John Sinclair – 145. Villa Frankenstein



Sir James wird von einem merkwürdigen Mord berichtet: Eine Puppe soll ohne weiteres Zutun mit einem Gewehr auf einen Menschen geschossen haben. Das klingt derart ungewöhnlich, dass er den übersinnlichen Ermittler John Sinclair auf den Fall ansetzt. Die Puppe soll aus einer Villa stammen, die in der Gegend berüchtigt ist: Der Besitzer soll schreckliche, von Mary Shelleys Roman „Frankenstein“ inspirierte Experimente durchführen…

Während manche Episoden von „John Sinclair“ stark zusammenhängen und bisherige Ereignisse aufgreifen, gibt es auch immer wieder Episoden, die vollständig in sich abgeschlossen sind. „Villa Frankenstein“, die 145. Folge, gehört in die zweite Kategorie und ordnet sich zwar zeitlich ein, allerdings nur, um kurz zu erklären, warum Suko nicht mit von der Partie ist. Zunächst gibt es jedoch eine Introszene, die die beiden Themen der Geschichte kurz vorstellt: Die mörderischen Puppen sowie die Frankenstein-Experimente. Ein paar Hinweise in einer unheimlichen Szene, und schon schwenkt die Handlung auf das London der Gegenwart um und liefert erste Spuren für John Sinclair. Bis es dann wieder richtig unheimlich wird, dauert es zwar etwas, unterhaltsam ist die Szenerie um Johns Auftrag und seine Reise aber allemal geraten. Und im späteren Verlauf des 50-minütigen Hörspiels geht es dann auch wieder unheimlicher zu. Das geschieht auf eine andere Weise als sonst, die übermächtigen Gegner für Sinclair bringen hier eine recht humorvolle Stimmung mit ein. Hier ist dann auch eher eine recht lange Dialogszene zu hören denn einem sonst üblichen Actionspektakel. Vollkommen überzeugend ist das in meinen Ohren nicht geraten, die tempo- und spannungsarm ist die Handlung geraten. Dennoch: „Villa Frankenstein“ macht durchaus Spaß und setzt andere Akzente als gewohnt.

Hartmut Becker ist in der Rolle des Pater Vincent sehr gut aufgehoben, den Geistlichen spricht er mit einer überzeugenden Ernsthaftigkeit spricht, später aber auch viel Energie in seine Stimme legt und für ein paar eindrucksvolle Momente sorgt. Als Philipp Butcher ist Oliver Stritzel zu hören, der sich gut an das düstere Ambiente der Episode anpasst und seiner Figur eine markante Ausstrahlung verleiht. Wolfgang Häntsch hat ebenfalls eine imposante Rolle inne, die er mit passendem Pathos und einer eingängigen Sprechweise versieht und so einen sehr überzeugenden Eindruck hinterlässt. Weitere Sprecher sind Henry König, Herbert Tennigkeit und Ilya Welter.

Auch in dieser Episode der Serie ist eine vielseitige Geräuschkulisse zu hören, die jede Szene mit einem passenden Hintergrund versieht und so die Glaubwürdigkeit der Dialoge erhöht und für eine dichte Stimmung sorgt – besonders auch in den unheimlichen oder actiongeladenen Szenen. Auch Musik ist natürlich wieder ein wichtiges Stilelement und sorgt für passende Schreckmomente oder eine passende Atmosphäre. Die eingesetzten Stimmverzerrer sind irgendwo zwischen witzig und unheimlich angesiedelt, sorgen aber ebenfalls für Eindruck.

Eine klassische Darstellung, die alle Klischees von Frankensteins Monster erfüllt, ist auf dem Cover zu sehen. Die bleiche Haut und die düstere Gestaltung der Figur passt sehr gut zu der finsteren Umgebung mit angedeutetem Vollmond am violetten Nachthimmel und dem alten Herrenhaus. Wie immer sind auf der Rückseite die Fotos von Jason Dark und Dietmar Wunder zu sehen, im Inneren gibt es eine Übersicht der bisher erschienenen Episoden.

Fazit: „Villa Frankenstein“ kombiniert zwei klassische Grusel- und Horror-Themen und versieht sie mit einer dichten Atmosphäre, auch wenn die Handlung nicht so temporeich und spannend geraten ist wie sonst. Trotz der eher kurzen Folgen haben sich recht lange Dialoge eingeschlichen, doch die gelungene Kombination der Ideen sorgt für eine weitere, hörenswerte Folge der Serie.

VÖ: 30. April 2021
Label: Lübbe Audio
Bestellnummer: 9783785782651

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