Phantastische Geschichten – Unter dem Messer



Eine anstehende Operation macht Hoyt eine Menge Sorgen, und das obwohl es sich eigentlich um einen Routineeingriff handelt. Dennoch ist er davon überzeugt, die Behandlung nicht zu überleben. Dies raubt ihm den letzten Lebensmut, statt seine noch zur Verfügung stehende Zeit zu genießen, wird ihm die Vergänglichkeit des Lebens allzu bewusst, sodass er kaum noch den Tag der Operation – seinen letzten Tag abwarten kann…

Auch wenn die Reihe „Phantastische Geschichten“ keine fortlaufende Handlung erzählt, sondern einzelne, in sich abgeschlossene Episoden erzählt werden, wurde diese von Imaga in Staffeln unterteilt. Und da nun der Beginn der zweiten Staffel ansteht, wurde ein 20-minütiges Mini-Hörspiel als Appetitanreger veröffentlicht, das es vorerst nur als Download auf der Imaga-Homepage veröffentlicht wurde. Fairerweise wurde aber auch gleich betont, dass „Unter dem Messer“ auch als Bonushörspiel am Ende der Staffel auf CD in einer regulären Folge erscheinen wird. Die Vorlage stammt von H.G. Wells, anders als sonst steht aber keine dynamische Handlung mit immer neuen Voraussetzungen an, sondern ist sehr monologisch und dreht sich in der ersten Hälfte um die Gewissheit zu sterben und damit verbundene Hoffnungslosigkeit, mit einigen philosophischen Gedanken: Was machst du mit dem Rest deiner Zeit, wenn der Sinn fehlt und sich nichts mehr lohnt? Das ist packend und dicht geraten, wobei auch dem Hörer klar ist, dass der Tod Hoyts unausweichlich ist, die Introszene lässt da keine Vermutung offen. Nach seinem Tod geht es mit einer sehr interessanten Episode mit seinem Nachtoderlebnis weiter, die sehr ungewöhnliche Gedankengänge zulässt, versucht den Tod begreiflich zu machen und lässt die Erde und das Leben aus einer ganz anderen Perspektive erleben. Beide Teile der kurzen Handlung gefallen mir gut, sind aber auch sehr still erzählt und bieten kein Hörspiel nach klassischer Idee – besonders im Vergleich zu anderen Produktionen von Döring. Und am Ende gibt es dann noch einen kleinen Dreh, eine sinnstiftende Idee, die so typisch für die Geschichten von Wells ist.

Norman Matt trägt den absolut größten Teil des Hörspiels übernimmt die langen, monologisch aufgebauten Erzähltexte mit viel Ausdruck in der Stimme, die von bitterer Enttäuschung, sanftem Erstaunen bis hin zu überwältigender Erkenntnis reicht. Sehr fein fügt er Facetten hinzu und baut somit einen gelungenen Bogen durch das Hörspiel auf, an dem der Hörer sich orientieren kann – ganz davon abgesehen, dass er auch in den Dialogszenen sehr überzeugend ist. In kleineren Rollen stehen ihm Jaron Löwenberg, Gordon Piedesack und Daniel Montoya zur Seite.

Auch wenn die Geschichte eher eine Momentaufnahme ist, Oliver Döring verlieht ihr dennoch einen kinoreifen Soundtrack und eine sehr intensive Gestaltung mit Geräuschen, die die Wirkung der Szenen sehr gekonnt unterstreichen. Pompöse Melodien und futuristische Klänge sind dabei gekonnt auf die Erzählung abgestimmt und verleihen ihr düstere Farben und einen sehr gelungenen Ausdruck.

Für das Cover des Download-Hörspiels ist ein eigenständiges Cover entstanden, das inmitten einer hellen Sternengalaxie, wirbelnden Lichtbögen und strahlenden Sternen die Silhouette einer durchscheinenden Gestalt andeutet. Gemeinsam mit dem futuristischen Schriftzug der Serie und den schlichten Lettern ist auch hier wieder ein hübsches Titelbild entstanden.

Fazit: Der Vorgeschmack auf die zweite Staffel von „Phantastische Geschichten“ ist beeindruckend geraten und zeigt die Vielfalt, zu der Reihe und Produzent fähig sind. Die kurze Handlung von gerade einmal 20 Minuten Laufzeit präsentiert in fast monologischer Form viele philosophische Gedanken und einen gelungenen Twist am Ende. Mit dieser Momentaufnahme einer Todeserfahrung ist ein ungewöhnliches und hörenswertes Hörspiel gelungen.

VÖ: 2. Dezember 2020
Label: Imaga
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