Sherlock & Watson: Neues aus der Bakerstreet – 9. Duell im Vermissa Valley oder Das Tal der Angst



John Watson ist immer noch auf der Suche nach dem geheimen E-Mail-Account von Sherlock Holmes, erinnert sich aber während eines Chatverlaufs mit seinen Followern an den Fall um Mr. Douglas, der ihm als Informant bei seinen Ermittlungen gegen James Moriarty weiterhelfen soll. Doch er findet nur noch die Leiche des Mannes, der sich scheinbar selbst erschossen hat. Doch genau in diesem Moment taucht die Polizei am Tatort auf…

„Sherlock & Watson“, die Neuinterpretation des bekannten Detektivs vom Audio Verlag, orientiert sich nicht nur bei den Figuren, sondern auch bei den erzählten Fällen lose an den Vorlagen von Sir Arthur Conan Doyle – allerdings nur in kleinen Motiven. So wurden die Geschichten nicht einfach in die heutige Zeit versetzt, sondern ein komplett neuer Plot mit einigen Elementen aus den Vorlagen geschrieben. So hat die neunte Episode Anleihen als „Das Tal der Angst“ und dreht sich um einen geplanten Hackerangriff und einen geschickten Versuch, diesen zu verschleiern und Sherlock Holmes von der Spur abzubringen. Es macht Spaß zu hören, wie dieser gewohnt hartnäckig und konsequent nachforscht und so langsam ein komplettes Bild des Falles zusammenbaut. Besonders, dass er auch den Hörer immer wieder an seinen Rückschlüssen teilhaben lässt, ist gelungen eingebaut und bringt die Handlung deutlich voran. Gerade im ersten Drittel der Handlung ist das Tempo allerdings recht langsam, viele Szenen wirken etwas zu sehr in die Länge gezogen – insbesondere da der Hörer nur eine vage Ahnung von dem bekommt, was sich im Hintergrund abspielt. Später ändert sich das aber, die Erzählweise wirkt kompakter und spannender, der Druck auf die Charaktere ist deutlicher zu spüren. Im Nachgang gefällt mir das Konstrukt der Episode auch gut, wieder ist ein moderner und packender Krimi mit Thriller-Elementen gelungen, in dem sich die beiden Hauptfiguren sehr gekonnt bewegen.

Auch in dieser Episode überzeugen mich die Sprecher vollkommen, insbesondere Johann von Bülow in der Titelrolle des Sherlock Holmes, der seine ganz eigene Interpretation des Ermittlers schafft und dabei viele feine Facetten einbaut. Das wirkt sehr lebendig und authentisch und hinterlässt einen markanten Eindruck des Charakters. Thomas Arnold ist in dieser Episode in der Rolle des Ted Baldwin zu hören und passt sich gelungen an die Atmosphäre der Handlung an, spricht betont und mit viel Ausdruck, sodass eine facettenreiche Figur entsteht. Auch Kathrin Angerer gefällt mir als Irene Adler sehr gut, mit viel Ausdruck und einer dynamischen Sprechweise bleibt sie positiv im Gedächtnis. Weitere Sprecher sind Heikko Deutschmann, Nina Weniger und Wilfried Hochholdinger.

Ich mag auch hier die moderne Umsetzung der Serie, die mit einigen Eigenheiten einen sehr individuellen Eindruck hinterlässt. Dazu gehören neben den gelesenen Chat-Verläufen oder den Gedankenfetzen von Sherlock Holmes, die schnell aneinandergeschnitten sind, auch viele Sounds aus der modernen Informationstechnologie und ungewöhnliche Musikstücke, die zwar nicht häufig, dann aber umso treffender eingebaut sind.

Auch hier wurden wieder Portraits der beiden Hauptsprecher für das Titelmotiv verwendet, die direkt in die Kamera schauen und so einen ersten Eindruck der Figuren vermitteln. Als Hintergrund wurde eine technisch-kühl wirkende Industriekulisse präsentiert, die den geplanten Hacker-Angriff gelungen thematisiert. Auch hier wurde wieder eine hübsches Digipack als Verpackung gewählt, das ansehnlich und übersichtlich gestaltet ist.

Fazit: Auch wenn der Start von „Duell im Vermissa Valley“ etwas zögerlich geraten ist und die Episode nur langsam in Schwung kommt, ist die Szenerie mit geheimen Informanten, trickreichen Intrigen und Verwechslungsspielen gut gelungen. Die Figuren bringen wieder ihren speziellen Charme mit ein, die moderne Inszenierung weiß ebenfalls zu überzeugen. Hörenswert!

VÖ: 19. Februar 2021
Label: Der Audio Verlag
Bestellnummer: 978-3742417930

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