Sherlock Holmes – 44. Der zweite Hund



Als Sherlock Holmes und Dr. Watson ein vergnügliches Wochenende bei ihre Gastgeber Bill Maybury verbringen wollen, ereilt sie kurz nach ihrer verspäteten Ankunft die Nachricht des Mordes an Daniel Beton. Sofort hat der Täter gestanden, doch nicht nur, der als Caddy für ein anstehendes Golfturnier engagiert war. Doch sowohl Maybury als auch sein Butler Parker glauben nicht an seine Schuld – was Sherlock Holmes als Herausforderung sieht, trotz des Geständnisses entlastende Beweise zu suchen…

Der Name Herman Cyril McNeile dürfte aufmerksamen Hörern der „Sherlock Holmes“-Reihe von Titania Medien seit einiger Zeit bekannt vorkommen – schließlich hat er bereits mehrere Vorlagen für die neueren Folgen der Serie beigesteuert. Seine Geschichten hat er zwar mit anderen Ermittlern verfasst, Titania Medien hat diese jedoch umgeschrieben und die ungleich bekannten Figuren von Sir Arthur Conan Doyle eingepasst. Auch in „Der zweite Hund“ ist dies wieder nahtlos geraten, die Essenz der beiden Figuren und ihr ganz besonderer Charme kommt auch hier wieder sehr gut zur Geltung. Die Geschichte geht von einem reizvollen Ausgangspunkt aus, schließlich soll ein eindeutiges Geständnis eines (potentiellen) Mörders entkräftet werden. Die offensichtlichen Fragen, welches Motiv der gutmütige junge Mann haben könnte und warum er bei seinem Geständnis lügen sollte, werden schnell um weitere Rätsel erweitert, aber vor allem auch schon nach einer kurzen Introszene um einen ersten Einblick in das Leben des Ermordeten ergänzt. Hierauf liegt der Fokus der Geschichte, wird in vielen klassischen Ermittlungen, aber auch mit einigen ungewöhnlichen Elementen weite vertieft. Der Verlauf von über 70 Minuten gut ausgefüllt, das eher langsame Erzähltempo steht der Spannung durch den stetigen Informationsfluss und einige spannende Entwicklungen dabei nicht im Wege und offenbart dabei am Ende nicht nur einen Anklang an Gesellschaftskritik, sondern auch eine düstere und markante Wirkung.

Der Gastgeber von Sherlock Holmes und Dr. Watson, Bill Maybury wird von Martin May gesprochen, der mit seiner offenen und zugänglichen, aber auch etwas hochgestochenen Art eine überzeugende Figur aus dem englischen Adel abgibt und eine ausdrucksstarke Stimmung erzeugt. Bern Kreibich ist als Butler Parker ebenfalls sehr gut besetzt und spricht mit hochgestochenem Ausdruck und einer passenden Attitüde für einen zurückhaltenden Diener, wobei er viele gelungene Facetten einbringt. Für eine eindringliche Finalszene sorgt Christoph Jablonka, dessen raue Stimme er mit deutlicher Betonung und überzeugenden Gefühlsregungen gekonnt in die Handlung einbringt. Neben Michael Pan und Arianne Borbach sind natürlich auch Joachim Tennstedt und Detlef Bierstedt in den Hauptrollen zu hören.

Die akustische Umsetzung der Geschichte ist wieder dezent, aber vielseitig und gelungen geraten. Leise Hintergrundgeräusche sorgen für eine passende Kulisse. Das Ticken einer Uhr oder eine passende Naturumgebung werden dabei aber auch durch stimmungsvolle, orchestrale Melodien ergänzt, die gut auf die Stimmung der jeweiligen Szene angepasst sind und zurückhaltend im Hintergrund bleiben.

Der brutale Tod von Daniel Benton wird auf dem Cover eindrucksvoll, aber insgesamt glücklicherweise recht unblutig dargestellt. Zusammengekrümmt und mit grauer Hautfarbe liegt er mit verdrehten Gliedern auf dem Boden, von Waffen umgeben und in einem ansehnlichen Raum dargestellt. Im Inneren wird dies durch einige ansehnliche Illustrationen zu sehen, die noch vom mittlerweile verstorbenen Firuz Askin stammen.

Fazit: Auch der Transport dieser Geschichte in die Umgebung von Sherlock Holmes und Dr. Watson ist nahtlos gelungen, wobei auch die Vorlage sehr reizvoll umgesetzt wurde. Die Stimmung ist dicht und bringt im Laufe der Zeit viele unterschiedliche Nuancen mit ein, die Auflösung ist trickreich und emotional geraten. Eine hörenswerte Episode der Serie.

VÖ: 30. April 2021
Label: Titania Medien
Bestellnummer: 9783785783139

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