Midnight Tales – 15. Das Glücksdrachen-Tattoo



Simon Wegener und seine Freundin Anita sind beide fasziniert von der asiatischen Kultur und verbringen eine Studienreise in China. Nach einem Streit, bei der sie Simon vorwirft, zu unspontan zu sein, lässt er sich in einer schmerzhaften Prozedur die ganze Nacht über einen riesigen Glücksdrachen tätowieren. Doch er hätte die düstere Ahnung besser nicht ignorieren sollen, die ihm beim Betreten des Tattoostudios befällt…

Die Länge bei den „Midnight Tales“ von Contendo Media, die digital veröffentlichte Mystery-Serie mit in sich abgeschlossenen Episoden, ist recht variabel und macht sich keinen Druck, unbedingt eine gewisse Minutenzahl füllen zu müssen. So ist die 15 Episode um ein „Glücksdrachen-Tattoo“ mit einer halben Stunde reiner Laufzeit ohne Intro und Outro eher knapp gehalten, was die Handlung dann auch sehr dicht und temporeich wirken lässt. So wird das angesprochene Tattoo schon nach wenigen Minuten Laufzeit gestochen und verändert fortan das Leben von Simon und seiner Freundin Anita beeinflusst. Dabei kommt schnell eine düstere, unheilvolle Stimmung auf, eine mysteriöse Aura, die von der fernöstlichen Kulisse noch befeuert wird. Zunächst scheint das Tattoo tatsächlich Glück zu bringen, was sich jedoch schon bald ins Negative kehrt und in einigen überraschenden, aber auch einigen vorhersehbaren Wendungen erzählt wird. Der Verlauf ist dabei dicht und durchaus spannend, besonders wenn gegen Ende der Handlung ein Charakter eine äußerst unschöne Seite von sich zeigt – das bringt dann noch einmal eine gewisse Schärfe in die Geschichte ein und bereitet das Ende vor, welches in einem druckvollen Finale erzählt wird. So richtig gepackt hat mich das Ganze allerdings nicht, dafür konnte ich keine wirklich enge Bindung zu den Figuren aufbauen. Eine stimmige Episode der Serie, die sich bestens für eine kurze Hörspielpause zwischendurch eignet.

Gerrit Schmidt-Fossa spricht die Hauptrolle des Simon mit einer ernsten, markanten Stimme und unterstreicht dabei die Stimmung der Episode. Dabei ist er in den Dialogen ebenso glaubhaft wie in den kurzen Erzähltexten, sodass er eine überzeugende Leistung abliefert. Seine Freundin Anita wird von Julia Kaufmann gesprochen, die mit einer überzeugenden Attitüde spricht und die durchaus wankelmütige junge Frau mit überzeugender Sprechweise umsetzt. Martin Gruber spricht die Rolle des Bailong recht ruhig und zurückhalten, was durchaus zu seiner Figur passt, allerdings klingt er manchmal etwas hölzern. Weitere Sprecher sind Annette Strasser, Thomas Nero Wolff und Marios Gavrilis.

Die akustische Umsetzung orientiert sich an den bisherigen Episoden und setzt dabei auf eine Geräuschkulisse, die besonders die Aktionen der Protagonisten untermalt und deswegen eher stellenweise eingesetzt wird, es gibt aber ab und an auch Sounds, um einen passenden Hintergrund zu gestalten. Die Musik ist ein wenig chinesisch angehaucht und mit typischen Gongschlägen versehen, was sich aber stimmig einfügt und nicht zu aufdringlich wirkt.

Natürlich ist das titelgebende Glückdrachen-Tattoo auch auf dem Cover zur Episode zu sehen, welches trotz der digitalen Veröffentlichung erstellt wurde. Mit wildem, wütendem Gesichtsausdruck ist in kräftigen Farben auf dem Handrücken von Simon zu sehen, der ebenso wie der Hintergrund mit dem sanften Farbverlauf eher im Dunkeln gehalten ist.

Fazit: Schnell erzählt und mit einigen markanten Szenen versehen weiß „Das Glücksdrachen-Tattoo“ durchaus zu gefallen und bietet zudem eine recht dichte Stimmung und atmosphärische Szenen, entwickelt aber nicht den gleichen Sog wie andere Episoden der Serie – vielleicht, weil die Figuren nicht markant genug in Szene gesetzt wurden. Dennoch: Unterhaltsam ist dieses Hörspiel allemal.

VÖ: 22. Mai 2020
Label: Contendo Media
Bestellnummer: 978-3-96762-108-2

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