Professor van Dusen – 23. Robinsons Insel



Auf der luxuriösen Dampfyacht von Lord Chippendale überqueren Professor van Dusen und Hutchinson Hatch auf der Reise von Manila nach Sydney gerade den Äquator, als ein Taifun aufzieht. Mit knapper Not können sich die internationalen Gäste auf eine einsam gelegene tropische Insel retten. Doch statt Einigkeit in der Not geschieht kurze Zeit später ein Mord. Neben der bangen Frage, wie sie wieder Festland erreichen können, muss also auch der Täter identifiziert werden…

Viele Fälle für „Professor van Dusen“ in der gleichnamigen Radiohörspielserie aus den 80er Jahren spielen dank ihrer Weltreise in ganz unterschiedlichen Ländern, „Robinsons Insel“ betont aber noch mehr den Reiseaspekt als sonst und zeigt eine Episode der Fortbewegung zwischen den Ländern. Das Stranden auf einer einsamen Insel mit einer Luxusyacht und – so viel sei vorab verraten – einem interessanten Weg zurück in die Zivilisation führt zu einer sehr markanten Szenerie. Die begrenzte Anzahl an verschiedenen Personen und damit auch Verdächtigen für den Mordfall sorgt für eine verdichtete Atmosphäre, auch der größtenteils auf die Insel beschränkte Schauplatz mit wenig Bewegung macht viel von dem Reiz der Handlung aus. Doch bis zum eigentlichen Fall dauert es jedoch ein wenig, zunächst lernt der Hörer die Rahmenhandlung und die Figuren kennen, erlebt die ersten Stunden auf der unbesiedelten Insel und erlebt dabei den wundervollen Humor der Serie. Überzeichnete Charaktere, die sich nach dem Stranden auf einer einsamen Insel erst einmal darüber streiten, welcher Kolonialmacht diese nun gehören soll und welchen Namen ihr gegeben wird, unterhaltsame Streitigkeiten und präzise formulierte Dialoge mit viel Subtilität gefallen mir sehr gut. Erst kurz vor der Hälfte der Handlung geschieht dann der Mord, doch auch das Vorspiel ist ziemlich unterhaltsam geraten – und spielt bei der Aufklärung noch eine wichtige Rolle. Der Fall wird dann recht knapp, aber gut nachvollziehbar und konzentriert erzählt, was für viele spannende Momente sorgt. Interessant ist der Umgang mit dem Rassismus einiger Figuren mit Äußerungen, die man sich bei heutigen Produktionen verkneifen müsste, denen dann aber auf nachdrückliche Weise widersprochen wird.

Lothar Blumhagen ist in der Rolle des Lord Chippendale zu hören, den er mit viel Energie und einer herrlich aufgeblasenen Attitüde spricht. Er schafft aber in den verschiedenen Szenen auch passende kleine Facetten und so eine vielseitige Figur. Die wunderbare Beate Hasenau ist als dramatische Operndiva Madame de la Mousse zu hören, die sie mit viel Ausdruck ausstattet und ihr dabei schon leicht skurrile Züge verleiht – sehr gelungen! Auch Otto Czarski hat mir in der Rolle des Kommerzienrat Piefke gut gefallen, besonders dessen Empörung und seine Steifheit bringen eine gelungene Komponente mit ein. Weitere Sprecher sind Hermann Ebeling, Heinz Spitzner und Norbert Gescher.

Der ganz besondere Stil der akustischen Gestaltung wird auch hier wieder gekonnt angewendet und erzeugt die typische Stimmung, wobei der Einsatz von Musik hier punktuell begrenzt ist und sehr klassische, unheilverkündende Klänge erzeugt. Geräusche sind ebenfalls recht viele zu hören, die die Atmosphäre auf der einsamen Insel und besonders den anfänglichen Sturm sehr lebendig und prägnant im klassischen Stil darstellen.

Die titelgebende Insel ist auf dem Cover im typischen, groben Zeichenstil der bisherigen Covergalerie zu sehen, wobei riesige Kreuze aus Palmen und Felsen herausragen. Und auch hier gibt es im Inneren wieder ein deutlich farbenfroheres Wechselcover im Comicstil, auf dem Hatch und van Dusen am Strand der Insel stranden – übrigens auch wieder mit einer passenden, ebenfalls anders gestalteten Seitenlasche. Im Inneren des kleinen Booklets findet sich wieder ein einleitender Text von Autor Michael Koser mit einigen Erinnerungen an das Skript.

Fazit: „Robinsons Insel“ ist mit seiner sehr prägnanten Szenerie und wenigen, aber umso ausdrucksstärkeren Charakteren sehr unterhaltsam, wobei die lange Introszene schon sehr unterhaltsam geraten ist, aber erst etwa kurz vor der Hälfte mit dem eigentlichen Fall beginnt. Die clevere Auflösung und die ungewöhnliche Bestrafung des Täters schließen den Fall gelungen ab, der mir insgesamt sehr gut gefallen hat.

VÖ: 14. August 2020
Label: WinterZeit
Bestellnummer: 9783960663225

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