Midnight Tales – 19. Die Rolle ihres Lebens



Das Casting für eine prestigeträchtige Romanverfilmung ist in vollem Gange, wobei sich auch die beiden Konkurrentinnen Maggie Newport und Kimberly Jordan kennenlernen. Beide sind heiße Anwärterinnen auf die Hauptrolle, die den weiteren Verlauf ihrer Karrieren beeinflussen wird. Der Druck ist so groß, dass Maggie gemeinsam mit ihrem Agenten Randy zu ziemlich rabiaten Mitteln greift…

Für die 19. Episode der „Midnight Tales“ hat Erik Albrodt das Skript beigesteuert und erneut eine komplett eigenständige Szenerie geschaffen, die zunächst etwas stutzig macht. Denn von übernatürlichen, unheimlichen oder Horror-Szenarien ist erst einmal nichts zu bemerken, vielmehr geht es um den Dreh eines neuen Hollywood-Films, das Casting und den Druck auf die Darsteller, fiese Tricks und Intrigen hinter den Kulissen, später dann auch um die Dreharbeiten. Was zunächst noch Spannung verspricht, da man mal wieder in eine andere Szenerie eintauchen kann, und einige interessante Figuren eingebaut wurden, verliert nach einiger Zeit allerdings den Spannungsbogen und bringt nur ein paar wenige aufregende Szenen mit ein. Das bleibt dann leider auch für einige Zeit so, erst nach einer halben Stunde Laufzeit kommt eine dramatische Szene mit ein, die dann auch den Kern des Ganzen ausmacht – wohlgemerkt bei einer Laufzeit von 35 Minuten ohne Outro. Die Szenerie wechselt kurz danach, klärt aber auch nicht vollständig auf, was hinter dieser Kehrtwende steckt. Der Hörer kann sich so zwar eigene Gedanken um die Hintergründe machen, wird aber ohne wirklichen Hinweis zurückgelassen – was bei mir einen eher unbefriedigenden Eindruck hinterlassen hat.

Yvonne Greitzke spricht die Rolle der Maggie Newport mit einer sehr energischen Stimme und viel Überzeugungskraft, wobei sie die durchaus explosive Gefühlswelt des Charakters sehr gut zur Geltung bringt. Ihr Agent Randy bekommt seine Stimme von Santiago Ziesmer geliehen, der ihr einen sehr natürlichen und bodenständigen Klang verleiht und mit seinem kratzigen Klang und gekonnter Betonung dennoch unverkennbar wirkt. Auch Gabrielle Pietermann ist in der Rolle der Kimberly Jordan zu hören, die ebenfalls mit viel Energie bei der Sache ist und verleiht ihrer Rolle teilweise schon etwas Überhebliches, was sehr gut in die Szenerie passt. Weitere Sprecher sind Jürgen Thormann, Bodo Wolf und Steffen Groth.

Während der Dialoge ist fast durchgängig im Hintergrund für eine passende Untermalung gesorgt, indem passende Geräusche zu den Handlungen eingespielt werden. Es wird aber auch mit vielen Melodien gearbeitet, die die jeweilige Stimmung aufgreifen, oder beispielsweise dem Klang eines Fernsehers mit verzerrten Stimmen, sodass eine durchgängig stimmige Atmosphäre entstanden ist.

Auch wenn die Veröffentlichung der Episode rein digital erfolgt und kein physischer Datenträger erhältlich ist, wurde ein eigenes Titelbild entworfen. Dieses präsentiert eine homoerotische Frauenliebe, wobei die grobkörnige Optik der Serie und die stilisierten, klaren Formen wieder geschickt für einen Verfremdungseffekt genutzt werden. Die beiden Gesichter, recht viel Haut und lange Haare sind geschickt arrangiert, sodass nur sehr wenig von dem Hintergrund zu sehen ist.

Fazit: Die Idee hinter der Geschichte mag gut gelungen sein, in dem Bemühen, alles möglichst mysteriös wirken zu lassen, wurden dem Hörer aber einfach zu wenige Hinweise geboten. Hinzu kommt, dass es erst sehr spät richtig zur Sache geht und im sehr langen Vorlauf kein wirklicher Spannungsbogen geboten wird. Den Druck und die Härte Hollywoods darzustellen mag zwar interessant sein, reicht (fast) auf sich allein gestellt aber nicht für eine Episode „Midnight Tales“ aus.

VÖ: 19. Juni 2020
Label: Contendo Media
Bestellnummer: 978-3-96762-113-6

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