Midnight Tales – 16. Kindheits-Trauma



Als Ben nach einem Umzug an die neue Schule kommt, endet gleich sein erster Tag in einer Katastrophe, als er der Klasse offenbart, dass er gestört ist und die letzten Jahre in einer Irrenanstalt verbracht hat. Nur Wendy ist nicht abgeschreckt und freundet sich mit ihm an – wahrscheinlich, weil sie wegen ihrer vorlauten Art als aufsässige Delinquentin gilt. Langsam fassen sie zueinander Vertrauen, doch sie werden immer wieder vor neue Herausforderungen gestellt…

Geisterhausgeschichten gehören zu den absoluten Klassikern des Gruselgenres und werden immer wieder gern auch für Hörspiele vertont. „Midnight Tales“, die digital veröffentlichte Reihe von Contendo Media, nutzt die Idee eines unheimlichen Hauses aber lediglich als Hintergrund und erwähnt einige Male, dass der psychisch gestörte Teenager Ben einige Zeit in einem solchen Haus verbracht hat und dabei einen Schaden davongetragen hat. Die Szenerie an sich ist in „Kindheits-Trauma“ hingegen über weite Teile der Handlung eher ruhig geraten und konzentriert sich auf die Gespräche um Ben und Wendy oder aus dessen Familienleben, geht aber auch auf Situationen in der Schule oder die psychiatrischen Behandlungen ein. Dabei baut sich langsam, aber sicher eine sehr markante und unheimliche Stimmung auf, eben vor allem weil man nicht weiß, was in Ben alles vorgeht. Es gibt einige düstere Andeutungen, Gewaltfantasien oder auch Erinnerungen aus seiner Kindheit, so ganz durchdringt man den Charakter aber nicht. Die Charaktere sind markant in Szene gesetzt, was dem Ganzen noch mehr Reiz verleiht. Am Ende gibt es dann noch einen krassen Wendepunkt mit einer Offenbarung, die alle Ereignisse in ein anderes Licht rückt – so sehr, dass man die Folge gern noch einmal hören möchte, um vorher versteckte Hinweise darauf zu entdecken. Die über 40 Minuten Laufzeit – also recht lange für eine „Midnight Tales“-Folge – sind überzeugend geraten und bieten eine sehr spannende Handlung mit dem Spiel um psychische Gesundheit.
Ilka Körting hat mir in dieser Episode sehr gut gefallen und spricht mit markanter Stimme und legt viel Ausdruck in die unterschiedlichen Szenen, zumal sie sehr abwechslungsreich spricht und dennoch völlig im Charakter bleibt – beeindruckend. Sandra Schwittau ist in einigen wenigen Szenen als Psychologin Dr. Keen zu hören und setzt ihre kratzige Stimme sehr geschickt ein, um die Stimmung dieser Szenen zu steigern und beeindruckend wirken zu lassen. Auch Anna Dramski hat mir als Miss Dresden gut gefallen, sie passt sehr gut in die Atmosphäre der Episode und bringt ihre eigene Note mit ein. Weitere Sprecher sind Uta Dänekamp, Martin Sabel und Santiago Ziesmer.

Viele Szenen der Episode sind eher ruhig umgesetzt und nur mit ein paar passenden Hintergrundklängen unterlegt, es gibt aber auch aufwendiger inszenierte Momente, die hübsch gruselig wirken oder mit markanter Musik die Dramatik der Handlung betonen. Das ist lebendig und abwechslungsreich geraten, sodass die Erzählweise gut unterstützt wird und sich die Stimmung im Laufe der Zeit immer weiter steigert.

Das Titelbild der Episode ist mit seiner markanten Farbgebung gut gelungen und weckt dabei sowohl Interesse als auch Aufmerksamkeit. Aus der halb geöffneten Tür scheint ein grell-pinkes Licht, aber auch das Messer, das in der Hand eines Menschen zu sehen ist, ist mit seiner glänzenden Klinge ein gelungener Hingucker in den ansonsten eher trüben Farben. Schön, dass auch hier wieder ein passendes Titelbild für die Geschichte geschaffen wurde.

Fazit: Mit „Kindheits-Trauma“ legt Contendo Media wieder eine sehr markante Episode der „Midnight Tales“ vor, die intensiv wirkt und mit einer spannenden Geschichte überzeugt, die ihren Reiz aus der psychisch kranken und undurchsichtigen Hauptfigur des Ben zieht. Das ist intensiv in Szene gesetzt und mit vielen spannenden Momenten gespickt, zumal auch die Auflösung ganz am Ende sehr dramatisch geraten ist.

VÖ: 29. Mai 2020
Label: Contendo Media
Bestellnummer: 978-3-96762-109-9

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