Schattensaiten – 15. Spuk in der Bibliothek -1-



Bei ihrem Dienst in der Universitätsbibliothek wird Anne von einem Polizisten aufgesucht, der sich nach einem verschwundenen Studenten erkundigt. Tatsächlich hat Sebastian am letzten Tag seiner Anwesenheit in der WG einige Bücher zurückgebracht. Anne lässt der Vorfall keine Ruhe, hat sie sich doch bei seinen vielen Recherchen mit ihm angefreundet. Ihre Gedanken werden allerdings bald abgelenkt, als ihren Freunden eine Kuriosität auffällt: Eine Wand versperrt einen Eingang zur Bibliothek…

Mit „Schattensaiten“ hat für Pandoras Play alles begonnen, die erste Serie des Bielefelder Hörspiellabels ist auch heute noch fester Bestandteil des Portfolios. Im Jahr 2021 gibt es mal wieder einen Zweiteiler der Serie: „Spuk in der Bibliothek“, die mit Annes Tätigkeit in der Universität einen guten Einstieg und einen passenden Aufhänger bietet, was im ersten Teil dann auch gut funktioniert und in den ersten Szenen schnell die verschiedenen Bestandteile aufgreift: Das Verschwinden des freundlichen Sebastian und die unsinnig erscheinende Wand, die den Zugang zur Bibliothek versperrt. Zunächst scheint es keinen rechten Zusammenhang zu geben, dieser kristallisiert sich nur sehr langsam heraus – und so ist auch die Episode erzählt. Nun ist „Schattensaiten“ ja auch nicht unbedingt dafür bekannt, actionreiche Ereignisse Schlag auf Schlag aneinander zu reihen, im Gegenteil, durch die eher bedächtige Erzählweise entsteht ein Teil des Charmes und der Eigenständigkeit der Serie. In meinen Ohren wurde es hier jedoch deutlich übertrieben, wenn einige recht lange Szenen im Endeffekt nur ein winziges Puzzlestückchen offenbaren. Gegen Ende der Folge verdichten sich aber die verschiedenen Hinweise, beispielsweise wenn ein mysteriöses Manuskript auftaucht und weitere Hinweise hinzufügt. Ich mag die Idee der Folge gerne und bin ebenfalls von der Grundstimmung angetan, die Serie und Geschichte vermitteln, der Gesamteindruck ist wegen der Länge dieses ersten Teils und der geringen Ereignisdichte jedoch etwas zäh geraten.

Werner Wilkening, der Erzähler der Episode, gefällt mir dank seiner warmen, leicht kratzigen Stimme sehr gut, er bringt eine ruhige Stimmung mit ein, kann mit seinen Texten aber auch die Spannung steigern und die Atmosphäre unterstreichen. Maria Tzankov ist wieder als Claudia mit dabei, ihr Einsatz für das Projekt ist deutlich hörbar, allerdings fehlt ihr eine solide schauspielerische Ausbildung, um die Figur wirklich spontan und authentisch wirken zu lassen. Matthias Felling spricht Daniel zwar auch auf einem nicht professionellen Niveau, bringt aber eine positive Energie mit ein und kann den Spannungsbogen seiner Szenen aufgreifen. Weitere Sprecher sind Björn Bloser, Angelika Osusko und Marc Itrich.

Viele der Szenen des Hörspiels sind sehr zurückhaltend inszeniert und kommen häufig auch ohne Geräuschkulisse aus, nur ein paar Sounds, um die Aktionen der Figuren zu untermalen, tauchen dann auf. Ab und an gibt es aber auch einige Hintergrundgeräusche und – vor allem während der Szenenwechsel und in den Erzähltexten – auch passende Melodien, die sich stimmig einfügen und die leicht mysteriöse Stimmung der Serie unterstreichen.

Der Geist in der Bibliothek wirkt auf dem Titelbild eher freundlich als unheimlich, der auch nicht gerade den Eindruck macht, als würde er immer wieder für Unordnung und Chaos sorgen. Die durchscheinende Gestalt ist dennoch ein Hingucker, der in der schlichten Gestaltungsweise der bisherigen Covergalerie gut funktioniert – auch gemeinsam mit der Rahmengestaltung, die mit den Zahnrädern und anderen Elementen passend gestaltet ist.

Fazit: Schön, die bekannten Figuren erneut ermitteln zu hören, zumal der Fall interessant klingt und mit verschiedenen Themen gelungen gestartet wurde. Doch der Verlauf ist in diesem ersten Teil leider zu langsam um Spannung aufzubauen und das Interesse durchgängig hochzuhalten – auch wenn die Stimmung der Serie auch hier gut funktioniert.

VÖ: 9. April 2021
Label: Pandoras Play
Bestellnummer: 4064066666477

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