Gruselserie – 8. Frankensteins Nichte – Erbin des Wahnsinns



Orlando hadert an seinem 50. Geburtstag mit seinem Alter – nicht nur, weil seine Frau ihn verlassen und die Jobsuche ergebnislos ist. Sein Schulfreund Martin will ihn aufmuntern und schenkt ihm ein Wochenende in der Schönheitsklinik von Voctoria Stone. Bei ihrer Ankunft wundern sie sich jedoch über die wenigen weiteren Wagen, die in der Auffahrt des abgelegenen Gebäudes geparkt haben – und auch ansonsten wirkt der erste Eindruck nicht gerade vielversprechend…

Der Nostalgie-Faktor spielt bei der Neuauflage der „Gruselserie“ von Europa eine wichtige Rolle, was sich in der achten Episode auch im Titel niederschlägt: „Frankensteins Nichte – Erbin des Wahnsinns“ erinnert deutlich an eine der Originalepisoden. Auch die Handlung bietet eine klassische Wirkung, in der zwei Charaktere in die Gewalt eines verrückten Wissenschaftlers geraten, in einem düsteren Schloss gefangen genommen werden und dort viele schreckliche Momente erleben. Das Intro bietet einen unheimlichen Moment noch ganz ohne Text, danach werden in einem kurzen, unterhaltsamen Dialog die äußeren Umstände geklärt – und schon geht es auf das abgelegene Anwesen. Von da an steigert sich die Handlung und die Stimmung immer weiter, wobei wie immer bei dieser Serie eher auf sehr präsente und überspitzt wirkende Momente gesetzt wird als auf Subtilität oder eine trickreiche Handlung. Das Finale ist unterhaltsam und packend erzählt, sodass eine rund wirkende Erzählung entstanden ist. Es gibt aber auch einen modernen Twist in der Handlung, der sich gekonnt an gesellschaftliche Entwicklungen anpasst. So ist es zunächst beachtlich, dass hier zwei Männer dem Schönheitswahn verfallen sind, aber auch ansonsten sind viele Rollenklischees gebrochen, was mir besonders bei den starken weiblichen Rollen gefallen hat. Viel Faszination geht auch von der titelgebenden Hauptfigur aus, die eine sehr spezielle und prägnante Wirkung hat und dieser Episode den gewissen Pfiff verleiht.

Helmut Zierl ist in der Rolle des Martin zu hören, seine forsche Vorgehensweise und die sympathische Art des Mannes kommen durch seine überzeugende Sprechweise gut zur Geltung, zumal er den Spannungsbogen der Handlung gekonnt nachzeichnet. Ihm zu Seite steht Nicolas König als Orlando, auch er spricht die Charaktereigenschaften seine Rolle mit viel Nachdruck und punktet mit einem facettenreichen Klang. Die Rolle der Doktor Viktoria Storm scheint der Kabarettistin und Schauspielerin Desiree Nick wie auf den Leib geschrieben, ihre spitzzüngige und herablassende Art wirkt sehr markant und sorgt für einen hohen Gruselfaktor. Weitere Sprecher sind Hans-Peter Korff, Susanne Weingardt und Dorette Hugo.

Die akustische Umsetzung ist wieder betont nostalgisch und lehnt sich an die bekannte frühere Gruselserie des Labels an, lässt aber gerade die Melodien frischer wirken. Mal fröhlich, meist aber düster und bedrohlich lassen sie eine überzeugende Atmosphäre entstehen. Bei den Geräuschen ist das jedoch nicht immer gelungen, manche haben einen recht dumpfen Klang und stechen dabei aus dem Hörspiel heraus. Bedauerlich, denn auch hier wurde insgesamt eine überzeugende Leistung geboten.

Der Stil der bisherigen Cover wird auch hier wieder fortgesetzt, rein vierfarbig in Cyanblau, einem tiefen Gelb sowie Schwarz und Weiß gehalten und in einer collagenhaften Optik. Neben einer Szene aus einem Operationssaal und einem Blick auf das düstere Anwesen sticht der Frauenkopf mit der Operationsmütze und dem durchdringenden, schlecht vernähten Auge deutlich hervor. Ein sehr gelungenes Titelbild für diese Episode!

Fazit: Auch wenn der Aufbau klassisch für die Serie ist: Sie birgt auch viele Überraschungen und sehr gelungene Elemente. So ist neben der schillernden Gegenspielerin auch die Umkehrung von Rollenklischees und die sehr flüssig erzählte Handlung positiv hervorzuheben. Die Stimmung ist dicht und voller nostalgischem Grusel, sodass eine sehr überzeugende Episode der Reihe entstanden ist.

VÖ: 30. Juli 2021
Label: Europa
Bestellnummer: 194398738529

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