Sherlock Holmes Chronicles – 82. Die Geheimwaffe



Fortschrittlichkeit und technische Weiterentwicklung oder pompöse und aufgeblasene Selbstdarstellung? Die Londoner Weltausstellung im Jahr 1851 gerät nicht nur wegen des umstrittenen Kristallpalastes in die Kritik. Und gerade dort ereignen sich mysteriöse Ereignisse, die vierzig Jahre später auch dem Meisterdetektiv Sherlock Holmes zu Ohr kommen, als Olivia Panowski nach ihrem Ehemann sucht. Doch gibt es noch genügend verwertbare Hinweise, um das Rätsel nach so vielen Jahren noch zu lösen..?

Viele der „Sherlock Holmes Chronicles“ von WinterZeit lassen sich in einer guten Stunde Laufzeit erzählen, doch es gibt auch Episoden, die mit dieser Zeit bei weitem nicht auskommen – „Die Geheimwaffe“ gehört als 82. Folge der Serie dazu. Satte 142 Minuten werden benötigt, um die Geschichte zu erzählen, und keine Minute davon ist verschwendet, jede Szene ist an ihrem Platz, Leerlauf oder langwierige Momente gibt es nicht. Das deutet bereits darauf hin, dass die Geschichte recht umfangreich ist, was sich dann auch schnell bestätigt – eben weil nicht nur Ereignisse aus der Gegenwart von Sherlock Holmes erzählt werden, sondern eben auch ein ausführlicher Blick in die Vergangenheit rund um die Londoner Weltausstellung getätigt wird. Hier wird ausnahmsweise ein externer Erzähler eingesetzt, aber auch viele Spielszenen sorgen für eine ganz eigenständige Szenerie, die mit vielen markanten Momenten und einem unterhaltsamen Verlauf punktet. Die Szenen in der Gegenwart werden gekonnt dazu ergänzt, nehmen immer mehr Raum ein und gestalten sich ebenfalls kurzweilig und spannend, da immer weitere interessante Details aufgedeckt werden. Streckenweise kommt dabei eine recht abenteuerliche Stimmung auf, die ungewöhnlich für die sonst so gradlinige Figur ist. Das wird sicherlich nicht jedem gefallen, insbesondere Puristen des Werks von Sir Arthur Conan Doyle werden mit „Die Geheimwaffe“ wohl nicht viel anfangen können. Wer sich jedoch auch anderen Aspekten öffnen kann, wird mit einer lebendigen Handlung belohnt, die mit einer geschickt erzähltem Plot punktet.

Der Sprechercast der Episode weiß wieder zu überzeugen, wobei mir Marina Krogull besonders gut gefallen hat. Ihre warme Stimme klingt sehr selbstbewusst und bringt der Figur viel Selbstbewusstsein – eine sehr überzeugende und scharfsinnige Sprechweise. Auch Wolfgang Ziffer ist als Adrian sehr gut besetzt, sein unverkennbarer Klang zieht die Aufmerksamkeit auf sich, zumal er eine sehr eingängige Betonung mit einbringt. Als externer Erzähler ist Frank Arnold zu hören, der mit seiner ruhigen, eingängigen Stimme eine angenehme und lebendige Ausstrahlung verbreitet. Weitere Sprecher sind Patrick Giese, Daniela Reidis und Jürgen Thormann.

Es gibt einige Melodien, die sich in vielen Episoden wiederholen und auch hier wieder Anwendung finden – und immer noch sehr gut in das Ambiente der Serie passen. So werden beispielsweise die Monologe von Dr. Watson atmosphärisch untermalt, während die meisten Dialoge vor allem mit wohldosierten Geräuschen untermalt werden – wieder eine sehr stimmige und rund wirkende akustische Umsetzung.

Mit der klassischen Architektur und den technischen Elementen versprüht das Titelbild der Episode eine leichte Steampunk-Ästhetik, besonders wegen des exzentrischen und leuchtenden Sichtschutzes, den der Mann darauf trägt. Das ist ansprechend geraten, aber auch nicht vollkommen passend zu der Geschichte, wie Markus Winter im wie immer lesenswerten Grußwort im Booklet zur CD erwähnt. Darin ist auch wieder eine vollständige Übersicht der bisher erschienenen Episoden enthalten – inklusive aller Sonderfolgen-

Fazit: „Die Geheimwaffe“ ist sicherlich eine ungewöhnliche Episode, die ihre 142 Minuten Laufzeit aber gekonnt ausfüllt. Die abenteuerlichen Elemente aus der Vergangenheit werden aber mit einer klassischen Szenerie um Sherlock Holmes verbunden, weswegen die Geschichte in der Serie gut aufgehoben ist. Markante Figuren und eine flüssige Erzählweise sorgen für ein gelungene Atmosphäre und beleuchtet mal andere Facetten der bekannten Figur.

VÖ: 12. März 2021
Label: WinterZeit
Bestellnummer: 9783960662426

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