Hexenhammer – 2. Alles Leid währt ewig



Nachdem Charlotte de Conde dem Kloster der Dreieinigkeit entkommen ist und sich der Inquisitorin angeschlossen hat, bekommt sie einen Auftrag: In einem abgelegenen Orden soll sie nach dem rechten sehen, soll dieser doch abtrünnig sein und aus Werwölfen bestehen. Schon kurz nach ihrer Ankunft entdeckt sie tatsächlich die ersten Hinweise auf dämonisches Treiben, und wieder sind es leidende Kinder, die Charlotte an ihre eigene Kindheit erinnert wird…

Dem großen Erfolg der „Dorian Hunter“-Hörspielreihe nach der Heftromanserie von Ernst Vleck und Kurt Luif von Zaubermond ist es geschuldet, dass mit „Hexenhammer“ nun ein Ableger entstanden ist, der sich allerdings nicht direkt mit dem Dämonenkiller beschäftigt, noch nicht einmal mit seiner früheren Inkarnation, sondern mit Charlotte de Conde, eine weitere Tochter des Barons, deren Jugend im ersten Band beschrieben wurde. Nun ist – sowohl als Roman als auch in einer Hörbuchumsetzung – mit „Alles Leid währt ewig“ ein zweiter Teil entstanden, der noch einmal eine ganz andere Richtung anschlägt und zeigt, was für unterschiedliche Richtungen diese Serie annehmen kann. Hier in nun quasi der erste Fall von Charlotte in den Diensten der Inquisitorin zu hören, die gerade etwas langsamer aufgebaut ist als der Vorgänger. Nach einer kurzen Introszene mit einem spannenden Ausblick auf die Ankunft im Orden kehrt der Hörer einige Tage zurück in die Hallen der katholischen Kirche, wo neben vielen biblischen Anleihen auch Dämonen und ihr wirken thematisiert werden. Hier geht die Handlung zudem noch näher auf die Strukturen der Inquisition ein, die Nebenfiguren werden näher beleuchtet, aber auch der Charakter von Charlotte bekommt weitere Facetten verliehen. Die düsteren Anleihen üben dabei auch hier eine bösartige Faszination aus, sodass ein gelungener Start in die Handlung gelungen ist. Die eigentliche Handlung, die sich daran anschließt und eben die Ereignisse um Charlotte beim düsteren Orden schildert, ist durchgängig bedrohlich und spannend geraten, mal in unterschwelligen Szenen mit hintergründigem Grusel, mal in markanten und voranpreschenden Szenen, was für viel Dramatik und Dynamik sorgt. Die Laufzeit von über sechs Stunden erlaubt natürlich ein sehr komplexes Geschehen mit vielen Details, die aber durchgängig interessant und spannend geraten ist. Von den vielen eingebauten Themen überzeugt vor allem der zwiegespaltene Charakter von Charlotte, die zwar für das Gute kämpft, aber wesentlich vielschichtiger ist als eine strahlende Heldin und immer wieder mit sich selbst ringen muss. Doch auch die restliche Handlung ist sehr gelungen und überzeugt mit seiner dichten Atmosphäre.

Stephanie Kellner ist auch in diesem Hörbuch wieder als Sprecherin ausgewählt worden und eignet sich den Charakter der Charlotte, aus deren Sicht die Handlung geschildert ist, noch mehr an. Mit ihrem dunklen Klang und dem eingängigen Sprechrhythmus sorgt sie für eine starke Bindung an den Hörer und bringt die düsteren Elemente der Handlung sehr gut zur Geltung. Doch auch die anderen Charaktere bekommen durch sie in der wörtlichen Rede einen individuellen Ausdruck verliehen. So ist die Erzählung sehr abwechslungsreich geraten, zumal das Nachzeichnen des Spannungsbogens durch sie ebenfalls sehr gut geraten ist. Neben Kellner ist auch Stefan Krause in einigen wenigen Szenen zu hören, der mit hoher, fistelnder Stimme ebenfalls für einen markanten Ausdruck sorgt.

Auch wenn es sich hier im Grund um ein Hörbuch handelt, sind die beiden Sprecher keineswegs auf sich selbst gestellt. Auch wenn auf Geräusche, die die Handlung untermalen, verzichtet wurde, ist in vielen Szenen als Untermalung stimmungsvolle Musik zu hören, die meist leise bedrohlich und unheimlich geraten ist. Das verdichtet die Stimmung der Handlung noch weiter und lässt ein wenig von der typischen Stimmung der „Dorian Hunter“-Serie auf diese Produktion überschwappen.

Das Titelbild ist wieder wunderbar düster geraten, nur Serien- und Folgentitel sind in weiß gehalten, ansonsten herrschen einige Brauntöne und viel Schwarz vor. So offenbart der Prediger mit der Bischofsmütze erst auf den zweiten Blick sein Wolfsgesicht, der düster beleuchtete Raum hält aber noch andere gelungene Details bereit. Dem dicken Digipack mit den beiden MP3-CDs liegt noch ein Booklet mit einem lesenswerten Einleitungstext von Autor Uwe Voehl bei.

Fazit: „Alles Leid währt ewig“ setzt die Ereignisse aus dem ersten Teil von „Hexenhammer“ gekonnt fort, nimmt aber noch einmal eine ganz andere Richtung. Viele Elemente sind dabei sehr gelungen, beispielsweise die düstere Grundstimmung, die biblischen Anleitungen und die Vertiefung von Charlotte de Condes zwiespältigen Charakters. Spannend und vielschichtig ist ein gelungenes Horror-Hörbuch geraten, das mir sehr gefallen hat.

VÖ: 2. Oktober 2020
Label: Zaubermond
Bestellnummer: 9783954266340

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