Moriarty – 4. Teuflische Jagd



Raymond Pugsley, der Anwalt von James Moriarty, bittet ihn um ein Treffen, um ihm neue Erkenntnisse über sein neu gewonnenes Vermögen mitzuteilen und es vor dem Zugriff der englischen Krone zu beschützen. Doch schon bald hat er andere Sorgen: Seine Wohnung ist verwüstet, seine Haushälterin wurde ermordet. Gerade als James die Mordwaffe – sein eigenes Rasiermesser – untersuchen will, kommt die Polizei hinzu – und der Verdacht fällt auf ihn selbst…

Während James Moriarty sowohl bei den Sherlock Holmes-Geschichten von Sir Arthur Conan Doyle als auch in vielen weiteren Adaptionen der Figuren als genialer Superschurke fungiert, ist die Rolle in der nach ihm benannten Hörspielserie anders angelegt. Und darauf spielt auch die vierte Episode „Teuflische Jagd“ an, die den Bezug zum Serienuniversum um den „Zirkel der Sieben“ noch einmal verdeutlicht und in einer markanten Szene einige bekannte Figuren über James Moriarty beratschlagen lässt. Doch dies ist eine eher gelungene Anekdote, sodass auch diese Episode unabhängig davon einen interessanten Fall schildert. Der Verdacht des Mordes, eine harte Zeit im Gefängnis, in der es bald ums blanke Überleben gilt und eine perfide Intrige sind hierfür die Zutaten, was durchaus ungewöhnlich geschrieben und deswegen umso spannender und überraschender geraten ist. Der eher ruhigen Erzählweise mit längeren Szenen wird dennoch genügend Dynamik verliehen – insbesondere im letzten Drittel der Handlung, in der sich die moralischen Wertvorstellungen Moriartys noch einmal von einer interessanten Seite zeigen. Dass sich die Serie gängigen Genrevorstellungen entzieht und der zentralen Figur eine düstere, undurchdringliche Seite verleiht, kommt hier besonders gut zur Geltung und ist neben viel Spannung auch von einem feinen Humor mit einigen bissigen Kommentaren versehen.

Ein Großteil der Handlung fokussiert sich natürlich auf James Moriarty, der natürlich wieder von Andreas Fröhlich gesprochen wird. Seine ruhige, aber ausdrucksstarke Art ist überzeugend, ebenso wie der immer mal wieder durchscheinende geheimnisvolle Unterton, sodass eine sehr präsente Figur entsteht. Sein Anwalt Raymond Pugsley bekommt die Stimme von Stefan Krause geliehen, der mühelos in die Rolle schlüpft und ihr einen sehr gradlinigen Ausdruck verleiht. Marcel Colle sorgt als Josh Wingfield für einige eindrucksvolle Momente und verleiht dem Gefängnisinsassen dabei eine raue, vierschrötige Aura. Weitere Sprecher der Episode sind Holger Löwenberg, Torsten Münchow und Marc Schülert.

Passend zu der eher ruhigen Handlung ist auch die akustische Umsetzung recht zurückhaltend geraten. Viele Dialoge beschränken sich nur auf die Stimmen, andere sind mit nur wenigen Geräuschen sparsam unterlegt. Musik ist fast ausschließlich während der Szenenübergänge und einiger Erzähltexte von James Moriarty zu hören, sind dann aber passend und abwechslungsreich eingefügt.

Als Titelmotiv wurde die Darstellung eines Gefängnisses mit zahlreichen Zellen zu sehen, die in einem imposanten Gebäude untergebracht sind – eine schlichte, aber sehr passende Darstellung für das Hörspiel, das mit seinem bläulich-düsteren Schimmer ansehnlich geraten ist. Die Gestaltung an sich ist wieder recht schlicht, wie immer kann man aber bereits auf der Rückseite einen Blick auf die Aufteilung von Sprechern und ihren Rollen werfen.

Fazit: „Teuflische Jagd“ verstärkt zwar den Bezug zum „Zirkel der Sieben“ zwar in einigen Szenen auf gelungene Weise, konzentriert sich aber auf James Moriartys Versuch, den Verdacht gegen ihn zu entkräften und unbeschadet aus dem Gefängnis zu entkommen. Das ist spannend und dynamisch geraten, zumal lange Zeit unklar ist, wie sich die Rahmenhandlung weiter entwickeln wird. Sehr gelungen, die Serie wird mit der Zeit immer stärker.

VÖ: 4. Juni 2021
Label: Maritim
Bestellnummer: 9783962823573

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