Edgar Allan Poe und Auguste Dupin – 11. Die Dämonen des Auguste Dupin



Edgar Allen Poe ist immer besorgter um seinen Freund Auguste Dupin, der seit Tagen von schrecklichen Abträumen geplagt wird und kaum eine Nacht ruhig durchschlafen kann. Als ihn diese auch tagsüber nicht loslassen und er immer wieder eine helle Glocke hört, ist sich Poe sicher, dass jemand den Detektiv in den Wahnsinn treiben will – erst recht, als er immer weitere Zeichen aus der Vergangenheit bekommt. Doch wer hat nicht nur Motiv, sondern auch Möglichkeit dazu?

Bereits in der Zeit, in der die Geschichten um Auguste Dupin in die „Sherlock Holmes & Co“-Reihe integriert war, hatte die Serie immer wieder einen starken Einschlag in eine düstere, psychologische Seite, was in der eigenständigen Hörspielserie „Edgar Allan Poe und Auguste Dupin“ gelungen fortgesetzt wurde. In der elften Episode wird dabei aber ein sehr interessanter Kniff verliehen, dass eben nicht der melancholische Autor von Trugbildern verfolgt wird, sondern der sonst so rationale und konsequente Auguste Dupin. In den ersten Szenen wird stark darauf eingegangen, was dem Detektiv auf der Seele lastet, aber auch welche Zeichen aus seiner Vergangenheit ihn im Wachen wie im Träumen heimsuchen. Das ist sehr atmosphärisch geraten und sorgt für einige eindrucksvolle Momente – und überzeugt auch damit, mehr über die Vergangenheit der Figur zu erfahren, die mit einigen historischen Details ausgeschmückt wurde. Auch einige mythologische Aspekte werden eingebaut, was eng mit einer Figur aus Dupins Vergangenheit verbunden ist. Mir gefällt, wie dem Hörer hier viele Hinweise gegeben werden, die weiteren Ermittlungen dies noch weiter vorantreiben und so langsam ein gesamtes Bild präsentiert wird, aber insgesamt eben nicht nur ein klassischer „Who Dunnit?“-Krimi vorliegt, sondern noch einige aufregende Szenen mit starker Bedrohung der Figuren angeschlossen sind. Das wirkt abwechslungsreich und dynamisch, zumal gegen Ende noch einmal einige gelungene Überraschungen eingebaut wurden.

Manfred Lehmann ist zwar als Auguste Dupin wieder sehr stark und überzeugt seit Beginn der Serie mit seiner markanten Stimme, kann hier aber noch einmal eine düstere, angstvollere Version des Detektivs präsentieren und ihm so gelungene, neue Facetten verleihen. Die klare Stimme von Ilona Otto sticht aus der Handlung hervor – nicht nur weil sie eine von nur zwei weiblichen Sprecherinnen ist, sondern auch weil sie eine sehr prägnante Aura für die Rolle der Vivienne schafft und die wenigen Szenen mit ihr so überzeugend darbietet. Wolfgang Condrus passt mit seiner markanten Sprechweise sehr gut in die düstere Szenerie der Handlung, die er mit seiner Sprechweise als Gaston Morel gekonnt verstärkt. Weitere Sprecher sind Daniel Zillmann, Bodo Wolf und Eckart Dux.

Passend zur düsteren Ausstrahlung der Handlung wird auch mit vielen akustischen Elementen eine dichte, immer leicht melancholische Stimmung heraufbeschworen. Die Musik ist tragend und hat gerne mal einen unheimlichen Anklang, während die Geräusche vielfältig eingebaut sind und die Szenen lebendig gestalten, aber selbst das sanfte Plätschern von Wasser am Strand kann hier bedrückend wirken, was dicht und stimmig geraten ist.

Wieder sorgen nicht nur der geschwungene Schriftzug und der ornamentartige Rahmen für eine düstere Stimmung auf dem Cover, sondern auch die Darstellung einer reich verzierten Glocke, die auf zwei Säulen steht, auf der einige unheimliche Figuren angedeutet werden. Der funkelnde Rand der Glocke sorgt zusätzlich für ein interessantes Spiel aus Licht und Schatten auf dem Titelbild.

Fazit: Dass dieses Mal nicht Edgar Allan Poe, sondern Auguste Dupin von Schreckensvisionen heimgesucht wurde und der Autor dafür mehr die Ermittlungen übernimmt, ist ein gelungener Dreh. Dabei entsteht nicht nur eine spannende und aufregende Handlung, der Hörer erfährt auch mehr aus der Vergangenheit des Detektivs. Eine sehr hörenswerte Episode, die mich schnell gepackt hat.

VÖ: 26. März 2021
Label: Maritim
Bestellnummer: 9783962823603

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