Holy Horror – 3. Dr. Jekyll & Mr. Hyde



Der Tod ihres Bruders ist für Erica Enfield immer noch ein schockierendes Ereignis. Doch als sie an seinem Sarg Abschied von ihm nehmen will, findet sie einen Toten mit völlig verzerrten Zügen. Erst aus einem Brief erfährt sie, wie die letzten Wochen ihres Bruders Dr. Henry Jekyll verlaufen sind. Alles begann mit einem Bericht seines Patienten Mr. Talbot über finstere Voodoo-Rituale und einen Fluch, der ihn seitdem verfolgt…

„Dr. Jekyll und Mr. Hyde“ gehört bis heute zu den bekanntesten Werken der Gruselliteratur, fast jeder kennt die Geschichte um den Arzt und seine alternative Persönlichkeit zumindest in Grundzügen. Und so ist es wenig überraschend, dass auch dieser Klassiker zügig in die neue Hörspielreihe „Holy Horror“ aufgenommen wurde, bereits die dritte Episode widmet sich der Vorlage von Robert Louis Stevenson. Doch die Bearbeitung der Vorlage ist nicht nur eine reine Anpassung an das Medium Hörspiel, sondern verändert die Handlung auch in ihren Grundzügen und erzählt nicht aus der Perspektive von Dr. Utterson, der so eine deutlich kleinere Rolle einnimmt. Vielmehr wird hier geschildert, unter welchen Umständen Dr. Jekyll sein monströses zweites Ich bekommt, wie er sich langsam von einem angesehenen Gentleman in die triebhafte Gestalt verwandelt, wie er die Ereignisse aus seiner Sicht erlebt. Eine kurze Rahmenhandlung um Utterson und Jekylls Schwester bereitet den Einstieg und erklärt gleichfalls, dass die Erzähltexte ebenfalls von Jekyll selbst geschildert werden. Neben Talbots Bericht tauchen zunächst nur wenige unheimliche oder übernatürliche Elemente auf, zunächst wird die Grundsituation recht ausführlich geschildert, wobei auch die gesellschaftlichen Aspekte aus dem 19. Jahrhundert gekonnt eingebunden wurden. Auch der weitere Verlauf ist nicht unbedingt von aufregenden oder gruseligen Szenen geprägt, wirkt oft vielmehr wie ein Drama und fängt dabei die Stimmung der Novelle durchaus ein, durch das fehlende Mysterium um die wechselnden Identitäten verliert das aber auch etwas an Reiz. Wie sich die Ereignisse gegen Ende zuspitzen ist gut gelungen und mit einigen intensiv erzählten Szenen gelungen erzählt, sodass ein runder und hörenswerter Eindruck der Geschichte entsteht.

Dennis Schmidt-Foß ist in der Rolle des Dr. Henry Jekyll zu hören und setzt dabei nicht nur die Erzähltexte gekonnt und sicher um, sondern überzeugt auch mit seiner eloquenten Sprechweise und überzeugendem Ausdruck. Sein Konterpart Edward Hyde wird von Jan-David Rönfeldt gesprochen, dessen rauer, harter und streitlustiger Klang sehr gut zu der Rolle passt und der mit dynamischer Stimme, aber auch intensiver Betonung einen sehr guten Eindruck hinterlässt. Daniela Reidies spricht Jekylls Verlobte Stella, ihr unverwechselbarer Klang setzt gekonnte Akzente, wobei sie besonders überzeugend wirkt, wenn sie aufgebracht oder unsicher ist. Weitere Sprecher sind Shandra Schadt, Michael Pan und Norbert Langer.

Die akustische Umsetzung ist insbesondere durch die passenden Hintergrundgeräusche lebendig geraten, sodass die verschiedenen Szenerien passend umgesetzt wurden. Bei der Musik dominiert – sowohl in den Erzähltexten als auch während vieler Dialoge – eine einsame Geige, die zwar einige unterschiedliche Melodien und Stimmungen präsentiert, auf Dauer aber doch recht eintönig wirkt. Zwar wird immer wieder Abwechslung geboten, die häufige Rückkehr zum Geigenmotiv gefällt mir aber nicht hundertprozentig. Gut gelungen sind die Zwiegespräche zwischen Jekyll und Hyde, die mit leichten Halleffekten versehen sind.

Das Titelbild wird von einer Darstellung von Dr. Jekyll (oder doch Mr. Hyde?) mit ernstem Gesichtsausdruck geprägt, während im Hintergrund eine neongrüne Flüssigkeit in chemischen Apparaturen blubbert. Gemeinsam mit der computergenerierten Optik erweckt dies nicht unbedingt den Eindruck, der gut zur Zeit des Hörspiels passt, ist insgesamt aber durchaus stimmig geraten.

Fazit: Der Klassiker „Dr. Jekyll und Mr. Hyde“ wird hier aus einem ganz anderen Blickwinkel betrachtet – aus der Sicht von der Hauptfigur statt eine andere Figur als Erzähler einzusetzen. Dabei wird der gesellschaftliche Zwang der Hauptfigur und der Zwiespalt zwischen Moral und Trieb gekonnt eingebunden, wirklich unheimlich wirkt das aber nur an wenigen Stellen, sondern eher wie ein Drama. Eine reizvolle Neuinterpretation, die in dieser Serie gut aufgehoben ist.

VÖ: 12. Juli 2018
Label: Holysoft
Bestellnummer: 9783964470447

Datenschutzerklärung