John Sinclair Classics – 43. Der Hexer mit der Flammenpeitsche



Bei der Beerdigung eines alten Freundes wundert sich Jane Collins, dass kein anderer Gast der Trauerfeier beiwohnt, nicht einmal sein eigener Sohn Philipp. Als sie sich ein letztes Mal verabschieden will und der Sarg geöffnet wird, weicht sie geschockt zurück – der Kopf wurde dem Leichnam abgetrennt. Die Privatdetektivin wird daraufhin von der Mordkommission befragt, wobei sie einige Hinweise auf okkulte Vorgehensweisen in einer neu eröffneten Schule im Dorf bekommt…

Klar steht der Geisterjäger John Sinclair auch in dem nach ihm benannten Ableger der bekannten Hörspielserie, den „John Sinclair Classics“ im Mittelpunkt, doch auch hier gibt es Folgen, die ihre Aufmerksamkeit eher auf andere Figuren lenken. Folge 43 ist ein solches Beispiel, in der sich Jane Collins mit der merkwürdigen Beerdigung eines entfernten Verwandten und okkulten Begebenheiten in seinem Wohnort beschäftigt. Zwar wird Sinclair bald erwähnt und tritt auch kurz in Erscheinung, einen großen Teil der Handlung übernimmt aber eben die Privatdetektivin und erlebt dabei nach dem anfänglichen Schock viele mysteriöse Andeutungen, eine verschlossene Dorfgemeinschaft und macht später effektvolle, schockierende Entdeckungen. Mir gefällt, wie die Szenerie gelungen aus verschiedenen Perspektiven aufgebaut wird und der Hörer immer mehr eine Ahnung davon bekommt, was hinter den mysteriösen Vorkommnissen steckt, aber auch dass die Handlung nicht nachlässt, wenn man den Großteil durchschauen kann. Dann kommt nämlich ein weiterer Handlungsstrang auf, in der Sinclair dann ermittelt. Der Bruch der Handlung wirkt gekonnt und eindringlich, aber auch der Humor der Serie kommt wieder sehr gut zur Geltung, beispielsweise wenn der Autor sich selbst eine besondere Erwähnung gönnt. „Der Hexer mit der Flammenpeitsche“ punktet mit seiner sehr dichten Spannung und hat mir insgesamt sehr gut gefallen.

In der Rolle der Jane Collins ist wieder Katy Karrenbauer zu hören, deren rauer und markanter Klang sehr gut zu der toughen Ermittlerin passt, die aber auch ironische oder einfühlsame Momente überzeugend in die Rolle einfließen lässt. Jan-David Rönfeldt spricht die Episodenrolle des Phillip Saunders mit viel Einsatz und einer glaubhaften Attitüde, wobei er sich gut an die Atmosphäre der Serie anpasst und so gut in das unheimliche Ambiente passt. Achim Buch spricht hier den Belphegor, was markant, ausdrucksstark und herrlich pathetisch klingt, sodass ein sehr greifbarer Gegenspieler für den Geisterjäger entsteht. Weitere Sprecher sind Robert Kotulla, Wolfgang Häntsch und Gerlinde Dillge.

Ein paar Erinnerungen an die sehr frühen Umsetzungen der John Sinclair-Reihe kommen auf, wenn eine leise, leiernde Orgel zu hören ist – nur kurz und nur in einer Szene, was den Abwechslungsreichtum der akustischen Umsetzung betont. Denn auch ansonsten passt sich die Musik an die Dynamik der Handlung an und schafft ruhige ebenso wie unheimliche oder markante Momente. Auch die Geräuschkulisse ist passend eingesetzt und beschwört die typische Stimmung der Serie herauf.

„Der Hexer mit der Flammenpeitsche“ ist auf dem Titelbild der Episode sehr eindrucksvoll in Szene gesetzt worden. Timo Wuerz hat ihn mit diabolischem Grinsen auf dem gehörnten Gesicht und mit feuriger Peitsche in dynamischer Pose dargestellt, wobei die düsteren Rottöne sehr gut aufeinander abgestimmt sind. Im Raum hinter der CD ist das Motiv noch einmal ohne den markanten Schriftzug der Serie zu sehen.

Fazit: Jane Collins übernimmt hier über weite Teile die Ermittlungen, doch wenn alles klar scheint, hat die Episode noch einmal einen deutlichen Bruch und setzt die unheimliche Atmosphäre auf einer anderen Erzählebene fort. Das ist clever und spannend erzählt, zumal die Stimmung der dicht ist und gut zur Geltung kommt. Eine sehr gelungene Episode der Reihe.

VÖ: 25. Juni 2021
Label: Lübbe Audio
Bestellnummer: 9783785782835

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