Professor van Dusen – 24. Die Erde hat ihn wieder



Die Explosion einer Bombe hat San Francisco erschüttert, der skrupellose Geschäftsmann Cosmo Caesar Cesselmann wurde dabei getötet. Bei der Gerichtsverhandlung zu dem Fall stellt sich Professor Kleinstein den Fragen der Anwälte, der den Tatort untersucht hat. Doch die Hinweise zum Zusammenbau der Bombe sind nicht sehr eindeutig, und so gerät auch ein wohlbekannter Hobbykriminologe in Verdacht: Professor van Dusen…

Die Serie um „Professor van Dusen“ erfreut sich in Hörspielkreisen wegen ihrer cleveren Geschichten und ausdrucksstarker Charaktere immer großer Beliebtheit, sodass die Folgen, die ursprünglich fürs Radio produziert wurden, nun auch auf CD erscheinen. „Die Erde hat ihn wieder“ sticht dabei deutlich aus den anderen Folgen heraus und bietet eine komplett andere Stimmung und ein mehr als ungewöhnliches Ende. Zunächst verfolgt der Hörer dabei – gemeinsam mit dem Reporter Hutchinson Hatch, der wie immer als Erzähler fungiert – den Gerichtsprozess um den Bombenmord an Cesselmann. Die zunächst unklare Szenerie bietet einen reizvollen Einstieg und wird erst langsam durch die Kommentare von Hatch klarer. Die Aussagen von Zeugen und dem Angeklagten Rupert Baxter erstrecken sich über einen weiten Teil des Hörspiel, die darin gestreuten zahlreichen Hinweise setzen sich langsam zu einem kompletten Bild zusammen. Doch dann gibt es noch einige Wendungen, die dem Hörspiel eine neue Richtung verleihen und – lange Zeit nach dem Start – auch erstmals Professor van Dusen auftreten lassen. Das bricht die ruhige, aber spannende Szenerie auf und sorgt für mehr Tempo, zumal sich einige überraschende Entwicklungen verknüpfen und sehr clever kombiniert wurden. Der Humor der Episode ist nicht so prägnant wie in anderen Teilen der Reihe, auch wenn Hutchinson Hatch natürlich gewohnt süffisante Kommentare von sich gibt. Der Ausflug in die andere Stilistik ist auf jeden Fall hörenswert, wenn auch nicht ganz so bestechend wie andere Teile der Hörspielreihe.

Der wunderbare Helmut Krauss ist hier als Verteidiger Carpenter zu hören und überzeugt dabei mit markantem Auftreten und volltönender, schneidender Stimme, die die Stimmung im Gerichtssaal intensiv wirken lässt – auch gepaart mit dem ebenfalls sehr gelungenen Auftritt von Edgar Ott als Staatsanwalt Hamburger. Dieser hat alles von seinem freundlichen Klang abgelegt und spricht sehr präzise und akzentuiert, was mir sehr gefallen hat. Wolfgang Condrus ist als Rupert Baxter zu hören, seine Szenen wirken durch ihn ebenfalls lebendig und authentisch, man bekommt nach wenigen Momenten einen überzeugenden Eindruck des Angeklagten. Weitere Sprecher sind Jürgen Thormann, Peter Matic und Heinz Petrou.

Auch akustisch sorgt die Episode für einige neue Einschläge. Während die Gerichtsverhandlung mit einigen Geräuschen schlicht, aber akzentuiert umgesetzt wurde und nur wenige Melodien bei den Erzähltexten eingebaut wurden, baut sich später eine umfassendere Szenerie auf, die in einer düsteren und markanten Klangwelt voll dröhnender Sounds und als Kontrast dazu klassischer Musik sehr gelungen wirken – natürlich nicht ganz so ausgefeilt wie mit heutigen Möglichkeiten, aber dennoch beeindruckend.

Passend zur Gerichtsverhandlung als wichtiger Bestandteil der Handlung wurde ein Richterhammer samt dazugehörigem Resonanzblock als Titelbild gewählt, das in der schlichten, rau gezeichneten Weise der bisherigen Covermotive gestaltet ist. Zur Ausstattung der CD-Version gehört auch hier wieder ein alternatives Cover im Comicstil, auf dem Hutchinson Hatch ein imposantes Grabmal besucht. Und auch ein einleitender Text von Michael Koser ist vorhanden, der erklärt, wieso er diese Geschichte mit ihrem Ausgang überhaupt verfasst hat. Und natürlich ist an das Hörspiel an sich noch ein kleines Gespräch über die Produktion angehangen.

Fazit: Selbst für „Professor van Dusen“ ist „Die Erde hat ihn wieder“ ein ungewöhnliches Hörspiel, kommt es doch über weite Teile ohne die markante Titelfigur aus. Die zunächst ausführlich dargestellte Gerichtsverhandlung setzt langsam ein komplettes Bild zusammen, nimmt dann aber noch einige überraschende Wendungen und führt zu einem beeindruckenden und außergewöhnlichen Finale. Kein Volltreffer, aber ein gelungenes Experiment.

VÖ: 21. Oktober 2020
Label: WinterZeit
Bestellnummer: 9783960663232

Datenschutzerklärung