Phantastische Geschichten – 10. Dr. Moreau -1-



Charles Swift besucht seinen alten Freund Edward Prendrick, der sich in einer Nervenheilanstalt von schrecklichen Ereignissen erholt. Nur zögernd berichtet er von seinem Schiffsbruch und der Rettung durch den geheimnisvollen Montgomery Jones, der ihn mit seinem Boot aufliest. Doch die seltsamen Tierlaute und der unfreundliche Besitzer der Insel, Dr. Moreau, schrecken ihn direkt ab, und tatsächlich birgt der Wissenschaftler ein unglaubliches Geheimnis…

Für die zweite Staffel seiner „Phantastischen Geschichten“ hat sich Oliver Döring eine weitere Geschichte aus der Feder von H.G. Wells ausgesucht und mal wieder einen Zweiteiler mit einem längeren Handlungsaufbau daraus gemacht: „Dr. Moreau“, die im Original eher unter „Die Insel des Dr. Moreau“ bekannt ist. Die grobe Handlung hat Döring dabei wieder sehr originalgetreu übernommen, aber eben doch seine ganz eigene Note mit eingebracht. Einerseits ist die Handlung natürlich wieder in die heutige Zeit transportiert und mit heutigen technischen Gegebenheiten erzählt, was dann andererseits auch zu einigen moralischen Fragen führt. Der Sinn der Forschungen des Dr. Moreau bekommt dabei eine andere Note verliehen und sorgt für eine interessante neue Note. Andererseits gibt es eben auch einige neue Kniffe in der Handlung, die dem Spannungsaufbau sehr guttut. Denn obwohl man hier wegen der Länge von 58 Minuten allein für den ersten Teil von einem eher langsamen Start ausgehen könnte, ist die Ereignisdichte und die Herangehensweise an die Geschichte sehr gelungen. Die kleine Rahmenhandlung mit dem Aufeinandertreffen von Charles und Edward sorgt schnell für einige düstere Andeutungen und eine geheimnisvolle Stimmung, danach sorgen viel Ereignisse und Wendungen für eine sehr dichte Handlung. Die Spannung ist schnell hoch, zumal auch Kenner der Geschichte immer wieder etwas Neues entdecken können und auch mit Vorkenntnissen so viele aufregende Momente aufkommen. Ein sehr gelungenes Hörspiel, welches viel Lust auf den zweiten Teil der Geschichte macht.

Uwe Büschken ist in der Hauptrolle des Edward Prendrick sehr gut besetzt und kann nicht nur die gebrochene, verwirrte Figur in der Rahmenhandlung sehr eindringlich darbieten, sondern lässt auch die Ereignisse auf der Insel eindringlich und authentisch wirken. Als Montgomery Jones ist Tobias Kluckert zu hören, der mit einer sehr eingängigen Sprechweise, aber auch einer recht geheimnisvollen Art mit einigen Andeutungen überzeugt. Asad Schwarz ist als Charles Swift zwar kein Bestandteil der eigentlichen Handlung, sorgt aber auch in der Rahmenhandlug für zusätzliche Spannung und eine dichte Stimmung. Weitere Sprecher sind Helmut Gauß, Daniel Montoya und Michael Che-Koch.

Die Warnung, die Lautstärke wegen extremer akustischer Effekte nachträglich nicht zu verändern, ist natürlich auch dieser Episode wieder vorangeschaltet und sehr angebracht. Es gibt wieder einige Szenen, die sehr dynamisch und laut von Geräuschen oder Musik begleitet werden oder für Schockmomente sorgen, doch auch die anderen Momente sind sehr stimmig und lebendig umgesetzt. Sehr gut gefällt mir beispielsweise, dass mit schnellen Trommelrhythmen eine wilde Verfolgungsjagd begleitet wird, was sehr gut zum Ambiente der Geschichte passt.

Ein wahrhaft dämonisches Wesen ist auf dem Cover abgebildet, eine wolfsähnliche Fratze mit rot leuchtenden Augen und weit aufgerissenen Lefzen mit spitzen Zähnen hebt sich von der mondbeschienenen Szenerie gekonnt ab – sehr gelungen. Das Innere ist wie immer eher zweckmäßig gestaltet, so sind auch wieder nicht einmal die Hälfte der Sprecher ihren Rollen zugeordnet.

Fazit: „Dr. Moreau“ liegt hier in einer sehr düsteren und spannenden Umsetzung vor, die nicht nur mit dem Transport in die heutige Zeit punktet, sondern auch mit einigen anderen gelungenen Elementen. Dabei wird die Originalgeschichte dennoch sehr eng adaptiert und mit einer umfangreichen und lebendigen Atmosphäre versehen. Sehr gelungen!

VÖ: 28. Mai 2021
Label: Imaga
Bestellnummer: 9783946207726

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