Die Denkmaschine – 2. Das Rätsel von Zelle 13



Dass Professor van Dusen in Streitgesprächen nicht sonderlich zurückhaltend ist, verleitet ihn während eines Dinners zu einer ungewöhnlichen Wette: Er lässt sich nur mit dem nötigsten bekleidet in die Todeszelle eines der sichersten Gefängnisse sperren, um zu beweisen, dass er sich innerhalb einer Woche ohne fremde Hilfe daraus befreien kann…

Mit „Die Denkmaschine“ hat WinterZeit eine eigene Serie um die bekannte Figur des Professor van Dusen gestartet und angekündigt, sich dabei enger an die Ideen von Autor Jacques Futurelle zu orientieren, ohne jedoch nur dessen Geschichten umzusetzen. Die zweite Episode „Das Rätsel von Zelle 13“ macht da jedoch eine Ausnahme und vertont den bekannten Fall neu. Das führt zwar dazu, dass das so spannungsgeladene Verhältnis von Holly Henrietta Hatch und Professor van Dusen nur am Rande zur Geltung kommt, schließlich ist die zentrale Figur über weite Teile im Todestrakt eines Hochsicherheitsgefängnisses eingesperrt, sodass die nun weibliche Chronistin größtenteils nur für kurze Erzähltexte verantwortlich ist. Erst später nimmt sie mehr Raum ein, doch zunächst sind vorrangig Szenen um den übellaunigen Gefängnisdirektor Monroe und sein Personal zu hören, der sich von den Finten des Professors und seinen Täuschungs- und Befreiungsmanövern schier in den Wahnsinn treiben lässt. Doch es gibt auch zahlreiche Hinweise, wie van Dusen langsam seine Flucht plant, nur kann auch der Hörer noch kein zusammenhängendes Bild zusammensetzen kann (selbstredend sofern er die Geschichte nicht schon vorher kennt). Auch wenn das Tempo dabei eher langsam ist, ist das Hörspiel sehr unterhaltsam geraten und überzeugt mit kleinen, aber interessanten neuen Ereignissen. Am Ende gibt es natürlich auch eine grandiose Auflösung, bei der Professor seine Genialität süffisant aufleben lassen will, aber durch einen gelungenen Kniff in eine ganz andere Richtung gelenkt wird. Eine sehr gelungene Umsetzung und eine Verneigung vor dem Original, die mir sehr gut gefallen hat.

Thomas Nero Wolff ist in der Rolle des Professor van Dusen auch hier wieder sehr überzeugend, er spricht markant und betont, aber insgesamt recht ruhig und mit einer passenden, hochnäsigen Attitüde. Ekkehardt Belle ist in der Rolle des Monroe ebenfalls gut platziert und passt sich gelungen an die Gegebenheiten an, der aufbrausende Gefängnisdirektor wird von ihm mit Leidenschaft und viel Energie ausgefüllt. Margot Rottweiler ist als Haushälterin Martha zwar nur kurz zu hören, überzeugt aber dennoch mit ihrer äußerst charmanten Art und einer präzisen Sprechweise. Weitere Sprecher sind Marko Bräutigam, Oliver Feld und Kim Hasper.

Mit vielen eingebauten Melodien ist die Handlung sehr abwechslungsreich umgesetzt, oft klingen sie beschwingt und sorgen für einen unbeschwerten Ausdruck, bringen aber auch geheimnisvolle Stimmungen mit ein. Sind die Dialoge nicht mit ihnen unterlegt, wurden viele passende Geräusche eingebunden, die die Handlungen der Charaktere untermalen oder für einen passenden Hintergrund sorgen.

Auch dieses Cover deutet mit dem Rahmen voller Zahnräder und komplexer Strukturen an den Titel der Serie, darin eingefasst ist in dunklen Gelb- und Beigetönen ein Motiv aus dem Gefängnis, wobei die markante Kleidung den Charme der damaligen Zeit auferstehen lassen. Das ist ansehnlich geraten und wird durch einen lesenswerten einleitenden Text im Booklet ergänzt, auch Fotos der beiden Hauptsprecher und ein Blick auf die kommenden Episoden sind darin enthalten.

Fazit: „Das Rätsel von Zelle 13“ hält sich zunächst eng an die Vorlage von Jacques Futurelle, lässt die Auflösung aber mit einem gelungenen Kniff frisch und neu erscheinen. Die Stimmung ist durchgängig sehr unterhaltsam und überzeugt mit den vielen kleinen Hinweisen, die erst später zusammengefügt werden. Eine hörenswerte Umsetzung mit starken Sprechern und einer sehr passenden Atmosphäre.

VÖ: 25. Januar 2021
Label: WinterZeit
Bestellnummer: 9783960663317

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