Sinclair: Underworld – 1. Kyvos



Sadako Shao konnte zwar ihren Partner Zuko nicht retten, doch John Sinclair konnte lebend gerettet werden, zwei Wochen nach den Anschlägen. Doch sein Gedächtnis scheint ausgelöscht, eine Psychotherapie schreitet nur langsam voran. Auf Shao kommt allerdings noch eine Anhörung zusammen, die ihre Schuld an dem Tod von Zuko aufklären soll. Und sie kommt nicht ungeschoren davon…

„Sinclair Underworld“ heißt die zweite Staffel der Neuumsetzung der Geschichte um den bekannten Geisterjäger, die mit „Dead Zone“ gestartet ist und dabei die Figuren in einen völlig neuen Kontext gesetzt hat. Und auch wenn der Start mit der ersten Episode „Kyvos“ ein paar Rückblicke beinhaltet und die wichtigsten Ereignisse kurz zusammenfasst, geht es hier nicht ohne Vorkenntnisse aus den ersten sechs Episoden. Hat man diese aber gehört, findet man sich schnell wieder zurecht, spätestens wenn bei dem Verhör von Shao die Zusammenhänge wieder klar werden. Mir gefällt, wie die Szenerie weiter ausgeweitet wird und man auch wieder mehr von dem wieder aufgetauchten John Sinclair und seiner psychischen Verfassung erfährt. Das nimmt anfangs recht viel Raum ein, trotz einiger unheilvoller Andeutungen ist das Tempo wegen der (durchaus sinnvollen) Wiederholungen eher gering. Doch natürlich wird auch die Handlung der Serie wieder aufgegriffen, die von dem übermannsgroßen Würfel ausgeht, der weiteren Untersuchungen unterzogen wird. Das sorgt für einige sehr gelungene Entwicklungen und intensive Momente, die bedrohlich wirken. Wie bereits in der ersten Staffel wirkt die Handlung rauer, mittelbarer und mit weniger Humor versehen als die bekannte Reihe. Auch die Komplexität sollte nicht unterschätzt werden, „Sinclair Underworld“ ist nichts zum entspannten Nebenbei-Hören, sondern erfordert Aufmerksamkeit, überzeugt dann aber mit einer düsteren Szenerie und einigen spannenden Entwicklungen.

Torben Liebrecht hat in dieser Staffel als John Sinclair deutlich mehr zu tun als den kurzen Auftritt in Dead Wood, und dabei zeigt sich, dass er eine hervorragende Wahl für den Geisterjäger ist. Hart, unnachgiebig und abgeklärt, aber wegen des Gedächtnisverlusts auch unsicher und manchmal zögerlich – eine sehr überzeugende Mischung aus authentischen Figuren. Toini Ruhnke macht als Hannah Caroll ebenfalls einen sehr überzeugenden Eindruck und legt viel Energie in ihre Stimme, passt sich aber auch der düsteren Szenerie gelungen an. Die markante Stimme von Konstatin Graudus ist in der Rolle des Constable Godwin ebenfalls sehr gut besetzt, er baut viele Feinheiten und Facetten ein, die einen interessanten Charakter formen. Weitere Sprecher sind Jonas Minthe, Michael Prelle und Volker Hanisch.

Ich mag die raue, direkte Umsetzung der Handlung, in der zwar auch viel harte und markante Musik im Einsatz ist, bei dem viele Dialoge auch nur mit passenden Geräuschen unterlegt sind. Das macht einen unmittelbaren Eindruck und klingt dennoch sehr atmosphärisch. Und natürlich gibt es auch hier wieder einige atmosphärische Actionszenen, die laut und heftig umgesetzt wurden, ebenso wie unheimliche Szenen und mit mysteriösen Klängen unterlegte Erzähltexte.

Das Coverdesign ähnelt derjenigen der „Dead Zone“-Reihe, das Motiv vor dem weißen Untergrund mit den wabernden Schlieren hat sich aber geändert. Zu sehen ist dieses mal eine junge Frau, die wohl Sadako Shao ist, in einer melancholischen Pose mit gesenkten Blick, aber auch einem hell erleuchteten Kirchenfenster. Der gräulich-blaue Farbton passt gut dazu. Im Inneren bekommt man einen umfassenden Rückblick auf die bisherigen Ereignisse, wieder mit einigen düsteren Fotos stimmungsvoll gestaltet – und natürlich auch eine Auflistung der Mitwirkenden.

Fazit: Die düstere Szenerie der Neuinterpretation funktioniert auch hier wieder hervorragend und sorgt für einige markante Momente, auch die Zeichnung der Charaktere ist gelungen. Durch einige Zusammenfassungen der bisherigen Ereignisse und die Verfeinerung einiger entscheidender Momente kommt die Handlung hier aber auch noch nicht vollkommen in Gang, sondern sorgt eher dafür, dass die Figuren in Position gebracht werden.

VÖ: 26. März 2021
Label: Lübbe Audio
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