Überredung (Jane Austen)



In jungen Jahren hat Anne Elliot der Verlobung mit dem Marineoffizier Frederick Wentworth auf Drängen der besten Freundin ihrer Mutter gelöst. Nun, mit 28 Jahren scheint es fast besiegelt, dass sie als alte Jungfer enden wird, hat sie in der Zwischenzeit doch keine weitere männliche Bekanntschaft gemacht. Als ihr Vater Sir Walther jedoch wegen seiner ungezügelten Ausgaben den Landsitz zu veräußern, tritt Frederick wieder in ihr Leben…

Genau 303 Jahre, nachdem der letzte Roman „Überredung“ der britischen Autorin Jane Austen posthum erschienen ist, hat der hessische Rundfunk eine aufwendige Hörspielproduktion davon produziert. Der Hörverlag hat eine Doppel-CD-Version davon auf den Markt gebracht, was sehr gut zu anderen Hörspielen der Autorin im Programm passt. Die Grundstimmung des Romans ist – wie immer bei der Autorin – ruhig und romantisch, geht sehr gekonnt auf die damalige gesellschaftliche Situation ein übernimmt dabei durchaus einige Motive aus ihren Vorgängern, Handlung und insbesondere die Figuren sind aber sehr eigenständig. Anne, aufgewachsen in einer problembeladenen Familie und scheinbar die einzige vernünftige der drei Töchter, steht dabei im Mittelpunkt, thematisch wird die wechselhafte Wiederbelebung einer Jugendliebe behandelt, was mit einigen Kapriolen kurzweilig und gefühlbetont dargestellt wurde. Doch der Ansatz dieses Hörspiels ist hier ein anderer, statt einer reinen Nacherzählung ist die Produktion deutlich kommentierter. So wird nicht nur eine Einordnung der gesellschaftlichen Zwänge und Gebräuche geleistet, sondern auch das Verhalten der Charaktere geboten. Auch die Beziehungen der Figuren untereinander werden nicht in Dialoge eingebettet, sondern auf diese Art recht knapp eingebaut. Auch wenn dies durchaus seinen Charme hat, wurde ich dadurch immer wieder aus der Handlung geworfen, der analytischere Ansatz hat mir persönlich nicht allzu gut gefallen. Auch der hohe Erzähleranteil – insbesondere auf der ersten CD – der nur von wenigen Dialogen durchbrochen wird, sorgt dafür, dass ich mich nicht so recht in die Handlung einfinden konnte. Technisch ist das natürlich sehr gut umgesetzt, die Geschichte wird gekonnt dargeboten, die ungewöhnliche Erzählweise ist aber Geschmackssache.

Sascha Icks übernimmt die Erzähltexte (in der Rolle der Autorin Jane Austen) und schafft dabei eine ebenso harmonische wie lebendige Wirkung. Sie geht dabei gekonnt auf die unterschiedlichen Stimmungen ein und bringt die ruhige Dynamik der Handlung gut zur Geltung. Als zusätzliche Kommentatorin ist Heidi Heidelberg zu hören, deren äußerst charmanter britischer Akzent nicht nur sehr authentisch wird, ihr leicht ironischer Unterton schafft zudem eine gekonnte weitere Ebene dieser Umsetzung. Mala Emde ist in der Hauptrolle der Anne Elliot zu hören, die sowohl in den Erzähltexten als auch in den inneren Monologen sehr stark wirkt und diese mit viel Feingefühl und gelungenem Ausdruck umsetzt. Weitere Sprecher sind Mirco Kreibich, Jenny Schili und Wanja Mues.

Bei der akustischen Gestaltung sind durchaus einige ungewohnte Wege gegangen worden, auch wenn mit romantischen Melodien die Grundstimmung des Romans gut getroffen wurden. Doch es gibt auch sanfte Band-Klänge, mit Instrumenten erzeugtes Hufgetrappel und andere Spielereien. Manches unterstützt dabei den Verfremdungs-Effekt, der den Hörer ein wenig aus der Handlung reißt, insgesamt ist aber eine stimmige Szenerie geschaffen worden.

Ein edel wirkender, nachblauer Hintergrund, darauf sehr ansehnliche Blumenelemente und einige goldene Elemente, die mit einer glänzenden Folie verziert sind – das Cover zu dem Hörspiel ist sehr ansehnlich geraten. Und auch die sehr aufwendige Verpackung, die wie in kleines Buch gebunden ist, kommt sehr gut zur Geltung. In dem dicken Booklet sind zahlreiche Hintergrundinformationen zu dem Roman an sich, aber auch zu vielen Mitwirkenden zu finden.

Fazit: „Überredung“ ist ein sehr sauber und professionell umgesetztes Hörspiel, das die Handlung liebevoll umsetzt. Die kommentierende Weise sorgt jedoch für einen Effekt, dass man sich nicht vollkommen auf die Geschichte einlassen kann, ebenso wie der Erzählanteil gerade zu Beginn für meinen Geschmack zu hoch ist. Ein interessanter Ansatz mit einigen gelungenen Aspekten, der mich aber nicht vollkommen überzeugt hat.

VÖ: 26. Juli 2021
Label: Der Hörverlag
Bestellnummer: 9783844538304

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