Midnight Tales – 20. Clara gegen Tod und Teufel



Clara ist nun nicht gerade in Würde gealtert, sondern hält sowohl ihre Familie als auch die Beschäftigten des Krankenhauses, in dem sie momentan liegt, mit ihren ordinären und unfreundlichen Kommentaren auf Trab. Doch dann bekommt sie noch weiteren Besuch, einen merkwürdigen Besucher, der sich als der Tod vorstellt – und dieser hat es ebenfalls nicht leicht mit der scharfzüngigen Seniorin…

Mit zwei neuen Episoden pro Monat gibt Contendo Media bei seinen „Midnight Tales“ ein beeindruckendes Tempo vor uns ist deswegen schon kurze Zeit nach dem Start bei der 20. Episode angekommen. Auch diese wird – wie bereits die vorigen Folgen – bislang nur digital veröffentlicht. „Clara gegen Tod und Teufel“ ist dabei wieder eine sehr experimentelle Episode, die nicht den gängigen Stereotypen an Grusel- oder Horrorhörspielen entspricht, sondern sich vorrangig auf Clara konzentriert, die aktuell im Krankenhaus liegt und keinen Satz beenden kann, ohne mindestens drei Schimpfwörter und zwei sexuelle Anspielungen zu machen. Das ist schon ziemlich deftig und ziemlich überspitzt, bringt aber auch einen sehr derben Humor mit in die Handlung, ebenso wie zahlreiche Anspielungen auf die moderne Popkultur. Dabei tauchen – gemeinsam oder getrennt voneinander – sowohl der Tod als auch der Teufel bei ihr auf, die ganz unterschiedlich angelegt sind und von der alten Frau ordentlich auf Trab gehalten werden, mit knallharten Verhandlungen, heftigen Schimpftiraden oder einer ziemlich herablassenden Art. Gruselig ist das natürlich nicht, dafür aber sehr komisch und irritierenderweise auch ein wenig philosophisch, besonders während der letzten Szenen des Hörspiels. Das ist sehr experimentell, ungewöhnlich und bestimmt nicht jedermanns Sache. Ich halte es aber wegen seiner Einzigartigkeit für eine ziemlich gelungene Idee.

Kaja Brügger ist in der Rolle der Clara eine wahre Naturgewalt, ihre raue Stimme lässt sie polternd, unfreundlich und ziemlich markant klingen, was mit ihrer scharfen Betonung sehr gelungen und präsent wirkt. Bert Stevens ist in der Rolle des Morty zu hören, den personifizierten Tod, der mit seinem zunächst gewollt gruseligen, später empörten oder genervten Auftreten für Lacher sorgt und gut in die Episode passt. Thomas Balou Martin bildet als Satan dazu einen gelungenen Kontrast, mit dunkler Stimme, markantem Lachen und ziemlich diabolischen Auftreten bringt er seine ganz eigene Note mit ein. Weitere Sprecher sind Louis F. Thiele, Anna Dramski und Eva Thärichen.

Bei diesem extrem starken Sprechercast in den Hauptrollen und sehr markanten Figuren ist es völlig in Ordnung, dass die akustische Gestaltung dabei etwas in den Hintergrund tritt – die Stimmen sorgen schon für genügend Aufmerksamkeit. Doch die eingebauten akustischen Elemente mit einigen Hintergrundgeräuschen und kurzen, aber prägnanten Melodien entfalten dennoch eine positive Wirkung und sind gut auf die Dialoge abgestimmt.

Perfekt zu der Handlung in Szene gesetzt ist das Titelbild. Die beiden genannten Figuren von Tod und Teufel sind in überspitzter, stilisierter Form zu sehen, die am Krankenbett von Clara steht, von der man aber nur den Haarschopf und eine ziemlich unflätige Geste zeigt. Besonders der Glitzeranzug des Teufels gefällt mir dabei sehr gut und bildet einen gelungenen Kontrast zu dem eisblauen Hintergrund.

Fazit: „Clara gegen Tod und Teufel“ ist so ungewöhnlich, wie der Titel klingt, stellt eine ziemlich ordinäre Frau in den Mittelpunkt und lässt sie gegen die beiden mystischen Gestalten in ungewöhnlichen Rededuellen antreten. Dass sich dabei die Handlung nur langsam entwickelt, fällt überhaupt nicht negativ auf, da das markante Setting und die sehr prägnanten Figuren für gute Unterhaltung sorgen. Ungewöhnlich, aber sehr gelungen.

VÖ: 26.06.2020
Label: Contendo Media
Bestellnummer: 978-3-96762-114-3

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