Midnight Tales – 39. Spiegelbilder



Brendon Dunn erwacht unversehens in einem Krankenhaus, ohne Gedächtnis, aber scheinbar ohne äußere Verletzung. Kurz nach der Aufnahme wird er in ein Patientenzimmer verlegt, auf dem bereits drei weitere Männer liegen. Doch diese sehen ihm zum Verwechseln ähnlich, lediglich kleine Details unterscheiden die Männer voneinander. Doch als er erfährt, dass auch die anderen Männer seinen Namen tragen, ist seine Verwirrung komplett…

Die enge Taktung der Veröffentlichung der digital veröffentlichen Mystery-Hörspielserie „Midnight Tales“ von Contendo Media reißt auch im zweiten Jahr der Erstveröffentlichung nicht ab, zweiwöchentlich gibt es eine neue Episode zu hören. Auch für Episode 39 wurde wieder eine gänzlich neue Szenerie erdacht, die schon nach nicht einmal fünf Minuten Laufzeit mit einer ziemlich heftigen, blutigen Szene eröffnet wird, dann aber schnell auf eine ganz andere Stimmung umschwenkt. Das Erwachen von Brendon Dunn im Krankenhaus und ohne Gedächtnis an sein früheres Leben sorgt für viele Rätsel, besonders natürlich wenn er seinen Doppelgängern begegnet. Die Szenerie wirkt skurril und sehr ungewohnt, immer neue Details werden eingebaut und geben dem Hörer neue Hinweise, was die Hintergründe der Geschichte sein könnten. Die Entwicklung ist dabei langsam, fast nicht vorhanden, es handelt sich eher um die Beschreibung des Szenarios. Etwa zehn Minuten vor Ende des Hörspiels (welches ohne Intro und Outro nur knapp über eine halbe Stunde Laufzeit dauert) kommt dann die Kehrtwende mit der Aufklärung der Hinweise, was einige philosophische, aber auch medizinisch-ethische Fragen aufwirft und dann eine schnellere Entwicklung bietet. Auch dann gibt es noch einige gelungene Kniffe, bei dem die interessante Szenerie weitergesponnen wird. Die Reihe zeigt sich hier mal wieder von ihrer experimentellen Seite und ist kurzweilig geraten, was insgesamt einen positiven Eindruck hinterlässt.

Heiko Obermöller ist hier in einer besonders anspruchsvollen Rolle zu sehen und spricht Brendon Dunn in seinen verschiedenen Ausgaben, verleiht dabei jedem einen eigenen Klang und eine individuelle Ausstrahlung, sodass man sie gut voneinander unterscheiden kann. Dabei übernimmt er auch einige Erzählpassagen, die ebenfalls sehr atmosphärisch geraten sind. Sina Zadra spricht die Krankenschwester Harmony Johnson ebenfalls solide, wirkt aber ein wenig eindimensional und hätte mehr Kraft und Ausdruck in ihre Stimme legen können. Wolfgang Bahro hat noch einen Auftritt als Dr. Hanley, der die Stimmung des Hörspiels noch einmal in eine interessante Bahn lenkt. Weitere Sprecher sind Souzan Alavi, Thomas Küchler und Susanna Clasen.

Der skurrilen Szenerie wird zusätzliche Stimmung verliehen, indem bei fast allen Dialogen und Erzähltexten im Hintergrund Musik zu hören ist, oft dräuend im Hintergrund, aber im Verlauf der Handlung immer drängender und prägnanter. Das steigert die Spannung merklich, wird aber auch durch viele passende Geräusche unterlegt, was die Handlungen der Figuren präsenter wirken lässt.

Das Thema der Episode mit den unheimlichen Doppelgängern wird auf dem Titelbild gekonnt aufbereitet: Schattenhafte Gestalten ohne Gesicht, von dem man nur die Konturen sieht, aus denen aber die weit aufgerissenen Augen hervorstechen – ebenso wie das blutige Messer, welches als einziger Farbtupfer in der bräunlich-grünen Szenerie aufleuchtet.

Fazit: „Spiegelbilder“ präsentiert eher eine Beschreibung eines Zustandes und nur wenige wirkliche Entwicklungen, was aber mit seiner exzentrischen Ausstrahlung und vielen gelungenen Ansätzen interessant und kurzweilig geraten ist. Schön sind die vielen kleinen Wendepunkte, die die Geschichte abwechslungsreich gestalten, und auch wenn das Ende ein wenig vorhersehbar ist, ist dennoch ein überzeugender Eindruck entstanden.

VÖ: 2. April 2021
Label: Contendo Media
Bestellnummer: 9783967621365

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