Fünf Freunde – 139. und die Geisterstadt



Gemeinsam mit Tante Fanny und Onkel Quentin verbringen Julian, Dick, Anne und George die Ferien in einer großen Stadt, doch nach ihrer Ankunft sind sie noch unsicher, wie sie die Zeit verbringen sollen – die Aussicht auf zahlreiche Museumsbesuche klingt nicht sonderlich verlockend. Doch dann taucht die Nachbarin Mrs. Capton auf, die von unheimlichen Begebenheiten in einer verlassenen Wohnsiedlung berichtet. Natürlich ist der Abenteuersinn der Kinder sofort geweckt…

Die immerwährenden Ferien der „Fünf Freunde“ sind auch in der 139. Episode der langlebigen Hörspielserie von Regisseurin und Hörspielurgestein Heikedine Körting wieder der Aufhänger der Handlung. „Die Geisterstadt“ klingt nach einer spannenden und unheimlichen Handlung mit einigen gruseligen Momente, dieser Teil ist jedoch innerhalb weniger Sekunden abgehandelt – das Highlight hierbei ist das langsame Quietschen einer ungeölten Tür. Schon kurz danach schwenkt die Handlung wieder zu einer Idee über, die so typisch für die aktuellen Episoden der Serie ist. Und schon geht es statt um abenteuerliche Momente und eine spannende Handlung um Umweltschutz, Ökologie und einen modernen Trend in den Städten. Zugegeben: Wer die aktuellen Folgen kennt, wird davon nur wenig überrascht, präsentiert wird das Ganze dann aber noch mit dem Holzhammer. Leider gibt es auch einige Ungereimtheiten, so wirkt der Schock über die vergleichsweise kleine Schmiererei an einer heruntergekommenen Hauswand einer nicht mehr genutzten Siedlung etwas übertrieben, und auch ansonsten verhalten sich die Charaktere nicht immer glaubwürdig. Immerhin gibt es in dieser Folge wieder einiges zu ermitteln und ein paar Verdächtige. Der Verlauf ist insgesamt eher langsam, die Stimmung aber durchgängig atmosphärisch. Wirklich überzeugend ist „Fünf Freunde und die Geisterstadt“ leider nicht, die durchaus vorhandenen guten Ideen werden leider durch aufgesetzt wirkende Elemente überdeckt.

Theresa Underberg ist natürlich wieder als Anne zu hören und verleiht ihrer Stimme einen freundlichen, aber auch aufgeweckten Ausdruck, sie spricht sehr lebendig und passt sich gut an die verschiedenen Situationen an. Als Mrs. Clapton ist die wundervolle Heidi Schaffrath zu hören, die mit ihrer sanften und doch kraftvollen Stimme auch hier eine gelungene Ausstrahlung für die aufgebrachte Nachbarin vermittelt. Leider sind auch einige Sprecher dabei, die dieses Niveau nicht halten können und etwas hölzern klingen, Lucca Bach als Nicolas gehört beispielsweise dazu und scheint den Text eher abzulesen als ihn wirklich zu vertonen. Weitere Sprecher sind Nova Meierhenrich, Martin May und Patrick Bach.

Bei der Akustik wird wieder auf die gewohnte Mischung aus Musik und Geräuschen gesetzt, wobei erstere viel aus dem umfangreichen Archiv von Europa stammt und der aufmerksame Hörer ein paar Melodien wiedererkennen wird – passend ausgewählt und zur Stimmung passend sind diese aber durchgängig. Die Geräusche lassen die Dialoge lebendiger wirken und sind ebenfalls gut abgestimmt.

Die Stimmung in dem verlassenen Stadtviertel wird auf dem Cover im typischen Stil der Serie dargestellt, wirkt aber durch die helle Farbgebung und die bunte Kleidung der vier Detektive auf den ersten Blick eher freundlich. Die beschmierten Wände und die zerbrochenen Scheiben greifen die Stimmung des Hörspiels dann aber doch noch auf. Zusammen mit den Längen- und Breitenangaben einer Landkarte ist so wieder ein stimmiges Titelbild entstanden.

Fazit: „Fünf Freunde und die Geisterstadt“ präsentiert keine unheimliche Handlung, sondern erneut ein Thema aus Ökologie und Naturschutz. Das wird wieder mit dem Holzhammer und einigen belehrenden Momenten umgesetzt, präsentiert aber auch eine lockere und stellenweise spannende Stimmung. Insgesamt macht das Hörspiel einen soliden Eindruck, konnte mich aber leider nicht vollkommen überzeugen.

VÖ: 27. November 2020
Label: Europa
Bestellnummer: 194397132328

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