Gruselkabinett – 169. Ein Heim für Oscar



Als das Telefon bei den Hargreaves läutet, ahnen Alwyne und Colin bereits, dass es sich bei der Anruferin um Tante Marilyn handelt. Tatsächlich will diese ihre Tochter Pamela zum Einkaufen in ein Antiquitätengeschäft nehmen, wo sie sich ein kleines Geschenk aussuchen darf. Die Wahl fällt auf eine etwas heruntergekommene Puppe, der ein Auge fehlt. Doch schon die erste Nacht gemeinsam mit der Puppe wird eine schlaflose…

Eine Geschichte über die Hargreaves gehört mittlerweile zum jährlichen Programm des Gruselkabinetts von Titania Medien, die mangels weiterer Geschichten von Allen Upward kurzerhand unter dem Pseudonym Per McGraup selbst geschrieben werden. Dies ermöglicht dann natürlich auch eine größere Freiheit bei der thematischen Gestaltung und sorgt noch einmal für andere Impulse innerhalb der langlebigen Reihe. „Ein Heim für Oscar“ beschäftigt sich beispielsweise mit einem wahren Klassiker unter den Gruselthemen, eine unheilvolle Puppe zieht bei den Hargreaves ein. Doch der Anfang ist zunächst einmal recht heiter geraten, der Humor der Figuren und besonders von der dreisten Tante Marilyn wird gekonnt eingebunden und sorgt für einige Momente zum Schmunzeln. Doch der Hauptteil der Episode ist schon recht gruselig geraten, insbesondere die erste Nacht von der Puppe namens Oscar im Heim der Hargreaves ist markant umgesetzt. Dabei wird recht schnell klar, in warum das einäugige Spielzeug sein Unwesen treibt, die genaueren Umstände bleiben aber lange Zeit rätselhaft. Mir gefällt zudem der Zwiespalt, den die Puppe in die Handlung einbringt und mit gefährlichen Drohungen für Ungemach sorgt. Die Auflösung des Ganzen hätte ich in dieser Form nicht erwartet und bietet einige Überraschungen, die sehr gelungen sind und Emotionen wecken. Schön, dass die Geschichten über die medial begabte Familie nicht auf der Stelle treten und hier eine weitere Facette des Grusels beleuchtet wird, die wir so in der Serie noch nicht gehört haben.

Natürlich sind Stephanie Kellner und Benedikt Weber wieder in die Rollen von Alwyne und Colin Hargreave geschlüpft und füllen diese wieder mit viel Leidenschaft und hörbarem Spaß an der Sache aus, wobei sie sowohl in heiteren Momenten als auch in gruseligen Szenen oder bei Konflikten sehr glaubhaft agieren. Auch Clara Fischer macht als ihre Tochter Pamela einen sehr überzeugenden Eindruck und spricht lebendig und energiegeladen, was bei ihrem jungen Alter eine sehr beachtliche Leistung ist. Als Puppe Oscar ist Marc Gruppe selbst vor das Mikrofon getreten und sorgt für einige sehr unheimliche Momente, die leise und bedrohlich wirken. Weitere Sprecher sind Louis Friedemann Thiele, Dana Fischer und Marion Hartmann.

Auch die atmosphärische Gestaltung des Hörspiels ist wieder abwechslungsreich und passend geraten, wobei heitere Szenen ebenso gelungen umgesetzt wurden wie spannende und unheimliche Momente. Neben vielen authentischen Geräuschen wird dabei auch mit leider, sehr atmosphärischer Hintergrundmusik gearbeitet, was wieder dicht ineinander greift und die verschiedenen Szenen auf sehr treffende Art umsetzt.

Erkennungsmerkmal der Hargreave-Geschichten im Gruselkabinett ist das Titelbild, welches auch hier wieder in einer bläulich-türkisen Farbgestaltung gehalten ist und mit der dunklen Ausstrahlung punktet. Inmitten allerlei anderem Spielzeug sitzt dabei Oscar und scheint den Betrachter mit starrem Blick direkt anzusehen. Schön, dass dabei auch eine leicht nostalgische Stimmung vermittelt wird.

Fazit: Die wundervolle Stimmung der Hargreave-Episoden kommt auch hier wieder gut zur Geltung, wobei durch das Auftauchen der einäugigen Puppe noch einmal eine ganz eigene Richtung eingeschlagen wird. Lockere, unheimliche und spannende Momente sind gut zusammengestellt und sorgen für einen sehr flüssigen Verlauf und eine gelungene Auflösung mit einigen Überraschungen.

VÖ: 26. März 2021
Label: Titania Medien
Bestellnummer: 9783785783177

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