Geister-Schocker – 93. Schinderhannes Rückkehr



Das Ehepaar Koch begegnet auf einem nächtlichen, romantischen Spaziergang einigen merkwürdigen Gestalten, die wie auf einem Mittelaltermarkt verkleidet scheinen. Doch der Schrecken ist groß, als sie von den Männern attackiert werden – nicht der erste Vorfall dieser Art im Hunsrück. Die Nixe Kyra beobachtet den grausamen Mord und ruft Conni Blank zur Hilfe, die sich sofort auf den Weg macht und mit ihren Nachforschungen beginnt…

Die „Geister-Schocker“ haben den großen Vorteil, unabhängig voneinander gehört zu werden und so auch für das schnelle Hörspiel zwischendurch sehr geeignet sind. Mit der Figur des Christoph Schwarz und seinen Kollegen sind jedoch wiederkehrende Figuren aufgetaucht, was diesen Vorteil so langsam zersetzt. Denn waren die ersten Geschichten noch in einem zeitlichen, aber kaum inhaltlichem Zusammenhang, greift die 93. Episode die vorigen Ereignisse auf und entwickelt die Figuren dabei deutlich weiter, beispielsweise in ihren magischen Fähigkeiten. Wer also zu „Schinderhannes Rückkehr“ greift, bevor er die anderen Folgen gehört hat, wird mit deutlichen Spoilern konfrontiert. Das Abenteuer an sich ist aber dennoch in sich abgeschlossen und greift die alte Sage des legendären Räubers auf und versetzt diese in die heutige Zeit, was für einige unheimliche und bedrohliche Szenen sorgt, erweitert dies aber auch bald um eine weitere mystische Komponente. Conny Blank ist als Ermittlerin dabei eine gute Wahl, die Verbindung zu den Nixen (aus einer vorigen Episode) sorgt für einen interessanten Anklang. Sehr reale Ereignisse wechseln sich mit übernatürlichen Momenten ab, was anfangs für eine dynamische Wirkung sorgt, sich später aber mehr auf den geheimnisvollen Hintergrund konzentriert. Das ist gefällig und unterhaltsam geschildert, wirkt aber nicht sonderlich eigenständig und lässt sich trotz einiger überraschender Wendungen in weiten Teilen vorausahnen. Die Stimmung im Hunsrück kommt dabei aber gut zur Geltung, sodass eine solide Episode der Reihe entstanden ist.

Die Nixe Kyra wird von Franciska Friede zu hören, die zwar den mystischen Part des Fabelwesens gelungen darzustellen weiß, besonders wenn ihre Stimme mit leichtem Hall unterlegt ist. Ihre Sprechweise wirkt manchmal aber etwas hölzern, sodass ich keine wirkliche Bindung zu der Figur herstellen konnte. Der Schinderhannes bekommt seine Stimme von Detlef Tams gesprochen, der mit passendem Dialekt und rauer Ausdrucksweise für eine passende Atmosphäre sorgt und seine Szenen sehr markant zur Geltung bringt. Karen Schulz-Vobach hat mir als Conny Blank wieder sehr gut gefallen, sie spricht sehr engagiert und abwechslungsreich, wobei sie auch den Spannungsbogen der Handlung nachzeichnet. Weitere Sprecher sind Vanida Karun, Marc Schülert und Maria Meyer.

Akustisch wird eine solide Stimmung geschaffen, die die unterschiedlichen Szenen mit passenden Klängen unterlegt. Auch wenn die Geräusche und Effekte dabei manchmal eine Spur zu viel sind, entsteht so eine dichte Atmosphäre. Die Musik ist insbesondere in den Szenenübergängen eingesetzt und ist oft rockig angehaucht, aber auch andere Facetten werden dabei eingebaut.

Das Titelbild stammt von Ertugrul Edirne, der zwei Männer mit komplett weißen Augen, narbigen Gesichtern und kahlem Kopf vom Mondschein beschienen werden. Das trifft leider nicht vollständig meinen Geschmack und ist recht grob gezeichnet, zumal das Motiv nicht wirklich gut zu der Geschichte passt. Im Inneren sind die Fotos einiger Sprecher sowie ein Ausblick auf die kommende Episode zu finden.

Fazit: „Schinderhannes Rückkehr“ hat gerade zu Beginn starke Verbindungen zu anderen Christoph-Schwarz-Episoden, sodass es schon hilfreich ist, diese zuvor gehört zu haben. Die Handlung ist flüssig erzählt und mit einigen spannenden und unheimlichen Szenen versehen, die aber auch etwas vorhersehbar wirken und eine bereits bekannte Ästhetik aufweisen. Eine solide Episode, die mich aber nicht vollkommen überzeugen konnte.

VÖ: 21. Mai 2021
Label: Romantruhe Audio
Bestellnummer: 9783864737213

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