Phantastische Geschichten – 11. Dr. Moreau -2-



Edward Prendrick erkundet in Begleitung von M’ling weiter die Insel des Dr. Moreau und kommt zum ersten Mal in der Siedlung der Tiermenschen an, in der ihm die Folgen der schrecklichen Experimente zum ersten Mal vollkommen bewusstwerden. Nachdem die Wesen Edward ihre Gesetzestreue unter Beweis gestellt haben, taucht jedoch Moreau auf und Edward bekommt eine Kostprobe davon, wie der Wissenschaftler seine Geschöpfe unter Kontrolle hält…

Mit „Dr. Moreau“ hat Oliver Döring einen weiteren Klassiker aus der Feder von H.G. Wells umgesetzt, wobei der zweite Teil der Dilogie mit 75 Minuten noch ausführlicher geraten ist. Nachdem zunächst ein kurzer Rückblick auf die bisherigen Ereignisse geworfen wird und die wichtigsten Stichpunkte in einem kurzen Dialog für einen leichten Wiedereinstieg sorgen, wird danach zunächst die unheimliche, dichte Stimmung auf der Insel von Dr. Moreau weiter ausgeführt – und der Hörer ist so schnell mittendrin im Geschehen und erlebt aus der Sicht von Edward Prendrick den ganzen Schrecken. Dabei geht dieser nicht nur von den Tierwesen aus, sondern eben auch von Dr. Moreau und seiner Herrschaft. Doch damit gibt sich die Handlung immer noch nicht zufrieden und steigert sich zu einem schrecklichen Szenario, welches zudem hervorragend umgesetzt ist und auf einen packenden Höhepunkt zusteuert, der die unheimlichen Aspekte noch weiter herauskehrt. Erstaunlich ist, dass danach keineswegs schnell zu einem Ende gesteuert wird, sondern noch eine weitere Episode auf der Insel geschildert wird und Edward unter völlig anderen Bedingungen lebt und handelt. Dass trotz der unterschiedlichen Voraussetzungen der Spannungsbogen nie abreißt und immer neue philosophische und moralische Fragen eingebaut sind, ist beachtlich und führt zu einem wahrlich packenden und sehr zu empfehlenden Hörspiel.

Helmut Gauß ist in der Rolle des Dr. Moreau noch markanter, kälter und herrischer als in der ersten Episode, er schafft dabei eine markante Figur mit dynamischer Stimmlage, sodass er die verschiedenen Dialoge sehr eindringlich umsetzt. Michael Che Koch ist als M’ling ebenfalls extrem überzeugend, er schafft eine perfekte Balance aus tierischen Lauten und menschlicher Sprache, lässt das Mischwesen guttural und düster klingen, was einen sehr unheimlichen Eindruck hinterlässt. Auch Thomas Nero Wolff bringt die düsteren Momente als Korroh sehr gut zur Geltung und schafft eine einzigartige Figur, die eine sehr starke Ausstrahlung besitzt. Weitere Sprecher sind Hans-Georg Panzcak, Yvonne Greitzke und Marie Bierstedt.

Auch bei diesem Hörspiel hat Oliver Döring gemeinsam mit seinem Team eine hervorragende atmosphärische Gestaltung geleistet, sodass jede Szene eine passende Kulisse erhält, mal still und zurückhaltend, dann wieder wuchtig, bedrohlich und düster. Wie verschiedene Tierlaute mit unheimlicher, sphärischer Musik kombiniert werden oder dynamische, rhythmische Klänge eingebaut werden, ist sehr überzeugend geraten und zeugt von einer sehr sorgsamen Umsetzung.

Das düstere Cover gefällt mir gut und passt bestens zum Hörspiel in der Thematik, ohne zu viel von der Handlung zu verraten. Ein nebelverhangener Wald im Hintergrund, bei dem sich die Bäume als schwarze Silhouetten vom fahlen Blau abgeben, dazu gelb leuchtende Augen, die an eine Raubkatze erinnern – sehr ansehnlich. Dieses Motiv gibt es ohne die Schriftzüge auch noch einmal hinter der CD zu sehen. Im Inneren gibt es die üblichen Produktionsangaben, wobei nur sieben der 19 Sprecher ihren Rollen zugeordnet sind.

Fazit: Der zweite Teil von „Dr. Moreau“ gestaltet sich noch dramatischer, packender und unheimlicher als der ebenfalls schon sehr starke erste Teil. Doch auch die Dynamik der Handlung ist beeindruckend, trotz der Begrenzung auf die Insel als Schauplatz findet sich Edward in einigen unterschiedlichen Szenen wieder. Sehr hörenswert, zumal auch viel moralischer Anspruch vorhanden ist.

VÖ: 13. August 2021
Label: Imaga
Bestellnummer: 9783946207733

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