Midnight Tales – 32. Der nahende Winter



Der nette ältere Herr vor dem Supermarkt wirkt zwar sehr hilfsbereit und sammelt gemeinsam mit Nadja ihre verstreuten Einkäufe auch, macht aber auch einen etwas merkwürdigen Eindruck. Dennoch bietet sie ihm an, ihn zu seinem Haus zu fahren, da der Bus noch einige Zeit auf sich warten lässt. Auf der Fahrt zu dem einsam gelegenen Haus kommen die beiden ins Gespräch, und Nadja kommen immer mehr Zweifel, ob ihr Angebot so klug war…

Dem zweiwöchigen Veröffentlichungsrhythmus sei Dank haben die „Midnight Tales“ von Contendo Media in beeindruckendem Tempo noch im Jahr des Ersterscheinens die Marke von über 30 Episoden geknackt. Und passend zur letzten Veröffentlichung im Dezember wurde mit „Der nahende Winter“ eine zur Jahreszeit passende Folge veröffentlicht. Tatsächlich spielt der immer heftiger werdende Schneefall eine wichtige Rolle in der Handlung, die sich allerdings vorrangig auf das Gespräch von Nadja und dem geheimnisvollen Rachat konzentriert. Dabei sind bereits einige merkwürdige Details eingebaut, die den Hörer miträtseln lassen, was hinter der seltsamen Begegnung steckt – und diese mehren sich immer deutlicher. Mir gefällt diese zunehmende Intensität der Handlung sehr gut, das feine Gespinst aus Anspielungen und Nadjas Reaktionen, wobei frankophile Hörer noch etwas schneller eine Idee haben könnten, in welche Richtung sich das alles entwickelt. Denn irgendwann bekommt man zumindest auch unweigerlich eine Ahnung über die Hintergründe, die sich in meinem Fall dann auch bestätigt hat. Doch statt die Episode auf diesem durchaus spannenden Höhepunkt enden zu lassen, geht es danach noch ebenso gelungen weiter, in einen philosophischen und gefühlsbetonten Abschluss, sodass eine insgesamt hörenswerte Episode entstanden ist.

Es sind in dieser Folge wirklich gerade einmal zwei Sprecher zu hören – wenn man vom Intro mit Peter Flechtner und den Credits von Alex Bolte einmal absieht. Sabine Arnhold ist dabei in der Rolle der Nadja zu hören und überzeugt mit ihrem kraftvollen Ausdruck und der feinen Zeichnung ihrer Emotionen, auch der Handlungsbogen der Episode wird durch sie und die immer stärker werdende Intensität gekonnt wiedergegeben. Ihr zur Seite steht Bodo Wolf als Rachat, mit eingängiger und freundlicher Stimme, der man aber auch immer einen Hauch des Geheimnisses anhört, das er verbirgt – eine sehr überzeugende Leistung.

Der eher ruhige Verlauf der Handlung wird durch eine passende Klangkulisse untermauert, wobei zunächst zahlreiche passende Geräusche eingebunden sind, die die Dialoge lebendiger wirken lassen – vorbeifahrende Autos, das Knistern eines Feuers, das Knarren eines Stuhls. Später kommen dann auch unheimliche Musikstücke mit dramatischem Unterton hinzu, die den Gruselfaktor der Geschichte deutlich zu steigern wissen.

Scherenschnittartig erhebt sich ein weißer Winterwald auf dem Titelbild in die Höhe, davor eine gemütlich aussehende Blockhütte mit warm beleuchteten Fenster, während der angedeutete Friedhof erst auf dem zweiten Blick zu erkennen ist – das Titelbild zu dieser Episode gefällt mir sehr gut und greift die geheimnisvolle Stimmung der Geschichte gekonnt auf.

Fazit: „Der nahende Winter“ präsentiert keine wendungsreiche, actiongeladene Handlung, sondern ein leises Gespräch mit zahlreichen unheimlichen Andeutungen, die immer mehr zunehmen. Die Auflösung lässt sich zwar irgendwann erahnen, was aber die Spannung nicht nimmt – zumal die letzte Szene noch einen emotionalen Höhepunkt bietet. Eine hörenswerte Episode, die mir gut gefallen hat.

VÖ: 18.12.2021
Label: Contendo Media
Bestellnummer: 978-3-96762-128-0

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