Professor van Dusen – 25. und der Zirkusmörder



Der Ruf von Professor van Dusen als begnadeter Amateur-Kriminologe eilt ihm auch im Jahr 1902 voraus, sodass auch der verzweifelte Zirkusdirektor James Bailey seine Hilfe sucht. Denn der kluge Schimpanse Popeye, einer der Zuschauermagnete, wurde getötet. Zunächst findet van Dusen den Fall nicht interessant genug für weitere Ermittlungen, doch als dann auch noch das Kassenhäuschen abbrennt und auch eine menschliche Leiche zu beklagen ist, macht sich der Professor umgehend auf den Weg zum Zirkus…

Dass „Professor van Dusen“ seinen Zeitvertreib lieber in wissenschaftlich fundierten Theorien sucht als für alltägliche Zerstreuung zu sorgen, dürfte Hörern der nach ihm benannten Hörspielserie bereits bekannt sein, sodass sich seine Begeisterung bei Ermittlungen im Zirkus zunächst in Grenzen hält – ein gelungener Einstieg, der sowohl den treffenden Humor der Serie unterstreicht als auch die Charaktere etwas besser vorstellt. Dennoch sind Vorkenntnisse nicht notwendig, da Autor Michael Koser ab dieser Folge keine Rahmenhandlung mehr für die Geschichte geschaffen hat, sondern einzelne Episoden aus den kriminologischen Ermittlungen der Hauptfigur erzählt – da der rote Faden allerdings sowieso recht schwach ausgeprägt war, fällt dies nicht weiter negativ auf. In dem Fall um den „Zirkusmörder“ gibt es eine recht klassische Kriminalgeschichte mit einem ebenso klassischem Aufbau: Nach dem Besuch seines neuen Mandanten reihen sich zahlreiche Ermittlungen vor Ort mit der Befragung von Zeugen und einigen wichtigen Beobachtungen an, bis Professor van Dusen die richtigen Schlüsse ziehen und den Täter treffsicher benennen kann. Doch das ist dennoch sehr unterhaltsam geraten, einerseits wegen der gut eingebundenen Zirkusszenerie und den damit einhergehenden skurrilen Charakteren, andererseits auch wegen des speziellen Humors der Serie, der sich besonders durch den naiven Inspector Caruso als Vertreter der örtlichen Polizei auszeichnet. Die kurzweilige Erzählweise und die dichte Stimmung machen diesem Fall zu einem weiteren hörenswerten der Serie.

Die Besetzung der verschiedenen Rollen ist wieder außerordentlich gut geraten, fähige und engagierte Sprecher sind dabei zusammengekommen und schaffen ausdrucksstarke Figuren. So gefällt mir Heinz Giese als einfältiger Detective Caruso außerordentlich gut, wobei er besonders in einem großen Auftritt die Lacher auf seiner Seite hat. Auch der wunderbare Jürgen Thormann ist wie so oft in der Reihe in einer Rolle zu hören, wobei er die Gefühlswelt von Zirkusdirektor Bailey gekonnt zur Geltung bringt und seine unverkennbare Stimme gelungen anpasst. Auch Beate Hasenau hat einen denkwürdigen Auftritt als geheimnisvolle Madame Zorrina, die einen ganz besonderen Charme erzeugt. Weitere Sprecher sind Klaus Jepsen, Gerd Duwner und Evamaria Miner.

Die Serie war auch für den markanten Einsatz von Musik bekannt, sodass dem Hörer zu Beginn auch hier typische Zirkusmelodien entgegenschallen, was später aber wieder etwas zurückgeschraubt wird. Dennoch gibt es eine lebendige Szenerie, Stimmgewirr und passende Geräusche sind hier stärker eingebaut als in vielen anderen Episoden der Serie. Schön, dass dabei immer wieder durch prägnante akustische Elemente für einen Bruch in der Handlung gesorgt wird.

Der verstorbene Schimpanse Popeye ist auf dem Cover abgebildet, die Gitterstäbe seines Käfigs sind dabei ebenso markante Elemente auf dem wie immer in Sepia-Tönen gehaltenen Titelbild. Für die Veröffentlichung der CD wurde aber auch noch ein alternatives Cover geschaffen, das im Comicstil einen diabolischen Clown zeigt, der Hutchinson Hatch und Professor van Dusen angrinst und das Zirkusthema markanter umsetzt. Als Boni gibt es sowohl einen einleitenden Text im Inneren des Booklets als auch ein Kurzinterview als Audio hinter dem eigentlichen Hörspiel.

Fazit: Dass „Professor van Dusen“ auch ohne die Weltreise als übergeordnetes Schema der Serie auf interessante und hörenswerte Fälle stößt, beweist diese recht klassische Geschichte aus einem New Yorker Zirkus. Die Figuren sind herrlich skurril und ausdrucksstark, der Verlauf durch einen steten Informationsfluss unterhaltsam und der Humor der Serie auch hier wieder bestens getroffen, sodass „der Zirkusmörder“ eine gelungene Folge der Reihe ist.

VÖ: 18. Dezember 2020
Label: WinterZeit
Bestellnummer: 9783960663249

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