John Sinclair: Tonstudio Braun – 107. Herrin der Dunkelwelt



Kara hat im Schlaf eine Vision der geheimnisvollen Alassia, der Herrin der Dunkelwelt, ahnt jedoch nicht, dass diese aktuell durch die Straßen Londons zieht. Ihr Verbündeter Myxin rät ihr, Kontakt zu ihr aufzunehmen, lässt aber auch dem Geisterjäger John Sinclair eine Warnung zukommen. Doch für eine Rockerbande kommt diese Warnung zu spät, denn die geheimnisvolle Schwarzhaarige findet dort ihre ersten Opfer…

Lübbe Audio hat sein Versprechen eingehalten, die komplette Reihe um John Sinclair erstmals auf CD zu veröffentlichen, die vom Tonstudio Braun als erste Umsetzung der Heftromanserie entstanden ist. Mit „Herrin der Dunkelheit“ ist die Originalvertonung nun vollständig erhältlich und präsentiert sich in guter Form. Die Stimmung wird schnell aufgebaut, mit kleinen Einblicken in das Auftauchen der Herrin der Dunkelwelt und mystischen Ereignissen um Kara und Myxin ist der Einstieg spannend geraten – und das, obwohl die Handlung sich erst einmal eher langsam weiterentwickelt. Die wenigen Ereignisse sind dafür recht prägnant umgesetzt, was mir gut gefallen hat. Im Laufe der Zeit steigert sich das Tempo aber merklich und schwenkt zu verschiedenen Szenerien um. Auch der Actionanteil ist später höher, was besonders durch die eindrucksvollen Auftritte der Titelfigur aufkommt. Sicherlich ist das Drehbuch mit merkwürdigen und ungeschickten Formulierungen versehen, die man in modernen Hörspielen so (zu Recht) nicht mehr hören würde, doch das gehört durchaus zum Charme der Serie. Die Episode endet offen, da sie ursprünglich als Zweiteiler umgesetzt wurde. Erfreulicherweise wurde die Fortsetzung nun eigens produziert, worauf diese Episode auf jeden Fall Lust macht.

Da nicht mehr rekonstruiert werden kann, welche Sprecher die Rollen übernommen haben, wurde im Booklet auf eine Auflistung der Sprecher verzichtet. Wie immer ist die Qualität sehr unterschiedlich, so gefällt mir beispielsweise Myxin sehr gut. Er wird mit einer recht rauen Stimme gesprochen und erhält so eine geheimnisvolle Note, aber auch der Humor des ehemaligen schwarzen Magiers kommt gut zur Geltung. Auch Kara bekommt einen gelungenen Ausdruck verpasst, sie wird lebendig gesprochen und mit dynamischer Sprechweise umgesetzt. Alassia wird als Herrin der Dunkelheit sehr bösartig und hinterhältig gesprochen, was recht plakativ geraten ist und Zwischentöne unmöglich macht, was aber auch seinen eigenen Charme hat.

Seit der ersten Episode werden die Dialoge von der kultigen Heimorgel begleitet, die natürlich auch zum Abschluss der Serie nicht fehlen darf. Oft sind diese leise im Hintergrund eingespielt, in den Szenenübergängen rücken sie aber auch in den Vordergrund – nicht immer passend zur aktuellen Stimmung, aber ebenso wie die sehr plakative Geräuschkulisse, die nicht gerade subtil eingesetzt ist, sorgt das für eine herrlich nostalgische Stimmung.

Die geheimnisvolle „Herrin der Dunkelwelt“, die der Episode ihren Titel gegeben hat, wird auch auf dem Titelbild gezeigt, über einer erschrockenen Menschenmasse schwebend und nur von ihren schwarzen Haaren umgeben. Das wirkt sehr mystisch und passend, wobei der Bildausschnitt wegen des grünen Rahmens recht klein geraten ist. Im Inneren des kleinen Booklets gibt es neben einer Auflistung der erschienenen Folgen keine weiteren Extras.

Fazit: „Herrin der Dunkelwelt“ punktet mit einigen unheimlichen Elementen und einer ebenso charismatischen wie faszinierenden Titelfigur, aber auch einer lebendigen Handlung, die immer mehr Fahrt aufnimmt. Mi gefällt die dynamische Erzählweise mit den vielen Szenenwechseln und einer guten Mischung aus Action, Grusel und eben einer Prise Humor.

VÖ: 29. Januar 2021
Label: Lübbe Audio
Bestellnummer: 9783785759073

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