „Zirkel der Sieben“ integriert wurde. Sie lässt sich dabei aber wie die anderen Serien auch für sich allein hören, hat aber auch eine durchgängige Handlung, die auch hier wieder aufgegriffen wird. Dabei sind in „Nachts auf der Seine“ gleich zwei sehr markante Introszenen zu hören: Einerseits ein Ausbruch von Wahn im weltbekannten Louvre, dann auch die Hinrichtung von Boudet – das Interesse wird durch beide Elemente gleich geweckt. Und auch wenn das Tempo kurz darauf etwas langsamer ist und erst einmal die näheren Umstände konkretisiert werden, reißt die Spannung doch auch danach nicht ab – vor allem, weil wieder viele übernatürliche Elemente eingebaut wurden und Edgar Allan Poe wieder mehr von seinen scheinbaren Wahnvorstellungen gequält wird. Sehr gelungen, wie sowohl die Rahmenhandlung der Serie als auch der aktuelle Fall des Detektivgespanns vorangetrieben wird und eine überzeugende Dynamik durch den Wechsel von ruhigen, aber intensiv wirkenden Dialoge zu spannenden und unheimlichen Momenten und klassischen Ermittlungen entsteht. Und auch, dass ebenfalls die Gegenspieler des titelgebenden Gespanns viel Aufmerksamkeit gewidmet wird, unterstreicht den Reiz der Episode – insbesondere, da diese ebenso charismatisch sind und eine dunkle Faszination ausstrahlen.

Uve Teschner hat in dieser Episode wieder die Möglichkeit, die Figur des Edgar Allan Poe sehr intensiv in Szene zu setzen und bringt Wut, Trauer, Angst und Wahn sehr gekonnt in seine Rolle mit ein, kann sich aber auch zurücknehmen und funktioniert auch als eher stiller Begleiter des Detektivs sehr gut. Wolfgang Condrus ist als Gaton Morel ebenfalls sehr überzeugend, sein düsterer und volltönender Klang hat eine machtvolle Aura und schafft einen ebenso unheimlichen wie markanten Gegenspieler der Serie. Markus Pfeiffer spricht George Lorant mit eher sachlicher, leicht hochnäsiger Stimme, was dem neuen Polizeiermittler gekonnt von den übernatürlichen Elementen der Serie trennt. Weitere Sprecher sind Katja Keßler, Jean Coppong und Jens Wendland.

Die angesprochene Dynamik der Episode wird auch durch die akustische Gestaltung überzeugend nachgezeichnet. So sind düstere, dräuende Melodien während der unheimlichen Momente sehr gekonnt eingebunden, während es auch stille Momente gibt, in denen nur ab und an mal leise Geräusche die Dialoge begleiten. Das wirkt sehr rund und vielseitig, aber dennoch wie aus einem Guss, sodass eine dichte und stimmige Atmosphäre entstanden ist.

Klar, dass bei dem Titel „Nachts auf der Seine“ der dunkle Fluss durch Paris gezeigt wird, ein einsames Boot, das nur spärlich von der untergehenden Sonne beleuchtet wird, fährt auf dem Titelbild über die sanften Wellen. Die kühlen Farben bilden dabei einen gelungenen Kontrast zu dem blutrot unterlegten Titel der Serie. Das Innere ist wieder schlicht und übersichtlich gestaltet, während man wie immer bereits auf der Rückseite einen Blick auf die Sprecher werfen kann.

Fazit: Wahnvorstellungen, eine gefährliche Wunderdroge, markante Gegenspieler, dabei sowohl eine Fortführung der Serienhandlung als auch eine eigenständige Geschichte – „Nachts auf der Seine“ spielt zwar nur zu kleinen Teilen auf dem Fluss, ist aber bestens inszeniert, dynamisch erzählt und unterstreicht so die Qualität der Serie irgendwo zwischen Mystery, Krimi und Abenteuer. Sehr stark!

VÖ: 16. Juli 2021
Label: Maritim
Bestellnummer: 9783962823689

 
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