John Sinclair: Tonstudio Braun – 96. Tigerfrauen greifen an



Serena Keyl, Dienerin der Teufelstochter, hat sich nur langsam von der Niederlage gegen John Sinclair erholt. Doch nun sinnt sie auf Rache und hat einen weiteren teuflischen Plan ersonnen. John Sinclair geht gemeinsam mit seinem Partner Suko ersten Spuren nach und stößt in einem düsteren, heruntergekommenen Gebäude auf seltsame grüne Tropfen, die von der Decke hängen und jeweils einen Tigerkopf enthalten…

Bei der zeitlichen Kontinuität ist es bei der „John Sinclair“-Reihe von Tonstudio Braun, die bei Lübbe Audio auch in einer CD-Auflage erhältlich ist, ja so eine Sache: Die Romane sind nicht so vertont worden, wie sie ursprünglich erschienen sind. Bei der Figur der Serena Kyle, die insgesamt zwei Auftritte hat, hat das aber gut funktioniert: Nach der Episode 87 „Die Teufelssekte“ folgt mit „Tigerfrauen greifen an“ eine weitere Geschichte um die diabolische Dienerin Asmodinas – die wichtigsten Zusammenhänge erschließen sich gleichwohl auch aus dem Zusammenhang und werden in den ersten Szenen noch einmal rekapituliert. Dennoch ist der Einstieg in die Handlung gut gelungen, da John und Suko unmittelbar mit ersten Ermittlungen beginnen, sodass die Einleitung kurzweilig geraten ist. Auch die Vorstellung ihrer Gegenspieler dieser Episode ist gut gelungen und wechselt zwischen verschiedenen Szenerien hin und her, was sich bis zum Ende der Geschichte fortsetzt. So ist eine spannende Episode entstanden, die allerdings auch einige Dialoge enthält, die recht gestelzt wirken und sich nicht sehr authentisch anfühlen (wie auch in den meisten anderen Fällen dieser Serie). „Tigerfrauen greifen an“ ist insgesamt aber eine der besseren Folgen.

Wie immer sind auch hier die Sprecher nicht durchgängig bekannt, sodass man den Stimmen nicht immer einen Namen zuordnen kann. Die Sprecherin der Serena Keyl bringt die kalte, dämonische Ausstrahlung der Dienerin Asmodinas gut zur Geltung und passt sich gut an die verschiedenen Szenerien an, übertreibt es manchmal aber dann doch und klingt dann zu pathetisch. Der Sprecher des Ernesto C. hat eine ähnliche Ausstrahlung und schafft es aber insgesamt, eine stimmige und ausdrucksstarke Figur zu erschaffen, zumal seine helle Stimme gut zu dem asiatischen Auftragsmörder passt. Peter Niemeyer ist – wie immer – in der Rolle des Suko zu hören und punktet mit seiner dynamischen Sprechweise, auch wenn er die Betonung der Figuren nicht immer wirklich trifft.

Die akustische Gestaltung ist in dieser Episode recht speziell geraten – und das will für die Maßstäbe dieser Serie schon etwas heißen. Wenn die allgegenwärtige Heimorgel nach einer unheimlichen Szene zu einer fröhlichen, beschwingten Melodie ansetzt und dann doch wieder eine bedrohliche Stimmung aufgebaut wird, ist das sicherlich nicht vollkommen passend geraten. Und auch ansonsten ist die Musik in dieser Folge eher nervig denn nervenaufreibend.

Die Szene mit den Tigerköpfen in den unheimlichen Blasen in der ersten Szene ist auch auf dem Titelbild abgebildet, verziert durch eine schwarzhaarige Frau mit etwas seltsamen Gesichtsausdruck. Wie immer gehalten in dem nostalgischen Zeichenstil wurde natürlich das Titelbild des Heftromans übernommen, während auch das Innere des Booklets in der üblichen, schlichten Aufmachung gehalten wurde.

Fazit: „Tigerfrauen greifen an“ beginnt unvermittelt und setzt sich auch danach mit einer kurzweiligen Handlung mit verschiedenen Szenerien und interessanten Figuren fort. Dabei sind einige gelungene Ideen eingeflossen, sodass insgesamt eine überzeugende Episode der Serie entstanden ist, bei dem der Gruselfaktor ehe zurückgefahren und der Spannungsanteil erhöht wurde.

VÖ: 28. Februar 2020
Label: Lübbe
Bestellnummer: 9783785758960

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