Sherlock Holmes Chronicles: Der Blutsauger von London - 1. Der Vampir vom East End



Es sind mittlerweile drei Leichen, die vollkommen blutleer im Londoner Eastend aufgefunden wurden. Sherlock Holmes ist empört, dass wieder einmal Gerüchte über einen lebenden Untoten aufkommen und entschließt sich, den Fall auf seine rein logische Vorgehensweise aufzuklären. Doch Scotland Yard hat bereits externe Hilfe angefordert: Ein gewisser Professor van Dusen aus New York stellt ebenfalls Ermittlungen an…

Neben „Sherlock Holmes“ hat sich in Hörspielkreisen auch „Professor van Dusen“ als ermittelnder Detektiv einen Namen gemacht. Um seiner neuen Serie „Die Denkmaschine“ um eben jenen New Yorker Wissenschaftler ein wenig Starthilfe zu geben, hat Markus Winter von WinterZeit ein Crossover der beiden Reihen in den „Sherlock Holmes Chronicles“ eingebaut. Der erste Teil des „Der Blutsauger von London“ genannten Falles ist als Sonderfolge erschienen, sodass jeder entscheiden kann, ob er sich darauf einlassen möchte – eine Lücke in der Seriennummerierung muss so niemand hinnehmen. Nach einem kurzen Intro, in dem man den vermeintlichen Vampir in Aktion hört, geht es hier zunächst recht klassisch am Kaminfeuer in der Baker Street mit einer Unterhaltung von Holmes und Watson los, doch der Schwenk zum anderen Handlungsstrang um Holly Hatch und Professor van Dusen bringt schnell etwas Abwechslung ein. Auch später sorgt dies immer wieder für Dynamik, auch wenn in diesem Teil die Ermittlungen von Holmes die deutliche Mehrheit einnehmen. Es werden einige Rätsel um die blutleeren Leichen aufgebaut, aber auch einige frühere Fälle des Meisterdetektivs thematisiert, was besonders für Fans dieser Reihe ein gelungenes Gimmick ist. Mir gefällt, wie die beiden Handlungsstränge gemeinsam gut funktionieren und sich die Hinweise ergänzen, aber auch wie die verschiedenen Charaktere gut zur Geltung kommen. Die Erzählweise ist recht ruhig und bedacht, auch Zeitdruck wie in vielen anderen Episoden der Serie ist nicht sonderlich prägnant, sodass ein gediegener Krimi entstanden ist. Das Ende ist dann ziemlich offen, endet aber mit einem gelungenen Cliffhanger, sodass die Neugier auf den zweiten Teil auf jeden Fall geweckt wird.

Das Duo aus Thomas Nero Wolff und Anne Helm als Professor van Dusen und Holly Henrietta Hatch funktioniert auch hier wunderbar, der recht mürrische Detektiv und die kesse Journalistin bekommen durch die beiden ein scharfes Profil, wobei die Dynamik zwischen den beiden sehr gut zur Geltung kommt. Rieke Werner ist in der Rolle der Mary Stickland ebenfalls gut aufgehoben, sie spricht sehr präsent und ausdrucksstark, was der Figur einige gelungene Facetten verleiht. Auch die wundervolle Marianne Groß ist in ihrer kurzen Szene als Mrs. Boogle sehr überzeugen und bringt ihren warmen und unverkennbaren Klang sehr gekonnt ein. Weitere Sprecher sind Cathleen Gawlich, Torsten Münchow und Torsten Münchow.

Rockmusik mit E-Gitarre und elektronischen Geigen? Dass dies auch in der Sherlock Holmes Chronicles-Reihe funktioniert, beweist diese Episode der Serie direkt zu Beginn mit dieser ungewohnten Kombination. Natürlich gibt es auch wieder knisterndes Kaminfeuer, den Trubel im London der frühen Industrialisierung und so einige gediegene Melodien, sodass das typische Flair der Serie gut zur Geltung kommt.

Das Gesicht des gut gekleideten Mannes mit dem Zylinder und dem blitzenden Gehstock liegt fast vollkommen im Dunkeln, man sieht aber noch den rot verschmierten Mund. Fledermäuse und ein altes Herrenhaus im Hintergrund machen den Eindruck eines Vampirs komplett. Der Einleitungstext im Booklet ist hier etwas ausführlicher geraten, Markus Winter erzählt hier von der Entstehung dieser Sonderfolge, natürlich sind wie immer auch die Mitwirkenden aufgelistet.

Fazit: Das Crossover der beiden bekannten Detektive startet hier mit einer ruhig erzählten Handlung, in der di Sammlung von Beweisen auf verschiedenen Ebenen im Vordergrund steht. Der Humor der beiden Ermittlerpaare kommt dabei ebenso gut zur Geltung wie die Stimmung der Serie, auch das Setting mit dem scheinbaren Vampir ist reizvoll.

VÖ: 25. Juni 2021
Label: WinterZeit
Bestellnummer: 9783960665120

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