Professor van Dusen – 22. Doktor Tschu Man Fu



Auf ihrer Rundreise durch Asien sind Professor van Dusen und Hutchinson Hatch nach ungemütlichen Tagen in der Wüste in Shanghai angekommen, wo sie auf ein wenig mehr Komfort hoffen. Doch kaum im Hotelzimmer angekommen klopft es an der Tür und eine Frau kommt hereingetorkelt – mit einem Messer im Rücken. Mit ihren letzten Atemzügen kann sie noch eine Warnung von Mord und Aufstand ausstoßen, die Professor van Dusen auf die Spur des undurchsichtigen Doktor Tschu Man Fu bringt…

Durch die episodenübergreifende Weltreise von „Professor van Dusen“ in der gleichnamigen Radiohörspielserie, die mittlerweile auch auf CD erscheint, konnte sich Michael Koser nicht nur ganz unterschiedlichen Fällen widmen, sondern auch auf verschiedene interessante historische Aspekte in die Serie einbauen. So spielt „Doktor Tschu Man Fu“ im chinesischen Shanghai und widmet sich in Anleihen der bewegten Geschichte der Stadt, inszeniert dazu einen dämonischen und bösartigen Gegenspieler und schafft so eine in sich sehr stimmige Handlung. Denn schon nach wenigen Momenten ist mit dem Auftauchen der schwer verletzten Frau auch der Hörer mitten in der Handlung angekommen, die sich danach nicht sonderlich temporeich, aber durchgängig interessant und dynamisch gestaltet. Immer neue Hinweise und Ermittlungen unter wechselnden Bedingungen, Täuschungsmanöver und unerwartete Verbündete sorgen für Abwechslung, wobei die Verbrecherjagd durch die Stadt zu einem abschließenden Duell hinzuführen scheint. Dass es dabei einige gelungene Kniffe gibt, ist bei dieser Serie schon nicht mehr unbedingt erwähnenswert. Einen wirklichen Aha-Effekt wie bei der Enttarnung eines Mörders oder dem Lösen eines kniffligen Rätsels gibt es zwar nicht, dennoch ist „Doktor Tschu Man Fu“ auch wegen der gelungenen humoristischen Anteile ein hörenswertes Hörspiel der Reihe.

Der wunderbare Christian Rode ist in dieser Episode in der Rolle des Inspektor Flemming zu hören, der als Ortskundiger das Ermittlerduo begleitet. Seine Stimme war auch schon bei den Aufnahmen im Jahr 1981 sehr markant und ausdrucksstark, zumal er seine Stimme spontan und lebendig klingen lässt. Gerhard Friedrich ist als Doktor Tschu Man Fu zu hören und verleiht der prägnanten Figur eine sehr ausdrucksstarke Aura, was die Wirkung der Episode noch einmal deutlich verstärken kann. Klaus Herm bringt den Humor der Serie als Hutchinson Hatch sehr gut zur Geltung, seine spöttischen Kommentare sorgen für einige Lacher, aber auch den Spannungsbogen der Episode zeichnet er gekonnt nach. Weitere Sprecher sind Heinz Petrou, Verena Peter und Klaus Jepsen.

Die Umsetzung der Handlung ist auch hier wieder sehr präzise und auf einige, aber dafür prägnante akustische Elemente ausgerichtet. So kommen einige Dialoge vollkommen ohne Begleitung aus, es gibt aber auch einige authentisch wirkende Geräusche. Der Soundtrack ist stark von chinesischen Einflüssen geprägt und für europäische Ohren weder bekannt noch sonderlich harmonisch, insbesondere wegen des Begleitgesangs. Das sorgt wieder für eine sehr gelungene und einzigartige Stimmung, die man in sonst nur wenigen anderen Produktionen kennt.

Ein chinesischer Mann mit einem typischen Kinnbart ist auf dem Titelbild in einer Großaufnahme zu sehen, wobei der ungewöhnliche Zeichenstil und die Farbgebung wieder an die bisherige Covergalerie anschießen. Im Inneren gibt es aber natürlich auch wieder ein Wendecover mit einem Motiv im Comicstil, ebenso wie im Inneren ein einleitender Text mit einigen Erinnerungen von Autor Michael Koser an den Fall zu lesen ist.

Fazit: „Doktor Tschu Man Fu“ präsentiert einen interessanten und machtvollen Gegenspieler für Professor van Dusen, verbreitet viel fernöstliche und fremdartige Stimmung, ist mit markanten Szenen versehen und verbreitet den feinen Humor der Serie. Hochspannung kann dabei zwar nicht erzeugt werden, eine gelungene Episode ist dennoch entstanden.

VÖ: 24. Juli 2020
Label: WinterZeit
Bestellnummer: 9783960663218

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